Los Angeles - Kein Pomp, nur Circumstances: Statt einer festlichen Feier soll es lediglich eine live im Fernsehen übertragene einstündige Pressekonferenz in Beverly Hills geben, erklärte die Hollywood Foreign Press Association (HFPA). Aus Solidarität mit den seit mehr als zwei Monaten streikenden Autoren hatte die mächtige Schauspielergewerkschaft Screen Actors Guild erklärt, viele hochkarätige Hollywood-Stars würden die Golden-Globe-Gala boykottieren.
"Wir sind alle sehr enttäuscht, dass unsere traditionelle Zeremonie in diesem Jahr nicht stattfinden wird", erklärte Jorge Camara, Präsident der Hollywood Foreign Press Association (HFPA), die bei der Gala federführend ist, in einer Stellungnahme. Dem Fachmagazin "Hollywood Reporter" sagte ein Agent der Hollywood-Studios jedoch: "Ich schicke keine Stars auf eine Pressekonferenz, bei der sie auf Klappstühlen sitzend den Namen eines anderen (Gewinners) hören."
Laut Screen Actors Guild wollten nominierte Schauspieler wie Julia Roberts, Tom Hanks oder George Clooney nicht an der Gala teilnehmen. Fernbleiben wollten auch diejenigen, die als Präsentatoren eingeplant waren. Die Autorengewerkschaft WGA hatte zuvor angekündigt, ihre Autoren würden bei der großen Gala Streikposten errichten. Zur Begründung hieß es, die Firma Dick Clark Productions, die die Zeremonie organisiert, gehöre zu den bestreikten Unternehmen. Screen Actors Guild erklärte, es gebe eine "einmütige Übereinkunft" unter den Schauspielern, diese Streikposten nicht zu durchbrechen.
Mehr als 3000 US-Drehbuchautoren für Film und Fernsehen sind seit dem 5. November im Ausstand. Die WGA fordert für ihre 12.000 Mitglieder eine höhere Beteiligung an DVD-Tantiemen sowie an den Einnahmen bei neuen Medien wie Internet und Mobilfunk. Es ist der erste Autorenstreik seit fast 20 Jahren.
Rückkehr zu den Wurzeln
Dass in diesem Jahr nicht die Stars sondern Journalisten die Globe-Gewinner verkünden, ist in gewissem Sinne eine Rückkehr zu den Wurzeln des Film- und Fernsehpreises. Die Golden Globes werden seit 1944 von der HFPA vergeben, die ein Jahr zuvor von acht internationalen Journalisten in Hollywood gegründet worden war. In den ersten Jahren überreichten stets Pressevertreter die goldene Erdkugel mit dem Filmstreifen an Schauspieler und Regisseure. Bis 1958 plötzlich Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Junior die Bühne stürmten.
Das "Rat Pack", wie das Schauspieler-Trio genannt wurde, sei mit Zigarren und Whiskeygläsern vor das Publikum getreten und hätte die Zuschauer blendend unterhalten, schreibt die HFPA auf ihrer Internetseite. Im nächsten Jahr hätte die Organisation die drei gebeten, ihren Auftritt zu wiederholen. Seitdem haben die Stars die Globe-Show übernommen - bis 2008.
Der Vorsitzende der HFPA, Jorge Camara, sagte, er sei froh, den geplanten Termin für die Verleihung der Globes trotz des Streiks einhalten zu können. Am 13. Januar werden die Gewinner auf einer einstündigen Pressekonferenz im Beverly Hilton Hotel in Los Angelos bekannt gegeben. Ausgezeichnet werden Kino- und Fernsehfilme in 25 Kategorien, die von einer rund 90-köpfigen internationalen Jury im Vorfeld ausgewählt worden waren. Dass der Foreign Press Association vor allem die Einhaltung des Terminplans wichtig ist, liegt wohl an dem Einfluss ihrer Entscheidungen auf die Oscar-Verleihung im Februar. Die Golden Globes gelten als Gradmesser für die bekannteren Academy Awards. In den vergangenen 20 Jahren kürte die Oscar-Jury 14 Mal einen besten Film des Jahres, den vorher schon die Globe-Jury ausgezeichnet hatte, schreibt das Branchenblatt "Hollywood Reporter".
Tom Cruise fädelt Extra-Deal ein
Das
von Hollywood-Star Tom Cruise geführte Filmstudio United Artists (UA) hat sich unterdessen mit den streikenden
Drehbuchautoren auf einen neuen Arbeitsvertrag einigen können. Das Studio und der Autorenverband WGA bestätigten heute die Einigung, ohne aber Einzelheiten zu nennen, berichtete das Filmblatt "Hollywood Reporter". Nach ernsthaften Verhandlungen läge nun ein Deal vor, "der unsere Leute wieder arbeiten lässt", sagte WGA-Vorsitzender Patric Verrone.
Der Verband der Film- und Fernsehproduzenten (AMPTP), der die
Interessen von über 350 Produktionshäusern und großen Studios vertritt, lehnt die Forderungen dagegen nach wie vor ab. Die Autoren verlangen eine bessere Vergütung für die Weiterverwertung ihrer Arbeiten auf DVD und im Internet. Neue Verhandlungen in dem erbitterten Arbeitskampf sind derzeit nicht geplant.
jjc/cc/AFP/Reuters
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