Von Christian Buß
Damit die Party läuft, muss man als Gastgeberin gelegentlich ein bisschen rabiater sein. Nicht mal Greise dürfen in solchen Momenten auf Mitleid hoffen. Patricia Riekel, Chefredakteurin der "Bunten" und Mitausrichterin der vom Verlagshaus Burda initiierten Bambi-Gala, steuerte gestern Abend gnadenlos auf Johannes Heesters zu, drückte die renitente Stimmungskanone sanft, aber bestimmt in seinen Sessel, erhob dann im schnarrenden Befehlston einer Altenpflegerin die Stimme und belegte den 103-Jährigen mit einem schrecklichen Fluch: "Ab jetzt bekommen Sie jedes Jahr einen Bambi!"
"Respekt-Bambi" heißt das Ding, das man Heesters gewidmet hat. Es ist eine sonderbare Sondertrophäe mehr für eine Veranstaltung, bei der fast sowieso nur sonderbare Sondertrophäen vergeben werden. Vom "Ehren-Bambi" bis zum "Courage-Bambi": Man denkt sich da jedes Jahr noch was Neues aus, obwohl die Ausgezeichneten stets mehr oder weniger dieselben sind.
Grundsätzlich stehen auf der Bühne bei der Gala im Ersten Maria Furtwängler, die in ihrer Doppelfunktion als Gattin des Burda-Chefs und ARD-Allzweckwaffe eine Art Hausrecht genießt, und Veronica Ferres. Da sie nicht jedes Jahr einen Preis bekommen können, halten sie zumindest Lobreden auf Kollegen und Kolleginnen, bei der sie die absolute Einmaligkeit der Gepriesenen herausstellen. Soviel geballte absolute Einmaligkeit kann auf Dauer ziemlich ermüdend sein.
Einen guten Schnitt machen
Damit der Zuschauer bei der überlangen Gala, die sich gestern in Düsseldorf auf über drei Stunden zog, nicht wegdöst, haben die Macher sich etwas Praktisches ausgedacht: Durch Schnitte zu einzelnen Prominenten im Publikum kommentieren sie die öde Festlichkeit auf der Bühne. Was man inzwischen bei jeder Fernsehübertragung dieser Art anwendet, wurde gestern aufs Wunderbarste perfektioniert.
Als zum Beispiel Ferres, berauscht von der eigenen Rezitationskunst, dem geehrten Armin Mueller-Stahl während der Laudatio ein Gedicht vortrug, zeigte die Kamera kurz Barbara Schoeneberger, die sich unter dem poetischen Erguss schmerzlich verkrampfte. Und als Hannes Jaenicke die als beste internationale TV-Darstellerin geehrte Eva Longoria von der Bühne aus anflirtete, kichert die an ihrem Tisch nur respektlos über den von ihm ultra-amerikanisch ausgesprochen Titel "Desperate Housewives". Hey, der Mann hat schon in US-Produktionen mitgespielt und wollte das auch mal zeigen!
Die kleinen Sticheleien von Harald Schmidt, der diesmal alleine durch die Show führte und das sichtlich genoss, waren da fürs Amüsement eigentlich gar nicht mehr nötig. Sehr nett allerdings war es mit anzusehen, wie er auf der Kö, Düsseldorfs Einkaufsstraße für die Reichen, aber nicht unbedingt Schönen, in der Rolle des Gigolos alten aufgebretzelten Schachteln den Hof machte und so nebenbei seine eigene Rolle im Galabetrieb auf den Punkt brachte. Wer zahlt, wird bedient, auch wenn es mal weh tut.
So viel Geriatrie war nie
Die Bambi-Gala ist inzwischen eine geriatrische Angelegenheit geworden - und das gar nicht so sehr, weil man dort Greise wie eben Heesters feiert oder wunderschöne Großmütter wie Sophia Loren, die gestern für ihr Lebenswerk die bereits neunte Burda-Trophäe mit nach Hause nahm. Es gibt einfach keine Überraschungen oder jüngeren Gesichter im hiesigen Film- und Unterhaltungsgewerbe - jedenfalls erhalten sie keine Eintrittskarten für die Veranstaltung.
Als einziger Neuzugang im selbstbezüglichen deutschen Promi-Betrieb ist erstaunlicherweise Frank Schirrmacher zu nennen, der Mitherausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Schirrmacher hat vor nicht allzu langer Zeit den Bestseller "Das Methusalem-Komplott" veröffentlicht, dessen Titel auch ganz gut auf das graumelierte und glanztoupierte Personal der Bambi-Veranstaltung gepasst hätte.
Gestern Abend nun hielt er eine wahrlich bizarre Laudatio auf den amerikanischen Schauspieler Tom Cruise, der bekanntlich gerade für die Hollywood-Produktion "Valkyrie" Claus Schenk Graf von Stauffenberg verkörpert und dafür vom Bambi-Komitee mit dem Courage-Bambi geschmückt wurde.
Gott zum Cruise!
Schirrmacher floss vor quasi-religiöser Bewunderung für den zu Kürenden dahin: In Anspielung auf Cruise' Chef-Funktion beim unlängst erworbenen United-Artists-Studio erklärte er: "Kein Titel schien so groß wie sein Name." Es folgten zehn Minuten lang weitere sakrale Gesänge auf den Mann, der, wie Schirrmacher es nannte, "Graf Stauffenberg sein Gesicht geliehen hat." Hallelujah.
Angepeitscht von so viel Ehrerbietung hielt Tom Cruise im Anschluss eine viertelstündige Rede über Tapferkeit, Mut und Leistungsbereitschaft. Er wirkte dabei wie eine Mischung aus deutschem Offizier und irrem Motivationstrainer, also in etwa so, als habe er seine Rollen in "Valkyrie" und "Magnolia" vermischt. Leider ließ er es sich nicht nehmen, seinen muskulösen Monolog mit den Worten zu schließen, die Graf von Stauffenberg vor seiner Hinrichtung gesprochen haben soll: "Es lebe das heilige Deutschland!"
Seine Gattin Katie Holmes, die den ganzen Abend sehr müde und sehr traurig ausgesehen hatte, guckte ihn bei der Rückkehr an den Tisch erschöpft an. Vielleicht dachte sie sich einfach: Schatz, du redest Müll.
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Mich wundert nur, wann die denn - zwischen alle den "roten-Teppich-Veranstaltungen" - überhaupt noch zum arbeiten kommen :-) mehr...
Ach ja, der Bambi. Immer die gleichen deutschen Möchtergern-Stars die da sitzen. Die unvermeidliche Ferres,dann dieser Heiner Lauterbach, der eigentlich nur durch Saufereien und Weibergeschichten aufgefallen ist und die ganze [...] mehr...
Wer schaut sich denn so nen Mist an? Ihr (die ihr zuseht) wisst aber schon, dass eure Lebenszeit begrenzt ist? mehr...
Kommentar zur Bambi-Verleihung in der Kategorie Mut an Tom Cruise von einer Scientology-Aussteigerin (8-jährige Zugehörigkeit): Das Problem Cruise und Stauffenberg-Film ist viel tiefer und leider sehr viel ernster, als es viele [...] mehr...
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