Von Ingeborg Wiensowski
"Take me to the edge of heaven – Goldrausch 2007" heißt die Ausstellung im Berliner Kunstraum Kreuzberg im Bethanien-Haus, die heute abend um 19 Uhr eröffnet wird. Auf welchen Himmelsrand die 15 jungen Künstlerinnen der Schau wohl spekulieren? Den Museumshimmel der Ewigkeit, den der Selbstverwirklichung als Freier Künstler? Der Einzigartigkeit? "Goldrausch"?
Ach so, vielleicht meinen sie den Markt-Himmel mit Geld, Ruhm, Hype und Medienpräsenz? Die Hoffnung, immer Besseres, nie Gesehenes, Gefragtes zu produzieren? Alles richtig, alles falsch. Klar, hoffen alle fünfzehn auf Anerkennung, eine Karriere, ein Auskommen als Künstler, und alle bangen, dass es auch anders kommen kann. Kleine Ironie also der Titel, und die haben sie bei "Goldrausch" zu formulieren gelernt.
"Goldrausch", das ist ein Künstlerinnenprojekt zur Professionalisierung für Bildende Künstlerinnen mit Wohnsitz in Berlin, ein kostenloses einjähriges Postgraduiertenseminar, "in dem profilierte Künstlerinnen am Beginn ihrer Karriere arbeitsfeldspezifisches Fachwissen erwerben". Goldrausch ist so etwas wie die praktische Vernunft im Kunsthöhenflug, mit Kursen zur Gestaltung von Websites und Bewerbungsmappen, zu Steuererklärungen, Versicherungen und zum Urheberrecht. Mit Diskussionen über den Markt, die Kunstszene und die realen Möglichkeiten, eine Galerie zu finden. Ganz wichtig ist am Ende die gemeinsame Ausstellung der Teilnehmerinnen mit je einem eigenen Katalog, der als eine Art "Visitenkarte" aller Künstlerinnen in einem Schuber von Goldrausch großzügig an Galerien, Kunstvereine und Museen verschickt wird.
Und Goldrausch ist für alle Teilnehmerinnen eine Kontaktbörse, eine Klasse nach der Kunsthochschul-Klasse, ein Austausch mit Kolleginnen, eingeladenen Gästen und den Projektleiterinnen Hannah Kruse und Birgit Effinger.
Gut und wichtig, sagen frühere Teilnehmerinnen, sei die Möglichkeit, sich zu vernetzen und Kontakte untereinander aufzubauen. Unbequem sei die Erkenntnis, dass es "keinen goldenen Schlüssel" zum Einstieg in den Markt gibt, sagt Julia Neuenhausen, eine frühere Teilnehmerin. Für sie war die Konsequenz des Kurses, sich "die Kunstvermittlung als zweites Standbein zur Arbeit als Künstlerin" aufzubauen. Tina Borns "Quintessenz" klingt bitterer: "Kunst ist kurzlebig, auch der Erfolg darin, es empfiehlt sich, einen Geldjob zu machen."
Hannah Kruse arbeitet seit 2004 für den Kurs. Auf einen "Geldjob" hinzuweisen sei auch ihre Aufgabe, aber natürlich gehe es vorrangig darum, Künstlerinnen "Formen der Kommunikation und des Austausches" zu lehren. Denn mit wem diskutiert man nach dem Ende des Studiums sein Projekt, seine Pläne, wenn man noch keine Galerie hat? Wer versteht, dass es die Arbeit einer Künstlerin sein kann, über Wasserschlüpfrigkeit von Pinguinen, Namensforschung, Kriminalistik, Natur und Technik fiktiv nachzudenken und die Ergebnisse zu zeichnen und als Papiermodell zu falten wie Doris Sprengel es tut?
Auf die Arbeit von Kei Takemura, Wahlberlinerin aus Japan, hat der Kurs direkten Einfluss genommen. Sie stickt mit Seidenfäden die "Erinnerungen an andere Menschen" auf einen dünnen durchsichtigen Stoff und stellt in einer Performance typische Gesten und Handlungen von Personen nach. In Bethanien zeigt sie eine große Wandarbeit, auf der sie ihre 14 Kolleginnen porträtiert hat und die dazugehörenden Performance-Videos. Ihre Kollegin Beatrice Jugert hisst vor dem Bethanien 15 Kunst-Fahnen, für jede der Künstlerinnen eine. Offenbar sind sie wirklich Freundinnen geworden.
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Das alles ist wirklich ganz prima und insofern hat so eine Initiative meine volle Unterstützung. Aber: Die Probleme mit der Steuererklärung und den Versicherungen sind nicht unbedingt die an denen ein erfolgreiches Coming Out [...] mehr...
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