Die Briten sind berühmt dafür, ein praktisches, wo nicht gleich pragmatisches Volk zu sein, sie zählen einfach eins und eins zusammen und am Ende kommt meistens zwei dabei heraus. Eben gerade haben sie wieder eine einfache Gleichung erfolgreich gelöst, sie lautet ungefähr: Ahnungslosigkeit + Hunger = Übergewicht, und die Regierung hat daraus die richtigen Schlüsse gezogen. In Großbritannien, es war überall zu lesen, wird das elementare Kochen Pflichtfach an den Schulen. Als Deutscher schaut man neidisch ins Ausland hinüber, wo derart vernünftige, handfeste Politik gemacht wird.
Dicke Probleme - es sei denn, Kinder würden selber kochen
Dann hätten unsere Kinder erst die Doppelstunde Mathematik, dann Deutsch, dann Erdkunde, und gegen Ende des Vormittags glücklich die Lern-Einheit "Wiener Schnitzel", "Spaghetti Bolognese" oder "Apfelmus" selber gemacht". Wäre es nicht eine herrliche Aussicht? Wäre nicht ein gewaltiger, wunderbarer Bildungsschub zu erwarten, die Ankunft in einer Welt, in der sich Pisa nicht mit Bildungsschocks verbindet, sondern mit Nudelsoßen?
Es reichten Peanuts dafür, das ist das Beste: Die Briten werden gerade mal 3,4 Millionen Euro im Jahr ausgeben müssen, Millionen, nicht Milliarden, um die Schüler mit ein wenig kulinarischem Know-how zu beglücken. Jetzt mal ganz simpel gefragt: Wieso machen wir das nicht einfach auch? Was spricht dagegen?
Wo lebt denn der Kultusminister von Thüringen?
Nun, wir reden von Deutschland, also muss die richtige Antwort lauten: alles. Das Drama beginnt damit, dass wir noch nicht einmal einen Bundesschulminister haben, von wegen "Bildung ist Ländersache". Deshalb müssten sich bei uns 16 zuständige Landesminister auf etwas einigen, und das wird natürlich in diesem Leben nicht geschehen. Abgesehen davon aber wollen sie auch inhaltlich überhaupt nichts davon wissen, und das sei hier nur zur Sicherheit erwähnt, falls jemand künftig Wahl-Entscheidungen zu treffen hat.
Der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner, Präsident der Kultusministerkonferenz, sagte zum Thema Kochen an den Schulen, so ein Fach sei "schlechterdings kaum vorstellbar", und: Man solle das Thema "eher fächerübergreifend aufgreifen" und "zur Sprache bringen".
Schlechterdings nicht vorstellbar? Zur Sprache bringen? Und wo lebt der Kultusminister von Thüringen, Jens Goebel, der die Einführung des Kochens an den Schulen "für schlichtweg überflüssig" hält? Und wer hat eigentlich gerade Niedersachsens Kultusminister Bernd Busemann wieder gewählt, der die Forderung nach kulinarischer Grundausbildung mit dem Satz abtat, die Kinder hätten bei 32 Wochenstunden "schon genug zu tun"?
Ich fasse zusammen: Jedes Land hat die Politiker, das heißt die Landesregierungen, die es verdient. Denn die Bundeskabinette der vergangenen Jahre, sie haben es den britischen Kollegen sehr wohl nachmachen wollen. Zuerst Renate Künast, die als grüne Verbraucherschutzministerin noch viel Beifall erhielt, als sie das neue Schulfach forderte, jetzt werfen sich Horst Seehofer und Ulla Schmidt in dieselbe Bresche. Der Bund wäre also bereit, wer sagt's denn, aber die Provinzfürsten aus Schwerin, Hannover, Erfurt, und was sich sonst noch "Hauptstadt" nennen darf, sie lehnen ab. Sie finden's nicht wichtig, sie haben Besseres zu tun.
Die Frage ist nur: Was wäre denn wichtiger, wenn es, buchstäblich, ums deutsche Gemeinwohl geht? Und wann hätten sie jemals mehr dafür tun können?
In diesem Sinne: Guten Appetit und gute Nacht!
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