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14.02.2008
 

Plakat-Eklat

London errötet wegen deutscher Venus

Soll man da lachen oder weinen? Weil die Londoner Verkehrsbetriebe ihren Fahrgästen keine nackte Haut zumuten wollen, verbannten sie nun ein Poster der "Venus" von Lucas Cranach dem Älteren.

London - Nee, klar: Viel hat sie ja nicht an, die Gute. Sie trägt eine Halskette, ein verführerisches Lächeln und ein Nichts von einem Schleier vor ihrer Scham. Andererseits: Die Dame ist doch schon knapp 500 Jahre alt! Egal, findet die Londoner U-Bahn. Die nackte Lady sei zu anstößig und daher muss es heißen: Raus hier. 

Das Plakat des Anstoßes: Cranachs "Venus"
DPA

Das Plakat des Anstoßes: Cranachs "Venus"

Um wen - oder vielmehr was - es geht? Um nichts weniger als um ein Plakat mit der "Venus" darauf. Das Ölgemälde von Lucas Cranach dem Älteren entstand 1532 und soll ab dem 8. März mit rund 70 anderen Werken des Künstlers als Leihgabe des Frankfurter Städel Museums in einer Ausstellung in der Royal Academy zu sehen sein. 

Und weil es ja immer eine feine Idee ist, U-Bahn-Pendlern einen etwaigen Kunstgenuss auch plakativ nahe zu bringen, entschloss sich das Museum, die Schau des berühmten Renaissance-Malers (1472-1553) in der Londoner Tube ordentlich zu bewerben: Mit einem Poster, das eines seiner bekanntesten Werke zeigt - eben jene "Venus".

Die Londoner Verkehrsbetriebe fanden das nun unanständig und verbannten das Ausstellungsplakat. Ihre Begründung: Die nackte Haut könnte die Reisenden in der "Tube" verstören. "Millionen von Menschen nutzen jeden Tag die Londoner U-Bahn und sie haben keine Wahl, was für Werbungen sie dort sehen wollen", erklärte ein Sprecher der Verkehrsbetriebe. Das Poster verstoße gegen die Statute, "Männer, Frauen oder Kinder in sexueller Art und Weise darzustellen". Die Royal Academy solle das Design überdenken.

Bei aller fast sprichwörtlichen Prüderie der Briten: Diese Posse wollen sich viele nicht bieten lassen. "Diese Entscheidung ist absolut meschugge. Das Bild wurde vor 500 Jahren gemalt", wetterte etwa John Whittingdale, Vorsitzender des parlamentarischen Kulturausschusses. Und eine Sprecherin des Museums hielt die Entscheidung für "aberwitzig". Die Venus sei in einer "sehr sensiblen Art und Weise" dargestellt, "das Gemälde zeigt Cranach in seiner besten Form". 

Andere zweifeln am guten Geschmack der Sittenwächter: "Derzeit sehen die Pendler überall einen schwabbeligen Bauch auf der Werbung einer Partnerbörse. Seltsam, dass die Venus da als anstößig erachtet wird", mäkelte etwa ein Leserbriefschreiber in der Zeitung "Guardian".

Ganz Unrecht hat er da nicht: Schlank ist sie ja, die "Venus".

tdo/dpa

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