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27.02.2008
 

Schmidt & Hildebrandt

Lustloser Humor-Höhepunkt

Von Henryk M. Broder

Sie haben es noch nie zusammen im Fernsehen gemacht - so kündigte Sandra Maischberger ihre Gäste Harald Schmidt und Dieter Hildebrandt an. Doch leider fuhren die beiden Kapazitäten für angewandten Humor konsequent auf Kuschelkurs - komisch ist was anderes.

Nachrichtentechnisch war der Dienstag sehr ergiebig. Siemens kündigte den Abbau von 6800 Arbeitsplätzen an, der Euro stieg gegenüber dem Dollar auf sensationelle 1,50, im Saarland führte ein Erdbeben dazu, dass die Kohleförderung eingestellt wird, und auf Spitzbergen wurde eine Samenbank eröffnet, in der Millionen von Pflanzenarten bei konstant 18 Grad unter Null jede Klimakatastrophe überleben sollen - wie einst die Bundesregierung einen Atomkrieg in ihrem Bunker bei Bonn.

Maischberger-Gäste Hildebrandt (li.), Schmidt: Kabarett als Eigenbluttherapie oder Erziehungsanstalt?
ARD

Maischberger-Gäste Hildebrandt (li.), Schmidt: Kabarett als Eigenbluttherapie oder Erziehungsanstalt?

Aus diesem Rohmaterial ließe sich so manche Pointe feilen, und so wartete man gespannt, was Schmidt & Hildebrandt zur Lage der Welt im allgemeinen und der Nation im besonderen zu sagen hätten, denn, so Frau Maischberger in ihrer Anmoderation: "Sie haben es noch nie zusammen im Fernsehen gemacht."

Der "Gottvater" (Dieter Hildebrandt) und der "Gottessohn des politischen Kabaretts" (Harald Schmidt) liegen auch altersmäßig weit auseinander. Der eine feierte vor kurzem seinen 80., der andere seinen 50. Geburtstag. So gab es auch keinen wirklichen Anlass, die beiden zusammen zu bringen, nicht einmal ein neues Buch oder eine CD, es sei denn, man hätte über den "Generationenvertrag" sprechen wollen, die Riester-Rente oder Seniorenpreise bei der Bahn.

Während Hildebrandt sofort in seine Rolle des Hofnarrs der Republik fiel, machte Schmidt den Eindruck, als würde er sich fragen: Was mache ich hier eigentlich? Doch anders als Statler und Waldorf, die fröhlich gegeneinander giften, zogen Hildebrandt und Schmidt erstmal an einem Seil. Der Ältere erzählte von seinem Notabitur in der NS-Zeit, der Jüngere, dass er schon mit 15, 16 zum Theater wollte.

Mit gebremstem Schaum

Das war weder neu noch überraschend und zog auch keine unerwarteten Einsichten nach sich. Schmidt sagte, er habe sich nie getraut, Hildebrandt anzusprechen, Hildebrandt legte ein Geständnis ab: "Wir waren ein bürgerliches Kabarett", womit er die "Münchener Lach- und Schießgesellschaft" meinte, der noch niemand unterstellt hatte, eine revolutionäre Anstalt gewesen zu sein. "Ich wusste nicht, dass es eine Theorie gibt zu dem, was Sie machen", kommentierte Frau Maischberger die Lage.

Und so ging es weiter. Mit gebremstem Schaum und Pointen in homöopathischer Dosierung. Die Sozialdemokraten sollten nicht regieren, sie seien "für die Opposition" besser geeignet, erklärte Hildebrandt, die SPD "sollte Leute verteidigen, die vom Kapital erdrückt werden"; Schmidt, der ein paar Jahre in Belgien gelebt hat, erinnerte sich daran, wie "öde" das Leben als Steuerflüchtling wäre und worauf man dabei achten müsse. Jetzt sei sein Leben viel einfacher. "Ich zahle Steuern."

Ob sie denn schon mal "Sehnsucht nach einer nachrichtenarmen Zeit" hätten, wollte Frau Maischberger wissen. "Wenn man Kabarett macht, ist man eine Art Lobby, ich bin eine Schmerztablette", antwortete Hildebrandt, und Schmidt überlegte kurz, ob er diese Vorlage im Tor von Hildebrandt versenken soll. Doch aus Respekt vor dem Alter seines Gegenüber sagte er nur: "Das Publikum lacht, wenn es hört, was es hören will." Hildebrandt überhörte diese Anspielung und rezitierte einen Reim, den er in der Wehrmacht gelernt hatte: "Darum tragen wir das Leiden mit Geduld, an der ganzen Scheiße sind wir selber schuld."

Kuschelkoje statt Konfrontation

Ja, man musste schon einige Erfahrungen in der Altenpflege oder wenigstens viel Geduld haben, um in solchen Momenten nicht zu Kerner zu desertieren. Schmidt und Hildebrandt mögen beide denselben Beruf haben, sie haben sich trotzdem nichts zu sagen. Der eine versteht das Kabarett als eine Art Eigenbluttherapie, der andere als Erziehungsanstalt. Hildebrandt gehört, ebenso wie Grass und Lenz, zum festen Mobiliar der SPD, Schmidt ist ein Wechselwähler, der darauf besteht, dass man "politisch neutral sein muss, wenigstens an der Oberfläche". Hildebrandt nahm einmal als Wahlmann an der Wahl des Bundespräsidenten teil, Schmidt spielt lieber im "Traumschiff" mit und macht kommerzielle Werbung. "Besser, ich mache es, als ein anderer."

Das Einzige, was die beiden Kapazitäten für angewandten Humor verbindet, ist ihre Herkunft aus dem Osten, Hildebrandt kommt aus Schlesien, Schmidts Familie aus Böhmen. Anfang der neunziger Jahre besuchte Hildebrandt seine alte Heimat und wurde dabei von einem polnischen Filmemacher begleitet: Stanislaw Krzeminski. Und der saß plötzlich auch im Studio und erzählte, dass heute "alle Opfer sein wollen" und dass man genau hinschauen müsse: "Wo war der Anfang?" Damit war die Diskussion aus der Kraut-und-Rüben-Phase raus und beim geplanten "Zentrum gegen Vertreibungen" angekommen, das von Hildebrandt abgelehnt, von Schmidt aber unterstützt wird. Wenn schon, dann sollte es in Görlitz gebaut werden, schlug Hildebrandt vor. Da würde doch kein Mensch hinfahren, entgegnete Schmidt, dem man es inzwischen anmerkte, dass er ganz schnell in seine kuschelige Koje auf dem "Traumschiff" zurück wollte.

Doch vorher galt es noch, sich einen Ausschnitt aus einer Rede anzuhören, die Konrad Adenauer 1953 beim Schlesiertreffen hielt. Der war nicht nur Kanzler, sondern auch ein großer Kabarettist. Eines Tages werde Schlesien wieder deutsch und schön werden, sagte Adenauer. Da sahen Hildebrandt und Schmidt einander traurig an und dachten: "Warum ist diese Pointe nicht mir eingefallen?"

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27.02.2008 von fred2007: Preisliste

Sie wollen diese Preise nicht wirklich als Argument anführen? Gar als Qualitätssiegel? Selbst Schmidt waren diese Auszeichnungen so suspekt, dass er so tat, als würde er sich für sie schämen. Da rappelt gar nichts, da es [...] mehr...

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