Sonntag, 22. November 2009

Kultur



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17.02.2008
 

Fotoreportage

Die Trümmerfrauen von Ghana

Von Joachim Hoelzgen

Granit ist ihr Leben. Bei sengender Hitze zertrümmern ghanaische Arbeiterinnen Granitbrocken, schleppen den Schotter Hunderte Meter weit. Zwei Reporter dokumentierten nun das schwere Los der Frauen in packenden Bildern - sie zeugen von Geschmeidigkeit, Zähigkeit und Gleichmut.

Eigentlich waren der Sportjournalist Julien Pretot und der Fotograf Siphiwe Sibeko nach Ghana gekommen, um über das Fußballspektakel des African Cup of Nations zu berichten. Nun aber sind sie mit einer Fotoreportage zurückgekehrt, die an die Schilderung eines Alptraumes erinnert - eines Alptraums des Alltäglichen in Ghana. Die Bilder zeigen junge Frauen beim Transport von Granitschotter, den sie in Blechwannen auf dem Kopf tragen. Jede der Lasten ist gut 30 Kilo schwer und muss zunächst 100 Meter weit zum Rohbau einer Villa in der Hafenstadt Sekondi-Takoradi geschleppt werden, wo beim Afrika-Cup das Viertelfinalspiel zwischen der Elfenbeinküste und Guinea ausgetragen wurde.

Bei 35 Grad im Schatten gewann die Elfenbeinküste 5:0, doch im Vergleich zur Arbeit der Frauen waren die Anstrengungen der Fußballer nicht größer und zehrender. Denn kaum sind die Lastenträgerinnen an dem Rohbau angelangt, müssen sie auch noch zwei Treppengänge emporsteigen - dann erst können sie die Behälter mit dem Granit absetzen.

Julian Pretot, der in Paris für die Nachrichtenagentur Reuters stationiert ist, hatte Ähnliches auf seinen Reisen noch nie gesehen. Und auch der Reuters-Fotograf Sibeko, ein Südafrikaner, war einer solchen Szenerie noch nie begegnet, obwohl er in armen Ländern wie Mosambik, Simbabwe, dem Sudan und Malawi Reportagen machte.

Die Männer erkannten, dass sich neben der Welt des Fußballs ein Thema des beeindruckenden Lebensmuts anbot - und der Geschmeidigkeit, der Zähigkeit und des Gleichmuts junger Afrikanerinnen.

"Ich wollte diese Fotos machen, weil sie die Kraft dokumentieren, die diesen Frauen eigen ist," sagt Siphiwe Sibeko, der die Sequenzen des Granit-Transports manchmal fast leichtfüßig darstellt. Ein Foto wirkt wie eine Art Laufsteg der Beschwernis, auf dem die Frauen in blitzsauberen Röcken, Blusen und T-Shirts den schweren Schotter zu dem Villen-Neubau tragen.

Kinder in der Welt des grauen Granits

Die Arbeiterinnen waren Pretot und Sibeko auf dem Weg zum Stadion in Sekondi-Takoradi aufgefallen. Es befindet sich in dem Stadtteil Enipon am Meer. "Wir sind jeden Tag an ihnen vorbeigegangen", beschreibt Pretot in einem Begleittext zu den Fotos die erste Begegnung. "Wir hielten an, um uns ein wenig zu unterhalten. Sie fragten, woher wir sind und warum wir uns für sie interessieren."

Der Reuters-Reporter war erstaunt, dass solch zerbrechlich aussehende Menschen einer solchen Arbeit nachgehen. So zum Beispiel die 23 Jahre alte Mansa, die täglich von 7 Uhr bis 16 Uhr Granitschotter schleppt. Nur am Sonntag, der mit einem Besuch in der Kirche beginnt, erholt sich die Mutter von zwei Kindern etwas von der Schwerarbeit.

Mansa hat mit 16 Jahren mit ihr angefangen. Und heute ist sie froh, dass sich ihre Schwester um Michael, 4, und den Zweijährigen namens Junior kümmert, da ihr Mann tagsüber als Taxifahrer in Sekondi-Takoradi unterwegs ist. Andere der Frauen haben niemanden, der auf die Kinder aufpasst. Die Kinder müssen ihre Mütter in die Welt des grauen Granits begleiten, spielen mit Ziegen nahebei auf einer Wiese und tragen auch schon mal eine kleine Plastikwanne auf dem Kopf - ein Anblick, der dem Fotografen nicht entgangen ist.

An einem Fahrweg werden Granitblöcke von Männern mit schweren Hämmern zu Brocken und dann von älteren Frauen mit kleineren Hämmern zu Granitschotter zerkleinert. Hier schichten ausschließlich Tagelöhnerinnen den Schotter zu grauen Kegeln auf. Auf den Fotos von Siphiwe Sibeko wirken die Granithügel verloren wie die Menschen um sie herum.

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