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13.02.2008
 

Scheidungsdrama bei "Maischberger"

Das Ende der Hausfrau

Von Reinhard Mohr

Stichwort neues Unterhaltsrecht: "Sind die Frauen die Dummen?" fragte Sandra Maischberger in ihre nicht so richtig prominente Talkrunde - und die führte prompt ein überflüssiges Pseudo-Drama auf.

Eigentlich hatten wir, erst recht nach dem historischen Beschluss zur Kindergelderhöhung durch die Große Koalition, ein ganz anderes Thema erwartet, etwa: "Voll krass - Kinderkriegen lohnt sich wieder!" oder "Vorfrühling in Deutschland: Alle Vögel sind schon da - die Störche kommen zurück!" Stattdessen entschied sich die Redaktion von "Maischberger", seit Wochen auf einem zuweilen abseitig anmutenden Themenfindungstrip, für die Losung: "Der neue Scheidungskrieg - sind die Frauen die Dummen?"

Moderatorin Maischberger: Drama der Themenfindung
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DPA

Moderatorin Maischberger: Drama der Themenfindung

Noch einmal für diejenigen, die es womöglich noch gar nicht mitbekommen haben: Seit Jahresbeginn gilt ein neues Unterhaltsrecht, das bei Ehescheidungen in der Regel nur noch den Kindern dauerhaften Unterhalt zuspricht - nicht aber den geschiedenen Frauen. Deren zusätzlicher "Betreuungsunterhalt" währt im Normalfall nur noch bis zum Ende des dritten Lebensjahres des jeweils jüngsten Kindes. Danach verlangt das Gesetz, von Ausnahmen abgesehen, dass die geschiedene Frau selbst zu ihrem Unterhalt beiträgt - am besten durch eigene Berufstätigkeit.

"Das ist das Ende der Hausfrau!" beklagten unisono "Emma" und "Welt", doch die deutsche Öffentlichkeit hat diesen flammenden Weck- und Alarmruf nicht einmal mit halbem Ohr vernommen. Man war mit anderem beschäftigt. Mit Roland Koch und dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, mit Dieter Bohlen und Jens Lehmann.

Sandra Maischberger aber ließ nicht locker in ihrer Sendung, sprach von einem wahren "Drama". Wie so oft in den vergangenen Wochen, wenn die vier abendlichen Talkshows in der ARD das Drama der Themenfindung durchleben, musste die Sache arg zugespitzt werden.

Mehr Eigenverantwortung - weniger Geld

Zu Beginn wurde eine blonde, attraktive Frau in den Vierzigern präsentiert, die nach einer Scheidung nun ihre vier Kinder, das jüngste elf Jahre alt, alleine erzieht. Nach wie vor erhält sie 1200 Euro monatlich von ihrem geschiedenen Mann. Die zusätzliche Zahlung von 700 Euro Betreuungsunterhalt hat er nun, im Einklang mit der neuen Regelung, eingestellt. Sie aber fühlt sich hintergangen und überfordert. Eine Berufstätigkeit sei ihr nicht zuzumuten, und so verlangt sie die Weiterzahlung der knapp 2000 Euro im Monat bis zum 25. Lebensjahr des jüngsten Kindes. Dann wäre sie selbst 60 Jahre alt und beinah schon im Vorruhestand.

Bei aller Liebe: Ein schreckliches Drama ist das nicht, da kennen wir anderes. Dafür verrät es eine etwas merkwürdige Auffassung vom Leben. Das ist zwar tatsächlich ein langer, zuweilen sehr sonderbarer und gar nicht ruhiger Fluss, aber an seinen diversen Biegungen eröffnet es immerhin die Möglichkeit, sich hier und da umzuorientieren. Auch wenn die Frau offenbar keinen neuen Lebenspartner gefunden hat: Ex-Mann, Gesellschaft und Staat können nicht alle Wechselfälle des Lebens abfedern.

Am klarsten machte dies Lore Maria Peschel-Gutzeit, 75, ehemals Richterin, nun Scheidungsanwältin: Das neue Gesetz reagiere schlicht auf Veränderungen in der Gesellschaft, indem es die Eigenverantwortung stärke. Wenn in Großstädten jede zweite Ehe, auf dem Land jede dritte Ehe geschieden werde und sich durch neue Partnerschaften mit und ohne Trauschein immer mehr "Patchwork"-Familien bildeten, könne man nicht mehr das überkommene Modell Männlicher Alleinverdiener zahlt Ex-Frau den Unterhalt bruchlos aufrechterhalten. Die "Versorgungsehe" habe ausgedient, zumal statistisch sowieso nur ein knappes Fünftel der geschiedenen Frauen unterhaltsberechtigt sei.

Engagierter Vater aus dem Osten

Da war Michaela Freifrau Heeremann, seit 38 Jahren verheiratet und blendend aussehende Mutter von sechs Kindern, Theologin und gläubige Katholikin, aber ganz anderer Meinung. Für sie ist die Familie nach wie vor heilig und der Kern allen - christlichen - Lebens, Wertewandel hin oder her. Begriffe aus dem Scheidungsrecht wie "ehebedingte Nachteile" sind ihr Hekuba und abschreckendes Beispiel zugleich. Ihre Befürchtung: Nun würden noch weniger Kinder geboren. Die Realität hat sie damit allerdings nicht auf ihrer Seite, denn der langjährige Abwärtstrend der Geburtenrate vollzog sich gerade unter der Ägide des alten Unterhaltsrechts.

Die beiden Männer in der Runde, Ex-Wetterfrosch und Stimmwunder Elmar Gunsch, und ein Patchwork-Vater mit DDR-Migrationshintergrund, zudem Mitglied des Vereins "Väteraufbruch e.V.", komplettierten das Pseudo-Drama. Gunsch, 77, ist nach drei gescheiterten Ehen samt einer Tochter, die im Alter von 42 Jahren gerade ihren Studienabschluss geschafft hat, längst aus dem Gröbsten heraus, und der engagierte Vater aus dem Osten erwies sich als derart sympathisches, zugleich konfliktbewusstes, sensibles und verständnisvolles Exemplar der männlichen Gattung, dass selbst Alice Schwarzer stolz gewesen wäre auf soviel aufgeklärte Männlichkeit.

Natürlich haben wir, neben Alice Schwarzer, auch Eva Herman vermisst. Sie hätte die Diskussion bestimmt noch um das Verhältnis von Mutterbild, Nazis und 68ern erweitert. Dramatisch, versteht sich.

Apropos: Rainer Langhans mit seinen vier "Haremsfrauen" hat auch gefehlt. Aber klar, Montag war er ja schon, zusammen mit Heintje, bei "Beckmann".

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