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05.10.2007
 

Neues "FAZ"-Layout

Alles, alles geht vorbei

Von Reinhard Mohr

Frisch, fromm, frei: Seit heute erscheint die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" im neuen, farbenfrohen Layout. Eine Kulturrevolution! Weg mit der Fraktur! Auf den ersten Blick scheint die Operation gelungen. Aber werden sich die dringend benötigten neuen Leser locken lassen?

Da liegt sie nun auf dem Frühstückstisch, die gute alte "FAZ" mit dem brandneuen Layout. Und was sehen die müden Augen auf der Titelseite? Den vielgeliebten Führer Nordkoreas, Kim Jong Il und sein südkoreanisches Pendant, Präsident Roh Moo Hyun, beide offensichtlich mit der Verkostung von Rotwein beschäftigt. Acht Flaschen schmücken den blumengedeckten Tisch, dahinter rauschen Meereswogen über eine Wandtapete. Und darunter eine nüchterne Schlagzeile, ab sofort linksbündig.

Auf den ersten Blick: Operation gelungen. Nicht nur weil das Bild hübsch ist und den ersten Schmunzler des Tages hervorruft. Das neue Erscheinungsbild der vielleicht immer noch besten Tageszeitung Deutschlands wirkt tatsächlich heller, lichter, frischer. Da hat die ausführliche Eigenwerbung der "FAZ" recht.

Die größte Revolution: Die altehrwürdige Frakturüberschriften der berüchtigten Kommentare auf der ersten und letzten Seite des politischen Hauptteils, des "ersten Buches", sind weg. Jetzt wird Fraktur nur noch in der "TimesNewRomanCondensed Bold" geredet, pardon: geschrieben. Allein der Markenname "Frankfurter Allgemeine" prangt noch in eherner Fraktur. Ansonsten: Mehr Luft, mehr Weißräume, ein leicht größerer Abstand zwischen den Zeilen ("Durchschuss") und keine Trennlinien mehr zwischen den Spalten. Vor längeren Artikeln steht ein "Lead", eine kurze Zusammenfassung, und die Überschriften der einzelnen Rubriken laufen in Versalien, was sie auch schlanker macht. Darüber hinaus kleinere Veränderungen hier und da, ein wenig mehr Rot in der Schrift, noch mehr Farbe in den Bildern.

Und warum das Ganze?

Weil "der Souverän" gesprochen hat, schreibt Herausgeber Werner d'Inka. Mehr als drei Viertel der Leser hätten die neue Gestaltung gut geheißen. Wichtiger aber wohl die Erkenntnis, dass die "Beachtung des Visuellen" zugenommen hat. Am wichtigsten jedoch die empirische Feststellung, dass es immer weniger echte Leser gibt. "Der Übergang von der regelmäßigen zur sporadischen Lektüre" (d'Inka) geht zweifellos einher mit einer "abnehmenden Lesedauer".

Da ist es ein relativ schwacher Trost, dass junge Leute zwar noch lesen, aber eben anders. Sagen wir es frei heraus: Sie lesen viel weniger als wir in unseren Jugendtagen, weil es heute, anders als vor dreißig Jahren, Hunderte Fernsehprogramme gibt, Internet, iPod, YouTube, Google, DVD, E-Mail, SMS und MMS.

Die stundenlange Konzentration auf eng bedruckte Seiten ist ihre Sache nicht, und das hat vor allem die "FAZ" gespürt. Seit ein paar Jahren geht ihre gedruckte Auflage empfindlich zurück. Und das kann nicht nur an zuweilen etwas krude altväterlichen Leitartikeln liegen.

Gewiss, die Online-Ausgaben der Printmedien mit ihrem atemberaubenden Tempo, ihrer rasanten Optik und dem wachsenden Werbeaufkommen machen den Zeitungen das Leben zusätzlich schwer, aber es gibt auch einen gesellschaftlichen Grund für den harten Kampf um Leser.

Mein lieber Nachbar, auch er "FAZ"-Abonnent seit vielen Jahren, redet hier immer gern von der "Kultur des Illiteraten", von der wachsenden Unfähigkeit, längere, zumal komplexe, grammatikalisch wie intellektuell anspruchsvolle Texte zu lesen und zu verstehen, schließlich auch: zu genießen.

Kurz: die Zeitungskultur selbst ist in Gefahr, deren gloriose Vergangenheit etwa in den Bildern aus Wiener Kaffeehäusern oder Pariser Bistros gebannt ist, in denen sich einzelne Menschen stundenlang der Lektüre gleich mehrerer Zeitungen hingeben.

So verstanden ist das vergleichsweise moderate Lifting der FAZ ein freundliches Angebot, eine wenigstens optische Herabsetzung der Schwelle für neue, interessierte Leser.

Die schmalere Anmutung und die frischere Aufmachung wirken durchaus einladend, und wir sind gespannt auf das Echo in den nächsten Tagen.

Eines allerdings bleibt, wie es war: Lesen muss man immer noch selber.

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insgesamt 29 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
25.10.2007 von almabu: Erst gar nicht wiedererkannt am Kiosk, ...

... habe ich die geliftete FAZ! Ich hielt sie für eine Satire-Ausgabe der taz, die die WELT kopieren sollte ... Der alte, verschroben wirkende Bleisatz-Stil war wenigstens originell. Der neue Stil ist gefälliger und beliebiger [...] mehr...

23.10.2007 von kleiner-moritz:

An den bunten Bildchen auf der ersten Seite kann ich mich nicht wirklich stören, allerdings fehlt mir der Rest des traditionellen Layouts. Früher wirkte es aufgeräumter, vielleicht schon durch die Linien zwischen den Spalten. [...] mehr...

12.10.2007 von aschwalb: Ochh

Das Layout allein machts net.War früher tagtäglich auf deren Seite,aber als die kein Forum mehr hatten bin ich nicht mehr hin.Zu uninterressant,keine Kommunikation mehr.Phoenix ebenso, auch uninterressant. mehr...

07.10.2007 von Shiraz:

Hihi, ich wusste genau, dass das jetzt kommt. Das Problem ist: 99 Prozent der Leute interessieren feine Differenzierungen bezüglich veralteter Schriften nicht, und zwar ziemlich unabhängig von Bildung oder Intelligenz. Die [...] mehr...

07.10.2007 von Siebziger:

Die Fraktur ist keine Nazischrift. Das ist ein weitverbreitetes Mißverständnis. Manchmal wäre ein wenig mehr Geschichtsverständnis doch wünschenswert. mehr...

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