• Drucken
  • Senden
  • Feedback
28.02.2008
 

Satirische Kunst

Berliner Ausstellung schließt nach Gewaltdrohung

Die Künstlergruppe Surrend bezeichnete ein Bild der Kaaba in Mekka als "Dummer Stein" - eine satirische Aktion. Doch einige Muslime drohten mit Gewalt. Aus Sicherheitsgründen wurde die Berliner Ausstellung nun geschlossen.

Berlin - Lustvoll zu provozieren, ist ein Markenzeichen der dänischen Künstlergruppe Surrend. Doch in Berlin ist nun eine Ausstellung der Künstler mit satirisch-politischen Karikaturen und Plakaten aus Sicherheitsgründen geschlossen worden. Das teilte das Bezirksamt Mitte mit. Nach Angaben des Kunstvereins Tiergarten haben "aufgebrachte Muslime" am Dienstag die Ausstellung gestört und verlangt, eines der 21 ausgestellten Poster zu entfernen. "Es folgten konkrete Androhungen von Gewalt, sollte das nicht geschehen", teilte der Kunstverein mit, der Träger der betroffenen Galerie Nord in der Turmstraße ist.

Surrend-Ausstellung in Berlin: Lustvolle Provokationen
Zur Großansicht
DPA

Surrend-Ausstellung in Berlin: Lustvolle Provokationen

Stein des Anstoßes ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Plakat mit dem Bildmotiv der würfelförmigen Kaaba in Mekka, dem zentralen Heiligtum des Islam, hier überschrieben mit der Zeile "Dummer Stein", gefolgt vom Plakat eines Mannes mit typischer jüdischer Hutbekleidung ("Dummer Hut") und weiteren Plakaten ironischen Inhalts.

Die Ausstellung war am vergangenen Freitag vom Plakatkünstler und Präsidenten der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, eröffnet worden. Er bezeichnete die Drohungen als "völlig unakzeptabel". Die Gesellschaft dürfe sich Gewaltandrohungen gegenüber Kunstwerken nicht beugen.

"Muslime in Europa müssen akzeptieren, dass sie nicht eine Kunstausstellung in einer Galerie zensieren können", betonte der Kunstverein in einer Pressemitteilung. "Meinungs- und Kunstfreiheit sind zentrale Werte unserer demokratischen Gesellschaften und brauchten über 200 Jahre, um sich in Europa zu etablieren. Sie sind die Grundlage unseres Zusammenlebens. Es ist inakzeptabel, wenn einzelne gesellschaftliche Gruppen in der Lage wären, durch Drohungen Zensur in Kunst- und Meinungsfreiheit zu üben."

Die Galerie werde mit Unterstützung der behördlichen Stellen alles daran setzen, die Ausstellung so schnell wie möglich wieder zugänglich zu machen. "Zurzeit prüfen Bezirksamt Mitte und Landeskriminalamt die Gefahrensituation und arbeiten an einem Sicherheitskonzept."

Die dänische Künstlergruppe Surrend ist in den vergangenen Jahren mit brisanten satirischen Kunstaktionen bekannt geworden, unter anderem mit satirischen Postern gegen den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und Russlands Präsidenten Wladimir Putin.

Die aktuellen Aktionen seien von der "absurden neonazistischen Verschwörungstheorie ZOG (Zionist Occupied Government)" angeregt, die aber gleichermaßen auch auf die israelische Politik und radikale jüdische Gruppierungen ziele, heißt es im Ausstellungstext. Die jetzt in Berlin gezeigten 22 Plakate seien von Künstlern wie John Heartfield und Klaus Staeck beeinflusst.

hoc/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
alles aus der Rubrik Gesellschaft

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP