Von Susanne Amann
Es gibt Fragen, die sind so absurd, dass selbst der Kummer gewohnte Finanzminister kurz ins Stocken gerät. "Gibt es Parallelen zwischen Osama Bin Laden und Klaus Zumwinkel", will Maybrit Illner von Peer Steinbrück wissen. Und bringt den SPD-Politiker damit nicht nur dazu, einen Moment lang fast zu kichern, sondern auch seinen routinemäßig abgespulten Politiker-Sprech für kurze Zeit zu unterbrechen.
Moderatorin Illner, Minister Steinbrück: "Schnauze voll von Steuern"
Die Frage ist wild - so wild wie die ersten Minuten der Sendung, die unter dem Titel "Zahlen nur die Dummen Steuern?" das Thema aufgreift, das die Nation seit einer Woche beschäftigt: der Skandal um Hunderte von wohlhabenden deutschen Steuersündern, deren Namen auf einer von einem BND-Informanten an die Steuerbehörden verkauften DVD auftauchten.
Es ist eine illustre Runde, die sich Talkmasterin Illner da zusammengesucht hat - vor allem, wenn man sie mit den Kollegen Will und Plasberg vergleicht, die das gleiche Thema in den vergangenen Tagen auch schon behandelt haben. Dort klagten Ex-EnBW-Chef Claasen (Will) und Ex-Tagesthemen-Moderator Wickert (Plasberg) über den Verfall von Moral und Werten. Illner dagegen präsentiert vier Gäste, die jeder für sich eine Facette des Problems abbilden.
Fangen wir mit dem Wichtigsten an: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Mit ihm diskutiert Gastgeberin Illner die erste halbe Stunde alleine. Nun ja, was man im Fernsehen so disktutieren nennt. Tatsächlich bügelt der oberste Schatzmeister, Steuerfahnder und Finanzbeamte der Republik jede Frage in der gewohnten "Ich rede routiniert ohne konkret zu antworten"-Manier ab. So hangelt sich Illner von der Frage nach einer möglichen Zusammenarbeit der SPD mit der Linkspartei über die Folgen des Steuerskandals, der Frage nach dem persönlichen Enttäuschung über Zumwinkel ("massiv") schließlich zur gewagten Frage nach den Parallelen zwischen Bin Laden und Zumwinkel.
Terrorchef und Post-Boss
Bin Laden? Nun, die DVD mit den brisanten Daten wurde über den BND beschafft, der doch eigentlich für die Auslandsspionage und damit also irgendwie auch eher für Bin Laden als für deutsche Steuersünder zuständig ist. Dass Steinbrück dennoch wenig Parallelen zwischen den beiden Millionären erkennt, erstaunt nicht wirklich.
Aber immerhin kommen Minister und Talkmasterin ein wenig in Fahrt, die Fragen werden konkreter, die Antworten kürzer - wenn auch nicht unbedingt erhellender: "Warum fällt keiner Steuerbehörde auf, dass Zumwinkel laut Steuererklärung nichts verdient haben will", fragt Illner. "Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil ich die Steuerakte nicht kenne", gibt Steinbrück bissig zurück.
So richtig kriegt ihn Illner, die bisweilen Liechtenstein mit der Schweiz verwechselt und ab und an auch Milliarden mit Millionen, nicht zu fassen - greift aber zu einer wahrhaft formidablen Waffe: Im Publikum hat sie Andreas Woitzik sitzen, einen Vermögensberater aus der Schweiz, der perfekt ins Klischee des zwielichtigen Treuhänders passt.
"Krebsgeschwür" Staat
Ohne sich von Steinbrücks Augenrollen aus dem Konzept bringen zu lassen, berichtet dieser von bedauernswerten Handwerksmeistern, Kinderärztinnen und sonstigen "gut ausgebildeten Leuten", die ihm ihr Geld bringen, weil sie die "Schnauze voll haben vom deutschen Steuersystem". Diese Bürger der Mittelschicht müssten vor dem "gefräßigen Staat" geschützt werden, der wuchere "wie ein Krebsgeschwür".
Mit dieser Vorlage geht Illner schließlich in die dritte und letzte Runde, zu der sich Sven Giegold vom Netzwerk Steuerehrlichkeit und Mitgründer des deutschen attac-Netzwerkes sowie BDI-Vorstand und Unternehmer Diether Klingelnberg einfinden. Da haben sie sich also versammelt und bilden wunderbar die verschiedenen Akteure des gesamten deutschen Steuerdramas ab.
Die Rolle des klassischen Steuerflüchtlings gibt dabei Klingelnberg, der unumwunden erklärt, seine Firma ins Ausland verlegt zu haben, um keine Erbschaftssteuer zahlen zu müssen. Trotzdem hält der Unternehmer sich nicht für einen "vaterlandslosen Gesellen" - im Gegenteil: Ohne rot zu werden schwadroniert er direkt im Anschluss über das fehlende Verständnis des Bürgers für seinen Staat und sein Gemeinwesen. "Diese Verdrossenheit halte ich nicht für gut."
Versprecher und Nervsprecher
Daneben sitzt Giegold, dem als Idealisten die Empörung ins Gesicht geschrieben steht, und der von einem solch überzeugenden Fachwissen ist, dass es sich selbst Steinbrück nicht verkneifen kann, ihn irgendwann darauf hin zu weisen: "Das können Sie mit ihrem Fachverstand doch ganz gut unterscheiden", rutscht es ihm raus, als es im munteren Wortgefecht zwischen Steuerlücken, Kapitalerträgen, Erbschaftssteuerreform, Betriebsvermögen, Körperschaftssteuer und Nominalsteuersatz zu Versprechern kommt.
Am Ende sind alle irgendwie der Meinung, dass Steuern hinterziehen nicht richtig ist, man mehr Kontrollen brauche und mehr Moral sowieso.
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Der Kerl ist gut, so gut, dass Steinbrück überlegt, wie er ihn vor die SPD-Karre einspannen könnte. Der Junge ist kein Idealist, er ist ein strategisch begabter Pragmatiker, der in eigener Sache unterwegs ist. Wenn das [...] mehr...
Die Frage, die sie nicht mal zu stellen hat, den die Antwort liegt ihr vor: Gibt es Parallelen zwischen Terrorfürst Osama Bin Laden und René Obermann? Wie lautet die Antwort, Frau Illner? Sicher ist nur eins: auch René [...] mehr...
Wenn Millionäre Geld für Schulen, Straßen und Opern veruntreuen ist das kriminell. Für spiegel online ist Sven Gigold der kriminelles Handeln unterbinden möchte ein Idealist. Das Fachwissen von Herrn Giegold hat nicht nur Herrn [...] mehr...
recht hast du, wie dumm von mir dieser fehler, gebe dir bei den abzügen auch absolut recht, hast scheinbar die ironie nicht ganz verstanden im artikel mehr...
Oh, ich wußte nicht daß sie Herrn Oettinger, von dem diese Forderung stammt, für einen "linken Politiker" halten... mehr...
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