• Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Tageskarte Küche Nebel des Grauens

2. Teil: Rezept für Parmaschiffchen mit Melonenkaviar (für 4 Personen)

Zubereitungszeit: 30 Minuten

Schwierigkeitsgrad: leicht

Zutaten: 4 große, ganze Scheiben Parmaschinken (nicht zu dünn schneiden lassen – Schnittstärke wie Wurstaufschnitt); 1 vollreife, aber noch feste Galia-Melone, 4 cl Midori (grüner Melonenlikör); 1 g Natriumalginat E 401 (heißt bei Adriàs Texturas: "Algin"; beim Anbieter texturePro: "Algizoon"), 8 g Kalziumchlorid E 509 (bei Texturas: "Calcic", bei texturePro: "Calazoon"). Seit kurzem werden auch komplette Zauberkästen mit überschaubaren Einzelmengen (30–50 g) angeboten. 13 "Texturas" von Ferran Adria kosten beim Münchner Molekular-Fachgeschäft Gradert rund 70 Euro, das Komplettset von texturePro mit 10 Pülverchen gibt es bei bosfood für 99 Euro.

Zubereitung Parmaschiffchen: Backrost mit Backpapier belegen, 4 flache Tassen darauf verteilen. Je 1 Schinkenscheibe am Rand auf 1 Tasse legen und Schinken vorsichtig in Tasse drücken, Rest des Schinkens überlappt Tasse und reicht bis zum Backpapier. Bei 100 Grad 30 Min. backen, bis sich der Schinken hart anfühlt. Schinken noch im heißen Zustand ganz vorsichtig aus Tasse drehen und direkt auf die Servierteller legen. Abkühlen lassen. Tipp: immer ein Parmaschiffchen mehr als gebraucht wird zubereiten – falls eines auseinender bricht.

Melonenkaviar: Melone vierteln, entkernen, Fruchtfleisch ohne Schalen in grobe Stücke zerteilen, in hohem Gefäß oder Mixer zusammen mit dem Midori pürieren, durch feines Sieb ziehen. Vom Saft 250 g (genau abwiegen) abnehmen und darin 1 g Natriumalginat mit Mixer/Schneidstab auflösen. Drei weitere größere Schüsseln mit je 1 l kaltem Wasser bereit stellen. In der ersten Schüssel 8 g Kalziumchlorid auflösen. Melonensaft auf große Spritze aufziehen (oder kleines Loch in Plastikwasserflasche bohren und Saft in Flasche einfüllen). Saft langsam Tropfen für Tropfen in die Kalziumchlorid-Lösung laufen lassen. Die Tropfen gelieren sofort zu Kaviar (bilden Außenhaut, bleiben innen aber flüssig). Wichtig: alle 2 Minuten Kaviar mit Schaumlöffel herausheben und im klaren Wasser (2. Schüssel) spülen, Kelle unter fließendem Wasser spülen und damit dann Kaviar in die dritte Wasserschüssel herüber heben (dort kann er bis zum Servieren schwimmen, sollte aber nicht länger als max. 20 Minuten aufbewahrt werden). Auf diese Weise nach und nach den gesamten Saft zu Kaviar umwandeln.

Anrichten: Kaviar gut abgetropft in die Vertiefung der Parmascheiben geben und beim Servieren den Gästen erklären, wie die Vorspeise zu essen ist (ein Stückchen Parma abbrechen, ein Mal darauf beißen, dann ein Löffel Kaviar dazu im Gaumen platzen lassen).

Fleischlose Variante: Da die Gelifikation mit Algin ganz ohne Gelatine (aus Tierabfällen hergestellt) funktioniert, eignet sich diese Zubereitungsart natürlich perfekt für Vegetarier. Leckere Alternative: Melonenkaviar auf Blättern vom roten, hauchdünn mit Ziegenfrischkäse bestrichenen Chicorée.

Küchen-Klang: Molekular-Kochen erfordert exaktes Abwiegen und extrem konzentriertes Arbeiten. Deshalb swingt in der Versuchsküche der ruhig pulsierende Jazz des Doppelalbums "E.S.T Live In Hamburg" (Act/edel) des schwedischen Esbjörn Svensson Trios.

Getränketipp: Gemeinsam mit dieser Vorspeise bietet sich als Aperitif je 1 cl Midori im Sektglas mit trockenem, eiskaltem Cava aufgefüllt an.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 3 Beiträge
sieghartpaul 18.11.2007
Oh - das ist doch eine Mode, was ? Aber Moden haben die Eigenschaft, so diese, eben jene Moden Substanz haben und nicht nur heiße Luft erzeugen, eventuell einige Spuren zu hinterlassen. Schauen wir in Alte Kochbücher kann auch [...]
Zitat von sysopDen meisten Normalessern ist die Molekularküche des spanischen Documenta-Stars Ferran Adrià eher unheimlich. Ein Selbstversuch zeigt: Alles halb so schlimm und doppelt so lecker wie befürchtet – solange die Chemie stimmt. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,517771,00.html
Oh - das ist doch eine Mode, was ? Aber Moden haben die Eigenschaft, so diese, eben jene Moden Substanz haben und nicht nur heiße Luft erzeugen, eventuell einige Spuren zu hinterlassen. Schauen wir in Alte Kochbücher kann auch das eine oder andere entdeckt werden. Zum Beispiel wurde so vor ungefähr 100 Jahren ein Geschmacksverstärker namens Sardelle gern verwendet. Oma tat diese gehäkelt gern an Saucen, und es klappt wirklich ! Die Italiener gebrauchen die Sardelle immer noch in dieser Form und bei allerlei Gerichten. Siehe: http://volkskueche.net/volkskueche/?p=170 http://volkskueche.net/volkskueche/?p=15 http://volkskueche.net/volkskueche/?p=417 Also ganz schön, das alles ....... Man ist, was man isst ?
georg081263 18.11.2007
Ich hatte zunächst auch Bammel davor, mir ging es aber wie dem Autor: entweder Abkehr von der Molekülküche oder mitten rein :-) Mittlerweile bin ich sehr begeistert, versuche aber, die Verfahren in die normale Speisenfolge zu [...]
Ich hatte zunächst auch Bammel davor, mir ging es aber wie dem Autor: entweder Abkehr von der Molekülküche oder mitten rein :-) Mittlerweile bin ich sehr begeistert, versuche aber, die Verfahren in die normale Speisenfolge zu integrieren. So kann man unauffällig überraschende Akzente setzen, ohne Effekthascherei und ohne die Bekochten zu überfordern. Das ist wohl die eigentliche Herausforderung. Zu den Bezugsquellen ein Kommentar: Meist muss man sich einzelne Produkte mühsam zusammensuchen. Seit mehreren Monaten habe ich Gourmantis (http://www.gourmantis.de/index.php?cPath=190) entdeckt, offenbar der einzige Anbieter, der alle erwähnten Produkte zugleich anbietet und dazu noch entsprechende Bücher anbietet. Danke an den Spiegel für den tollen Artikel :-) Gruß Georg
schleckischleck 18.11.2007
Ich hätte nie gedacht, wie einfach diese Sache mit der Molekularküche ist. Das geht offenbar ganz unkompliziert und erinnert mich ans Kuchenbacken, wo man ja auch gute Resultate erzielt, wenn man die Zutaten ganz genau auswiegt. [...]
Ich hätte nie gedacht, wie einfach diese Sache mit der Molekularküche ist. Das geht offenbar ganz unkompliziert und erinnert mich ans Kuchenbacken, wo man ja auch gute Resultate erzielt, wenn man die Zutaten ganz genau auswiegt. Weil Ihr Rezept so schön bunt ist, werden wir das demnächst mal mit mehreren bunten Fruchtsäften zusammen mit unsren Kindern als süßen Nachtisch probieren. Vielen Dank, daß Sie mir die Angst vor dieser Art zu kochen genommen haben!
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
alles aus der Rubrik Gesellschaft
alles zum Thema KulturSPIEGEL-Tageskarte Küche

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP