Paris - Selbst wenn es ihm nur einen Euro beschert, dürfte Peter Handke das Urteil als ein gelungenes Geburtstagsgeschenk empfunden haben. Pünktlich zum 65. Geburtstag des Dichters ist die französische Wochenzeitung "Le Nouvel Observateur" heute wegen Verleumdung des österreichischen Schriftstellers zu einem symbolischen Schadenersatz verurteilt worden. Dies bestätigte die 17. Kammer des Pariser Oberinstanzgerichts.
Handke hatte "Le Nouvel Observateur" wegen der Behauptung verklagt, er billige "das Massaker von Srebrenica und andere während der Säuberung begangener Verbrechen". Der Autor wurde in dem am 6. April 2006 veröffentlichten Artikel wegen seiner am Grab des ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic gehaltenen Rede heftig kritisiert.
Der Artikel hatte damals die Absetzung des Handke-Dramas "Spiel vom Fragen oder Die Reise ins sonore Land" vom Spielplan der Comédie Francaise für 2007 zur Folge und löste eine kontroverse Debatte in den Medien aus.
Bereits 1996 war es nach der Veröffentlichung von Handkes Reisebericht "Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien" zu kontroversen Diskussionen gekommen. Kritiker werfen dem Österreicher eine Verharmlosung der serbischen Kriegsverbrechen vor. Handke selbst weist das von sich.
Im Juni 2006 verzichtete Peter Handke aufgrund der entbrannten politischen Diskussion auf den erstmals mit 50.000 Euro dotierten Heinrich-Heine-Preis 2006 der Stadt Düsseldorf.
tho/dpa
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