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Religion Die Klimaforscher des Korans

2. Teil: Der Koran als Weg zu Gott - und zur Geschichte

Alle diese sogenannten "Intertexte" werden von den "Corpus Coranicum"-Forschern in einer Datenbank gesammelt. Noch sind es keine 200 Einträge, aber das Projekt läuft erst seit neun Monaten. Spätestens 2009 soll die Datenbank öffentlich zugänglich gemacht werden. Zuvor ist noch eine Dokumentation der Entstehungsgeschichte des (verschriftlichten) Koran geplant, später wird Neuwirth mit ihrem Mitarbeiter Nicolai Sinai den Versuch einer Deutung der Daten liefern.

Eine Datenbank, keine Zeitbombe

Westliche Intellektuelle haben vor allem in den vergangenen Jahren und verstärkt nach dem 11. September 2001 immer wieder die Forderung an "die Muslime" herangetragen, den Koran endlich als zeitgeschichtliches Dokument zu begreifen - denn dann, so die damit verbundene Hoffnung, könne "der Islam" sich reformieren, die wörtliche Lesart des Koran aufgeben und zu neuen, vermeintlich zeitgemäßeren Interpretationen gelangen. Wahrscheinlich ist auch Schirrmacher so zu verstehen, dass er glaubt, die Arbeit am "Corpus Coranicum" könne den Muslimen den Weg dorthin ausleuchten.

Nun wollen die Potsdamer Islamwissenschaftler in der Tat "den Koran in die Geschichte holen" - jedoch nicht aus missionarischem Eifer. "Der westliche Zugang zum Islam ist notwendig historisch", meint Neuwirth. "Das ist die Substanz der Moderne." Aber es wäre "ganz falsch, triumphal zu behaupten, wir hätten den Schlüssel zum Koran gefunden, und die Muslime 14 Jahrhunderte lang nicht".

Sie und ihre Kollegen haben stattdessen einen Weg gewählt, der nicht konfrontativ ist, sondern auf wissenschaftlichen Dialog setzt: Das Team reist regelmäßig in die islamische Welt, um das Projekt vorzustellen. In Iran, Marokko und Ägypten waren sie schon. Austausch sei "ein honoriger Teil der Wissenschaft, und deshalb sollen unsere muslimischen Partner auch wissen, was wir tun", sagt die Hochschullehrerin. Die Erfahrungen seien bislang positiv.

Es verfestigt sich ein Gesamteindruck: Das "Corpus Coranicum" ist eines der spannendsten Projekte der deutschen, vielleicht der westlichen Islamwissenschaft. Aber eine intellektuelle Zeitbombe, die dann 2009 die islamische Gelehrsamkeit von Kairo bis Isfahan erschüttert, wird in Potsdam nicht zusammengeschraubt. Es geht zunächst um eine Datenbank mit Referenztexten, die zum Beispiel "Syrisch: Die Anordnung der Gebets über die Geburt der Gottesgebärerin Maria" heißen. Schon die Hürden zum Verständnis des Projekts sind also nicht ganz niedrig.

"Aber wir sind ja auch nicht 'Google Coranicum'", scherzt der Mitarbeiter Yousef Kouriyhe - und wendet sich wieder der Schokolade, dem Espresso und einem syrischen Liturgiebuch zu.

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