Von Marc Pitzke, New York
Burns begleitet die GIs nach Asien, nach Nordafrika, nach Italien, in die Normandie, macht die elende Körperlichkeit der Schlachten greifbar. Meist lässt er die Soldaten selbst erzählen, oft in Form ihrer ergreisten Alter Egos, von denen sich einige offenbar zum ersten Mal derart öffnen. Derweil verschmelzen die blutigen Gefechtsszenen - darunter seltene Farbaufnahmen - zu einem Ballett des Todes, untermalt von der Musik Wynton Marsalis'.
Dem ist keine Tränendrüse gewachsen. Und erst recht nicht der Ballade "American Anthem" von Norah Jones, die sich als klagendes Leitmotiv durch alle sieben Folgen windet: "America, America, I gave my best to you".
Burns' schwerer Pinselstrich übertüncht politische Nuancen. London, Stalingrad, Bergen-Belsen, Warschau - Fußnoten. Da Burns erst mit dem amerikanischen Kriegseintritt 1941 einsteigt, reißt er alles Frühere nur an, etwa Hitlers Polen-Überfall. Über die Hälfte der Zeit verbringt er stattdessen im "namenlosen, endlosen" Pazifik (Hynes) - und zeigt so, in schonungslosen Nahaufnahmen, eine Seite dieses Krieges, die in Europa fast unbekannt ist, doch nicht minder grausig war.
Nur auf den Protest von Latino-Gruppen hin hat Burns auch noch ein 20-minütiges Kapitel über eine Latino-Einheit namens "Carlson's Raiders" eingefügt, die sich furchtlos hinter die japanischen Linien schlug. Heraus kam eine der packendsten Geschichten in "The War".
"Keiner weiß, keiner versteht"
Nur langsam dämmerte den Amerikanern, dass dieser Krieg mehr war als Vergeltung für Pearl Harbor, sondern "in Wahrheit zur Verteidigung einer noblen Idee geführt wurde", wie es der Soldat Dwayne Luce aus Mobile erst angesichts der Konzentrationslager erkannte.
Burns ruft längst vergessene, in Europa vermutlich eher unbekannte Ereignisse ins Gedächtnis zurück. Wer spricht schon noch vom Todesmarsch von Bataan, bei dem bis zu 11.000 Männer starben? Oder davon, dass der legendäre General Douglas MacArthur seine Truppen auf den Philippinen im Stich ließ? Oder dass das US-Militär generell anfangs völlig unvorbereitet war? Welch glorreiche Armee: "140.000 Männer in Zinnhüten und Gewehren von 1903." Jeder durfte ran, so er größer war als 1,52 Meter und "wenigstens die Hälfte seiner Zähne hatte".
Während der Krieg für die Europäer am 8. Mai 1945 zu Ende war, ging er im Pazifik weiter. Burns führt einen tief in die "Kloake der Hölle" Okinawa, wo mehr GIs starben als sonstwo im Pazifik. Er sitzt mit an Bord der "Enola Gay", die die Atombombe auf Hiroshima abwarf (ein Ereignis, das strikt aus der Vogelperspektive gezeigt wird). Er kehrt mit den Soldaten nach San Francisco zurück, wo der dreieinhalb Jahre in Gefangenschaft verschollene Glenn Frazier feststellt, dass seine Familie ihn für tot hielt.
Der Zweite Weltkrieg machte die USA zur Weltmacht. Seine Krieger machte er, so sie überlebten, zu Männern - doch nicht immer zu Helden. "Keiner weiß, keiner versteht", murmelt Quentin Aanenson über die inneren Qualen, die ihn bis heute verfolgen. "Mein Krieg", berichtet der von Alpträumen verfolgte Frazier, "dauerte noch weitere 30 Jahre."
Es sind die Bilder, die Frazier am meisten nachhängen - und, dank Burns, nicht nur ihm. Zum Schluss fährt die Kamera ein letztes Mal über die Gesichter der Toten. Doch diesmal sind es keine Kriegsbilder, sondern Fotos aus ihrer Idylle zuvor: Verlobungen, Hochzeiten, Familienfeste. Jeder einzelne, spätere Soldat lächelt - jung, kindlich und voller Tatendurst.
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