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21.09.2007
 

Neues Museum Berlin

Richtfest auf der Ruine

Endspurt zur Vollendung eines architektonischen Juwels: Die Berliner Museumsinsel feiert Richtfest für das Neue Museum. Der Bau war lange umstritten, da Star-Architekt David Chipperfield einige Kriegsschäden nicht saniert hat.

Berlin - Mit dem Neuen Museum würden "Berlin und ganz Deutschland um eine bedeutende Einrichtung reicher", sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) heute beim Richtfest auf der Museumsinsel. Das Neue Museum werde die Brücke zum Berliner Schloss mit dem Humboldt- Forum.

Während des Richtfests ist die Baustelle beim Museum für drei Tage öffentlich begehbar. Von Samstag bis Montag gewähren die Kulturschaffenden zwischen 10 und 18 Uhr Einblick in die Werkstatt des Wiederaufbaus.

Die Wiedereröffnung des von Friedrich August Stüler zwischen 1843 und 1855 errichteten Kunsttempels ist für Oktober 2009 geplant. Die Kosten werden auf 233 Millionen Euro beziffert.

Im Museum werden ab 2009 die Sammlungen des Ägyptischen Museums, einschließlich der Nofretete ausgestellt. Auch die Sammlungen des Museums für Vor- und Frühgeschichte werden in dem 20.00 Quadratmeter großen Bau untergebracht. Zu diesen gehört unter anderem der heute in St. Petersburg lagernde Schatz Trojas.

"Meistbesuchteste Baustelle der Welt"

Mit jährlich drei Millionen Gästen ist die Museumsinsel laut Neumann "die meistbesuchte Baustelle der Welt". Auf fast 60.000 Quadratmetern Fläche stehen dort das Alte Museum, das Neue Museum, die Alte Nationalgalerie, das Bode-Museum und das Pergamonmuseum.

1999 hatte der Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz einen "Masterplan" beschlossen, der die Richtlinien für die Sanierung des Ensembles umfasst. Im selben Jahr wurde die Museumsinsel in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen. Nach der Alten Nationalgalerie, die 2001 als erster der fünf Kunsttempel wiedereröffnet wurde, folgte vor knapp einem Jahr nach mehrjähriger Restaurierung das Bode-Museum.

Das Neue Museum war zwischen 1943 und 1945 zu 70 Prozent zerstört worden und blieb als einziger der fünf Museumsbauten zu DDR-Zeiten lange Kriegsruine. Den internationalen Wettbewerb für die Restaurierung erhielt 1997 das Büro des britischen Architekten David Chipperfield.

Umstrittenes Sanierungskonzept

Chipperfield, der auch das Eingangsgebäude der Museumsinsel entwirft, setzt in seinem Sanierungskonzept darauf, die Spuren des Krieges nicht zu verwischen: Schäden am Gebäude sollen sichtbar bleiben. Für sein Konzept erntete der Brite zunächst viel Kritik.

Klaus-Dieter Lehmann, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, verteidigte den Entwurf hingegen: Der Architekt habe die "historische Ehrlichkeit gegen eine scheinechte Täuschung" durchgesetzt. Peter-Klaus Schuster, der Generaldirektor der Staatlichen Museen, sagte, Chipperfields Entwurf versprühe "klassische Erhabenheit".

"Es ist ein Missverständnis, dass wir dieses Haus als Ruine erhalten wollen", sagte der Architekt selbst. "Im Gegenteil: Wir wollen seine Vollendung." Im Mittelpunkt des Gebäudes steht das große Treppenhaus. Die 20 Meter große Halle mit den Fresken Friedrichs Kaulbachs wurde im Krieg völlig zerstört. Chipperfield baute in die Halle einen wuchtigen Betonaufstieg ein, an den sich zwei Seitentreppen bis knapp unter die Decke anschließen.

ssu/ddp/dpa

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