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12.02.2008
 

Styling-Show "Bruce"

Erlösung de Luxe

Von Daniel Haas

Frauen, die sich hässlich finden, einfach aufhübschen? Nicht mit Bruce Darnell. Beim Auftakt seiner Styling-Show rettete der Schönheits-Coach eine Blondine vor der Selbstverachtung. Erlöst er so auch die ARD vom Vorabend-Mief?

Christina will mehr Oberweite. Das Selbstbewusstsein lässt sich so aber nicht vergrößern. Das ist eine Binsenweisheit, man kann aus ihr dennoch eine Sendung schneidern. Vor allem wenn der Gastgeber der Show ein Dandy ist, der Coolness mit Melodramatik, Lässigkeit mit Hysterie verbindet.



Bruce Darnell, ehemaliger Heidi-Klum-Gehilfe in "Germany's Next Top Model", startet seine Stilberatungssendung als bunten Mischmasch aus Psychotherapie und Körperoptimierung. Hedi Slimane goes Sigmund Freud, und dazu ein priesterlicher Ernst, der noch den hohlsten Spruch wie eine Offenbarung klingen lässt.

"Dein Herz entscheidet", sagt Darnell zu Christina, die sich hässlich findet. "Das Aussehen kommt und geht." Paradoxer kann das Stilprinzip eines Beauty-Coachs kaum sein. Aber hatte Darnell nicht schon in Klums Mannequin-Camp Ethik und Ästhetik, Schein und Sein versöhnt? Er weinte herzzerreißend mit den Mädchen, deren Lebensziel in einer Titelseite "Cosmopolitan" bestand. Das war nicht mehr Showbiz, sondern Dienst am Nächsten, Mitleid jenseits von Tausch und Verwertung, die Übererfüllung der christlichen Doktrin.

Auch in seiner Solosendung ist er Samariter und Beichtvater, Heulsuse und Mater dolorosa in einem. Dass die von Selbstzweifeln geplagte Christina eigentlich bildhübsch ist, spielt deshalb keine so große Rolle. In Bruces Stilshow werden die ganz großen Konflikte an die Oberfläche projiziert: Selbstabwertung, Angst, der Verlust von Lebenssinn und -freude.

Dass sich diese Probleme per Make-up und Dessous-Shopping lösen lassen, gehört zum ästhetizistischen Konzept. In einer medialisierten Gesellschaft hängt das eigene Wohlbefinden immer auch vom Image, von einer über Looks und Moden bestimmten Selbstwahrnehmung ab.

Hedonismus, Baby!

Die Politur muss aber Tiefenwirkung haben, und die entsteht bei Darnell durch eben jene kuriose Mischung aus Camp und Innerlichkeit, Style und Seele. Das reicht dann bis ins Kapitalismuskritische hinüber. Wenn Darnell seinen preußisch verkniffenen Zögling ermahnt: "Dein Leben geht nicht nur um arbeiten, arbeiten! Es geht um Spaß am Leben!" - dann wird Hedonismus zum selbstkritischen Projekt und zur regelrechten Pflichtübung.

Auch wieder so ein Paradox, das der ehemalige Soldat in Szene setzen kann wie sonst kein anderer Showmaster in Deutschland: Disziplin und Party, Exzentrik und Contenance - das Popchamäleon Andy Warhol lugt um die Ecke. Und natürlich Oscar Wilde, der Urvater der Dandys, der wusste, dass Herzensbildung immer auch eine Sache der richtigen Krawatte ist.

Selbstverständlich ist "Bruce" kein literarischer Salon, und seine Bonmots sind schöner, situationsbezogener Kitsch. Aber diese Künstlichkeit durchweht das Parfum der Utopie. Spirituelle und leibliche Existenz lassen sich vermitteln, so das Versprechen, es gibt Gnade durch und über die rigide Selbstbearbeitung hinaus. "Ab heute musst du dir keine Gedanken mehr machen, was Christina betrifft", sagt Darnell mit pastoraler Würde zu Christinas Mutter. Selten kam ein Heilsversprechen so exquisit gestylt daher.

Und wenn die durch Ermahnungen und tränenreiche Konfrontationen stabilisierte Tochter am Ende eine Laufsteg-Show für die Mutter absolviert, stehen die Zeichen noch einmal mehr auf Erlösung. Eine Wiederauferstehung geht da über die Bühne, beseelt von Darnells Güte und Geschmack.

Das Schönste: Die Show dauert nur 25 Minuten, ein schneller Beauty-Tipp zum Mitschluchzen und Staunen. Über Bruce Darnell, der Brüste nicht vergrößern muss, um die Grenzen der Vorabendunterhaltung auszuweiten. Für ihn genügen Tränen, softe Sprüche und scharfe Anzüge.

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15.02.2008 von Meine2Cent: ...

Nein,ich fürchte, es gibt garkeine unterste Grenze! mehr...

14.02.2008 von Nicola54: Warum keine gute Serie?

Ich wünsche mir so sehr die Zeiten herbei, in denen man in der ARD abends gutgemachte Serien (keine Doku-Soaps!!) zu sehen bekam. Niemals hätte ich mir vorstellen können, daß ich mir mal die Schwarzwaldklinik herbeisehnen würde. [...] mehr...

13.02.2008 von zod: Re: Aus hübsch mach häßlich

Da kann ich nur voll zustimmen. Wenn ich die Wahl gehabt hätte zwischen Vorher und Nachher hätt ich mich, ohne eine Sekunde zu zögern, für ersteres entschieden. Nach der "Behandlung" sah sie irgendwie extrem gekünstelt [...] mehr...

13.02.2008 von amentel: Bruce

Donnerwetter, da hat Herr Daniel Haas ja mächtig was draus gemacht. Für mich ist das Ganze viel Wirbel um nichts. Ich beziehe mich also nur auf den letzten Abschnitt von Herrn Haas: ".....die Grenzen der [...] mehr...

13.02.2008 von DoubleU: kleine Korrektur

Es muß heißen "...von der Bild übernommen worden zu SEIN." :-p mehr...

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