Köln - Waldemar Hartmann, Chef-Duzer unter Deutschlands Sportjournalisten, wird es nicht gerne hören, selbst wenn er beim Bayerischen Rundfunk unter Vertrag steht: Statt des vertraulichen Du sollen seine Kollegen beim WDR ihre Gäste künftig grundsätzlich siezen.
So steht es zumindest in einer internen Selbstverpflichtung, die die WDR-Sportredaktionen ausgearbeitet haben. Die Idee dazu hatten die Redakteure allerdings nicht selbst: Die Initiative sei von Intendantin Monika Piel ausgegangen, wie ein WDR-Sprecher am Dienstag in Köln sagte.
Das Positionspapier mit dem Titel "Distanz in der Sportberichterstattung" verweist auf die zunehmende Kommerzialisierung des Sports, die zusätzliche Anforderungen an die Journalisten stelle. Es dürfe nicht so weit kommen, "dass wir uns mit dem Gegenstand unserer Berichterstattung gemeinmachen"; stattdessen sei Unabhängigkeit gefragt.
Und auch Weltrekorde und Höchstleistungen, so hat der WDR erkannt, müssten kritisch hinterfragt werden. Außerdem legt das Papier fest: "Der WDR sponsert keine Wettbewerbsteilnehmer. Wir als BerichterstatterInnen gehen keine Geschäfte mit Akteuren des Sports ein."
In der Vergangenheit mussten sich Sportjournalisten gerade auch der öffentlich-rechtlichen Sender wiederholt mit dem Vorwurf auseinandersetzen, zu große Nähe zu prominenten Sportlern oder mächtigen Funktionären zu suchen. Die Berichterstattung über Dopingfälle im Radsport sei außerdem lange zu unkritisch gewesen, hieß es beim WDR. Darüber hinaus waren Nebentätigkeiten von Sportjournalisten im Umfeld ihres Berichterstattungsgebiets angeprangert worden.
Prominentester Fall der letzten Jahre war der Fernsehreporter und Radsportspezialist Jürgen Emig vom Hessischen Rundfunk (HR). Emig musste 2004 die Leitung der Sportredaktion des HR niederlegen, nachdem er unter den Verdacht des Betruges, der Untreue, der Bestechlichkeit und der Bestechung geraten war. Er soll - aus rein finanziellen Motiven - allzu zu große Nähe zu Sportlern und Sportveranstaltern gesucht haben; unter anderem geht es um Schmiergelder in Höhe von 625.000 Euro, die Emig erhalten haben soll.
Ob ein Duzverbot solche Fälle verhindern kann, darf bezweifelt werden.
tdo/dpa
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