Berlin - Die Redaktion des Blattes sprach Depenbrock, der auch Geschäftsführer des Berliner Verlages ist, am Donnerstag das Misstrauen aus. Zuvor habe Depenbrock "einen weiteren massiven Sparkurs angekündigt, um damit die Umsatzrendite auf 18 bis 20 Prozent zu erhöhen", erklärte der Redaktionsausschuss.
"Nach fast zwei Jahren Ihrer Amtsführung als Chefredakteur haben sich alle unsere Befürchtungen bestätigt", heißt es laut Branchendienst Kress in einem vom Redaktionsausschuss verbreiteten offenen Brief an Depenbrock. Dieser sei offenbar "nicht willens oder nicht in der Lage", die Redaktion angemessen zu führen.
In einem weiteren Brief wendet sich die Redaktion an David Montgomery, Chef des Eigentümerkonzerns Mecom. Darin beklagt sie übermäßige "Kostenreduzierungen" und konstatiert: "Die Inhalte unseres Produktes drohen zu verarmen." Sollte Montgomery seine derzeitige Geschäftspolitik nicht überdenken, sei es an der Zeit einen neuen Eigentümer zu suchen: "Sollte Mecom außerstande sein, eine neue Strategie zu entwickeln, fordern wir im Interesse der Zeitung und ihrer Leser, nach einem neuen geeigneten Eigentümer für die 'Berliner Zeitung" zu suchen."
Der Nordire David Montgomery, der den britischen Mecom-Konzern leitet, hatte 2005 den Berliner Verlag samt "Berliner Zeitung" und dem Boulevardblatt "Berliner Kurier" übernommen. Seit damals wehrt sich vor allem die Belegschaft der "Berliner Zeitung" gegen den neuen Eigentümer.
Den besonderen Groll der Redaktion zog Montgomery auf sich, als er 2006 Josef Depenbrock zugleich als Chefredakteur der "Berliner Zeitung" und als Geschäftsführer der Mecom-Deutschland-Tochter installierte. Dies - so die Position der Redaktion - widerspreche dem Redaktionsstatut und gefährde die journalistische Unabhängigkeit des Blattes.
Mecom gehören Zeitungen in Norwegen, Dänemark und Polen. Montgomerys Geschäftsmodell und seine Renditevorstellungen sind nicht nur in Deutschland sehr umstritten.
tdo/Reuters
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