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02.10.2007
 

"Beckmann"-Talk

Pauli lässt Seehofer abblitzen

Von Sebastian Fischer

Fortsetzung des CSU-Parteitags bei "Beckmann" – aber noch lustiger: Die gescheiterten Vorsitzkandidaten geben sich ein rebellisches Stelldichein. Der einstige Querulant Horst Seehofer sucht Gabriele Pauli väterlich zu umwerben - doch die ist einfach nicht zu fassen.

Es ist Rebellenabend bei Reinhold Beckmann. Erst kommt Horst Seehofer, der Querulant und Herz-Jesu-Sozialist, der Widerspenstige. Dann kommt Gabriele Pauli, die Latex-Landrätin, Stoiber-Stürzerin und feuerrote Motorradbraut. Was für eine Mischung! Bei Beckmann sitzt quasi die gegenwärtige Essenz der Polit-Pop-Partei CSU am Tisch.

Beim Parteitag der Christsozialen am Samstag ist Rebellin Pauli von ihren Parteifreunden ignoriert worden. Sie hat gegen Seehofer und Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber um den Parteivorsitz kandidiert – doch erwähnt hat das kein Redner auf dem Podium. Es wurden da konsequent nur Huber und Seehofer erwähnt.

Gabriele Pauli hat das ziemlich fuchsig gemacht. Beckmann wird gleich ein Einspielfilmchen zeigen, wie sie per Saalmikro den "lieben Günther" (Beckstein) am Samstag so lange daran erinnert hat, dass "wir, du und ich", eine "gemeinsame Geschichte" (Stoiber-Sturz) haben, bis sie ihr in der Regie den Ton abgedreht haben.

Aber halt. Jetzt zieht die schöne Landrätin schon wieder alle Aufmerksamkeit auf sich. Dabei hat sie bei der schwarzen Chefwahl nur 2,5 Prozent der Stimmen geholt – Horst Seehofer dagegen genau 36,6 Prozentpunkte mehr. So darf Rebell Seehofer bei Beckmann zuerst ran.

Liebesaffäre ohne Folgen

Der Frager klärt erst mal norddeutsch knapp die Seehofersche Seelenlage ab: "Nicht enttäuscht?" – "Nein." "Gesicht gewahrt?" – "Ja." Prima. Dann kann's ja losgehen.

Es soll ja nun Rebellenabend sein. Und Seehofer legt schon mal vor: Grund seiner Niederlage beim Kampf um den CSU-Vorsitz sei nicht seine Berliner Liebesaffäre, nein, eher "die Absprache aus dem Januar in Kreuth" (Beckstein-Huber). Die Delegierten auf dem Parteitag hätten dieses Bündnis "in keiner Weise gefährden" wollen. Im Übrigen: "Meine Verbündeten sitzen in der Bevölkerung und weniger im Establishment." Er habe sich immer "ein Stück Unabhängigkeit bewahrt" und "eine eigene Meinung gestattet".

Nicht schlecht, das gibt ein paar Rebellenpunkte. Auch im Umgang mit der noch nicht anwesenden Pauli gestattet sich Seehofer Eigenes: Er grenzt sie nicht aus, sagt, sie habe Mut bewiesen, besitze Zivilcourage: "Wir als CSU sollten alles tun, dass wir sie an uns binden und halten." Das hört sich väterlich an. Seehofer gibt plötzlich den Integrator.

Dann kommt Pauli. Und wie. Es wird der beste Teil der Sendung.

Fragen im Stakkato

Seehofer sagt gleich noch mal das mit dem Mut und der Courage. Aber Gabriele Pauli lässt sich einfach nicht umarmen: "Ich würde mir den Mut auch von anderen wünschen", sagt sie mit einem sehr offenen Blick in Richtung Seehofer. Der erhebt den Zeigefinger: "Ja, Frau Pauli, dass man Mitglieder stärker beteiligen muss, das vertrete ich auch", aber an manchen Punkten sei sie eben in der Auseinandersetzung zu weit gegangen. Dann kontert Pauli, dass man ihr den Ton abgedreht habe auf dem Parteitag. Und der Einzelgänger Seehofer wird zum Parteimenschen: "Der Günther Beckstein ging doch hoch, sagte, er wolle Sie nicht herabwürdigen …" Pauli: "Ich verstehe nicht, warum Sie Beckstein verteidigen, wenn man demokratisch denkt ..." Großartig. Horst Seehofer verteidigt das Establishment.

Und dann kommt Reinhold Beckmann. Hat die CSU sich das Motto "Näher am Menschen" gegeben, dann hat es Beckmann übernommen – und superlativiert. Denn er stößt den Kopf im 45-Grad-Winkel zum Tisch vor, rückt Gabriele Pauli im Stakkato auf die Pelle. Ob sie nicht all ihren Kredit durch die Latex-Fotos verspielt habe? Pauli: "Ich wurde herausgedrängt, ich wurde unangenehm …" Ob sie denn wirklich gar keine Fehler gemacht habe? "Es war alles gut so, wie ich es gemacht habe." Woher denn ihr Gefallen an der Selbstdarstellung komme? "Da könnte man fragen, warum die Medien immer besonders um mich herum sind." Aber sie suche doch das Scheinwerferlicht! Nein! Aber die Bilder in der "Bunten" neulich, nur mit Bayern-Flagge umhüllt? "Es ist das, was ich lebe."

Es ist ein bisschen wie Tennis: Talk-Tennis. Seehofer ist in diesem Moment nur der Zuschauer. Er versucht es dann noch einmal väterlich: "Ich bin doch für den offenen Weg in der Politik, aber irgendwo muss doch die Mannschaft wieder zusammenstehen." Pauli kalt: "Sie denken anders als ich." Sie habe sich "nie einbinden lassen in eine Struktur". Jetzt weiß Seehofer wirklich nicht weiter, jetzt muss er seinen Ruf verteidigen: "Ja, ich doch auch net!"

Nicht zu fassen

Es ist ein schöner Abend an Beckmanns Massivholztisch. Weil Gabriele Pauli nicht in die herkömmlichen Polit-Raster passt, sie auf herkömmliche Fragen nicht Herkömmliches antwortet, ist sie kaum zu fassen. Am besten ist es dann, sie reden, sie mit anderen Gästen diskutieren zu lassen. Das macht Beckmann sehr gut. Außerdem hat er dafür auch noch Horst Seehofer. Und später kommt noch die ZDF-Journalistin Maybrit Illner.

Die ist nun so gar nicht väterlich oder mütterlich zu Pauli. Beckmann plaziert die beiden Damen nebeneinander und man merkt schon: Die Illner kann mit der Pauli nichts anfangen. Sie blitzt sie von der Seite an: Pauli habe sich "auf einen gefährlichen Parcours begeben, auf den Boulevard", spielt Illner auf die Latex-Fotos an. Pauli: "Ich kann mich fotografieren lassen, wie und wo ich will." Illner: Ihr Gefühl sei es aber, dass das "nicht günstig ist für eine Volkspartei, sich in Latex und Lack ablichten zu lassen". Pauli setzt Illner dann schachmatt: "Warum soll ich ein anderer Mensch werden?"

Tja, darauf haben wir alle keine Antwort. Das Mysterium Pauli, es besteht fort. Auch dank Beckmann und Co-Rebell Seehofer.

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