Istanbul - Er war nie beliebt bei den Nationalisten in der Türkei. Doch spätestens, seitdem Orhan Pamuk sein Vaterland an den Völkermord an den Armeniern erinnert hatte, schlug die Ablehnung um in Hass. Der Literatur-Nobelpreisträger erhielt Morddrohungen. Am Dienstag verhaftete die türkische Polizei nun 30 Personen, unter ihnen prominente Rechtsnationalisten und Ex-Soldaten, die Presseberichten zufolge planten, den Schriftsteller umzubringen.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen die Bildung einer terroristischen Vereinigung vor. Türkische Medien berichten, dass die Polizei eine "Attentatsliste" fand, auf der neben Pamuk auch mehrere kurdische Politiker sowie ein regierungsnaher Journalist gestanden haben sollen. Eine offizielle Bestätigung für die Existenz einer solchen Liste gab es jedoch nicht - der zuständige Staatsanwalt in Istanbul verhängte eine Nachrichtensperre.
Die groß angelegte Razzia richtete sich gegen die Organisation "Ergenekon". Unter den festgenommenen mutmaßlichen "Ergenekon"-Mitgliedern ist auch der rechtsgerichtete Anwalt Kemal Kerincsiz. Er hatte Pamuk und den im vergangenen Jahr ermordeten Journalisten Hrant Dink wegen "Beleidigung des Türkentums" vor Gericht gebracht. Die Gruppe wird auch verdächtigt, in den Mord an Dink sowie in den Anschlag auf das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei vor zwei Jahren verwickelt gewesen zu sein.
Der Name "Ergenekon" bezieht sich auf eine Ursprungslegende der türkischen Stämme und bezeichnet einen sagenhaften Ort in Zentralasien. Die türkische Rechte benutzt die Legende, um ihre Herkunft zu mythologisieren.
cc/AFP
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