Black Rock City, die kreisrunde Stadt in der Wüste von Nevada, hat etwas von einem Phönix: Immer wieder stirbt sie, und mit Vorliebe den Flammentod. Ihre vielleicht 40.000 Einwohner verstreuen sich in alle Winde, und spätestens am Montag wird man keine Spur mehr von der kochenden, kleinen Gemeinde finden, wenn alles gut geht: Denn dann werden die Umweltbehörden auch im nächsten Jahr ihre Genehmigung geben für die Wiedergeburt der flüchtigsten Stadt der Welt.
In der pulsiert Jahr für Jahr für genau eine Woche das Leben, mitten in der Wüste, wo sonst nichts ist. Zehntausende von Menschen zieht das Spektakel des Burning Man jedesmal an, wobei es schwer ist, zu beschreiben, was das eigentlich ist: Offiziell ist es ein Kunst-Festival, aber es gilt auch als Kult-Veranstaltung der Silicon-Valley-Technophilen, als letztes echtes Hippie-Event, als Karneval der Abgedrehten.
Irgendwie stimmt das alles.
Bereits 1986 bauten Larry Harvey und Jerry James erstmals einen hölzernen Mann auf, den sie - damals noch an einem Strand von San Francisco - als Abschluss eines kleinen Kunst-Happenings mit rund 20 Teilnehmern feierlich verbrannten. Vier Jahre später kam ein halbes Tausend und ein Verbot der Stadtverwaltung - Harvey zog mit seinem Burning Man in die Wüste von Nevada um.
In der Mitte von Nirgendwo wurde seine Statue zum Mittelpunkt einer temporären Zeltstadt, die bis Mitte der Neunziger zu spektakulärer Größe anwuchs. Immer mehr Skulpturen und schrille Gebäude entstanden um den Burning Man, immer mehr Teilnehmer kamen hinzu. Ein äußerst buntes Völkchen, dem Stadtgesetz von Black Rock City, wie die temporäre Stadt nun hieß, verpflichtet zum Anything Goes - Selbstinszenierung ist hier nicht nur eine Tugend, sondern ein Muss.
Als dann Ende der Neunziger Zehntausende Nackte, Bemalte, Kostümierte in der Wüste sich, Black Rock City und den Burning Man feierten, wuchs das Event zu einem Kunstwerk in sich: Heute schicken Zeitungen und TV-Sender ihre Korrespondenten aus, um dort Eindrücke und Bilder zu sammeln. Obwohl es Black Rock City auf keiner Karte zu finden gibt, kann man sich die Stadt bei Google Earth von oben ansehen. Und natürlich kann man Briefmarken sammeln, die dort abgestempelt wurden: Längst ist die kleine Gemeinde auf Zeit mit allem ausgestattet, was man auch von einer normalen Stadt erwarten darf.
Ist das alles Kunst? Es ist auf jeden Fall künstlich, äußerst schrill und kreativ. Dass viele der Kunstwerke und Skulpturen nur erschaffen werden, um am Ende in Flammen aufzugehen, tut all dem keinen Abbruch. Das eigentliche Kunstwerk ist der Ort selbst zu seiner Zeit. Ab Montag pfeift der Wind darüber, bis die ständig wachsende Stadt im nächsten Jahr wieder ersteht. Ende August, Anfang September, business as unusual.
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