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30.10.2007
 

Loriot bei "Beckmann"

"Na warte, liebe Evelyn!"

Von Peer Schader

Wenn ein Komiker wie Loriot Abschied nimmt, sitzen die Worte. Gestern neckte er im Ersten seine verstorbene Kollegin Evelyn Hamann mit einem letzten, wehmütigen Scherz. Die anschließende "Beckmann"-Sendung war ein Witz, zum Glück kein richtig schlechter.

"Wird Sie Ihnen fehlen?", hat Reinhold Beckmann eine seiner typischen Beckmann-Fragen gestellt, bei denen man gerne mal erleben würde, dass der Gefragte sich einfach verweigert und stattdessen protestiert: Auf so einen Blödsinn antworte ich nicht! Vicco von Bülow hat am Montag die freundlichere Variante gewählt und auf Beckmanns Frage über seine in der Nacht zuvor verstorbene Kollegin Evelyn Hamann gesagt: "Natürlich." Was auch sonst?



Es ist ein trauriger Zufall, dass Beckmann seinen Gast bereits am Freitag im Studio empfing, um mit ihm über sein Lebenswerk zu reden, das gerade auf DVD erschienen ist, und zwei Tage darauf die Frau, mit der er seine größten Erfolge feierte, gestorben ist. Die ARD jedenfalls blendete immer wenn das Gespräch in der Sendung auf Hamann kam, den Hinweis "Aufzeichnung vom Freitag, 26.10.2007" ein und schickte Beckmann am Montag eilig zu von Bülow nach Hause, um ihn dort noch ein paar Abschiedsworte sagen zu lassen. Anders hätte man "Beckmann" an diesem Montag kaum senden können.

Es war auch so seltsam genug, wie von Bülow da von seinem Sofa aus seine Worte direkt an Hamann richtete: "Liebe Evelyn, dein Timing war immer perfekt – nur heute hast du die Reihenfolge nicht eingehalten." Dann eine Pause. Und schließlich mit einem ganz feinen Lächeln: "Na warte." Die Szene lief wenige Minuten zuvor bereits im Nachruf auf Hamann in den "Tagesthemen", weil sie ja ebenfalls aufgezeichnet war, und die "Tagesthemen"-Regie hatte es so eilig, dass von Bülow nach seiner kurzen Pause ausgeblendet wurde und Tom Buhrow hinzufügen müsste, dass es da noch einen Nachsatz gegeben hatte.

Kurz darauf durfte von Bülow bei "Beckmann" erzählen, dass er das Fernsehen heute ermüdend fände, weil immer alles so schnell gehen müsse.

"Sie lieben Marzipan?"

Für ein Stündchen hat die ARD am späten Montagabend dann aber doch noch den Entschleunigungsapparat angeworfen und den großen Loriot erzählen lassen. Vom ersten Sketch. Vom Großvater. Und von seiner Zeit als Soldat in Russland.

Es war ein – sagen wir: kontrastreiches Gespräch. Und der große Loriot saß da, wie man mit 83 Jahren eben so da sitzt, wenn man in eine Talkshow eingeladen wird, um über sein Leben Auskunft zu geben: ruhig, mit heiserer Stimme und tief sitzender Brille.

Beckmann hat ein weiteres Mal den viel zu gut vorbereiteten Streber gespielt, bei dem man jeder Frage anhört, dass sie perfekt auf die Anekdoten abgestimmt ist, die sich die Redaktion im Vorgespräch hat erzählen lassen.

Beckmann fragt nicht, weil ihn die Antworten interessieren. Die kennt er ja schon. Er fragt, um Stichworte zu geben: "Ihr Vater hat sich einmal einen Zauberkasten gekauft?" – "Sie sind ja bei der Großmutter aufgewachsen?" – "Sie haben Shakespeare an der Front gelesen?"

Das hat den Vorteil, ein solches Gespräch ziemlich genau lenken zu können, und von Bülow hat sich recht gut lenken lassen ohne Beckmann all zu viel Mühe zu bereiten, ihn manchmal aber dann doch ganz großartig auflaufen lassen. "Sie lieben Marzipan?", fragte der Moderator einmal, und von Bülow antwortete bloß trocken: "Aber nicht jetzt."

Später wurden für ein paar Minuten Olli Dittrich und Max Raabe dazu gebeten. Mit Raabe ist von Bülow bereits befreundet, und bei Dittrich hat er die Möglichkeit genutzt, ihm endlich einmal zu sagen, wie großartig er ihn fände, was Dittrich wiederum sichtlich irritierte, weil es doch für ihn eine Ehre war, neben Loriot sitzen zu dürfen.

Wie in der Glaskugel

So überhäufte man sich zu später Stunde im Ersten eine Weile gegenseitig mit aufgezeichneten Komplimenten, ohne dass der Moderator eingreifen musste; plauderte über die schnelllebige Zeit und das Fernsehen, das noch viel schnelllebiger geworden sei, und die Komik, die oft am besten sei, wenn man sie wie von Bülow akribisch vorbereite, aber auch ganz toll, wenn sie sich wie bei "Dittsche" aus dem Moment ergäbe. Es war eine Runde wie in einer Glaskugel, um die ein Schneesturm tobt, aber drinnen hat man es sich gemütlich gemacht und wundert sich ein bisschen, dass es draußen so turbulent zugeht.

Noch viel lieber hätte man aber gesehen, wie Loriot denen gegenübersitzt, die kein anderes Tempo kennen als das, was ihnen das Fernsehen heute vorgibt: die Schnellbespaßer aus der zweiten oder dritten Reihe, die von Sender zu Sender wandern und bei denen kein Witz länger hält als ein paar Sekunden. Die, denen sich von Bülow in der vorigen Woche verweigerte, als er nicht bei der Verleihung des Deutschen Comedypreises auftauchte, wo er geehrt wurde.

Das hätte eine spannende Diskussion gegeben, mit den Atze Schröders des deutschen Fernsehens! So blieb es beim versöhnlichen Austausch von Kollegen, die sich ohnehin gut verstehen. "Ich wollte noch sagen, dass ich mich wahnsinnig gefreut habe, Sie heute zu sehen", tuschelte von Bülow später zu Dittrich hinüber, der anschließend im Glückstaumel nach Hause gewankt sein muss. Das irritierte: Soviel ehrliche Bewunderung ist man im deutschen Fernsehen einfach nicht mehr gewöhnt.

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