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02.03.2008
 

"Wetten, dass...?"

Wie Gottschalk zu ertragen ist

Von Dirk Brichzi

Schluss jetzt! Genug der Kritik an Thomas Gottschalk und "Wetten, dass …?". Die gestrige Show bewies erneut, dass sich das Flaggschiff der ZDF-Unterhaltung nicht vom Kurs abbringen lässt. Stattdessen sind die Zuschauer gefordert: Sie müssen ihre Sehgewohnheiten ändern.

Kurzer Hinweis an diejenigen, die sich gestern auf den "alten Dampfer" im ZDF gefreut hatten: Die "Gustloff" läuft erst heute Abend, bei der Sendung handelte es sich um "Wetten, dass …?". Wie, der Einstiegswitz ist gleich missglückt? Nun gut, das passiert Moderator Thomas Gottschalk ja andauernd. Gestern legte er in Halle an der Saale mit dem Orkantief-Hinweis "'Emma' bläst – das wird Alice Schwarzer gar nicht gefallen" die Kalauer-Latte gleich weit unter die Gürtellinie. Zum Glück verzichtete er in den nächsten knapp zweieinhalb Stunden auf weitere Zoten.

Überhaupt war es kein schlechter Abend für den Showmaster. Die Quoten dürften mangels Konkurrenz gigantisch sein, dazu fegte besagte "Emma" sicherlich noch einige zusätzliche – obwohl fluchtwillige – Zuschauer ins Wohnzimmer. Der Gastgeber hielt sich mit seinem Outfit dezent zurück, die Wetten hatten ihren Reiz, und auf der Couch sorgte Opernsängerin Cecilia Bartoli für Stimmung. Es ist ein Genuss, wenn sie redet und gestikuliert, man hatte jede Sekunde Angst, ihre großen Augen könnten vor Freude aus ihrem Gesicht plumpsen.

Aber reicht das heute noch, um den Zuschauer über zwei Stunden vor den Fernseher zu bannen?

Bisher konsumierte man "Wetten, dass …?" wie früher die Kohlrouladen mit fetter Bratensoße, Klößen und Rotkohl am Sonntag bei Großmutter: Alles auf einmal, ohne Unterbrechung, zur Not machte man halt den Hosenknopf auf, damit auch der letzte Rest noch reinpasste. Kein Wunder, dass danach oft die Magenschmerzen einsetzten. Stattdessen wird es Zeit für eine neue Form der Sichtweise von "Wetten, dass…?" Nicht sofort umschalten: häppchenweise gucken, mit Pausen zwischendurch, wie bei einem Buffet. Da besteht kaum Gefahr von Sodbrennen, außerdem erinnert man sich am Tag danach nur noch an die leckeren Sachen. Wäre das nicht auch bei "Wetten, dass …?" herrlich?

Zumal gerade die jüngere Zuschauer-Generation auf der Couch schnell hibbelig wird, wenn nicht alle zehn Minuten ein Werbespot kommt. Und trotz aller Rosenheim-Cops und Bergdoktoren will sicherlich auch das ZDF beim Nachwuchs punkten. Erster Vorschlag für die neue Sichtweise: den Beginn sausen lassen und noch eine halbe Stunde länger in der Badewanne liegen. Gestern machte Gottschalk seinen Auftaktwitz, präsentierte mit den unsäglichen "Prinzen" die Stadtwette, Armin Rohde und Anja Kling langweilten mit der Promo für einen ZDF-Film, und die erste Wette – mit einem Wohnmobil ein paar Wörter schreiben – geschenkt.

Wer dann erst einschaltete, sah Wirbelwind Bartoli, einen Muss-man-gerne-haben-Jungen, der fast vor Schüchternheit platzte, Lieder am Instrumentenklacken erkannte und hinterher Omas grüßte. Sänger Sasha machte zwar auch nur Werbung für einen Film, dafür setzten seine weißen Turnschuhe das optische Highlight des Abends. Zeit für die persönliche Werbepause, um den weiteren Verlauf des Abends mit Freunden am Telefon zu diskutieren? Dann verpasste man die Gesangseinlagen von Leona Lewis und Lenny Kravitz und den famosen Lauf eines Wettkandidaten, der 110 Meter Hürden im Rückwärtslauf in 25 Sekunden bewältigte. So hätte man sich das "Sportstudio" sparen können, zumal auch noch ein Minigolfer Bälle spuckte statt schlug, mit seiner Wette jedoch scheiterte.

Zeit für die Besorgung eines Sixpacks Bier an der Tanke um die Ecke oder das großzügige Stylen der Haare für den anstehenden Diskobesuch blieb noch genug. Denn danach glitt die ganze Sendung in eine einzige Werbepause ab. Die Sponsoren kamen ebenso zu ihrem Recht wie Heiner Lauterbach und Kai Wiesinger, die die Verfilmung der "Gustloff" priesen. Für die jungen Mädchen unter den Zuschauern setzte sich noch Leonardo-di-Caprio-Verschnitt Nico Rosberg (Formel-1-Fahrer) auf die Couch, und viele Aquarianer schauten bei der Wette von zwei Kandidaten, die per Hand die Wassertemperatur fühlten, gebannt zu und dachten sich: Das kann ich auch.

Dafür dürfte das Gemecker über die arroganten Hollywood-Stars ein Ende haben, die sich für eine fette Gage eine halbe Stunde auf der Couch fläzen und dann wieder den Abflug machen: Es kam nämlich keiner. Obwohl sich gerade in der zweiten Hälfte der Show die Momente häuften, in denen man sich einen wie Nicolas Cage anstelle der vier oder fünf deutschen Schauspieler gewünscht hätte, die alle ungefähr einen halben Satz sagen durften, der lautete: "Ja, das ist ein toller Film".

Die Erkenntnis eines Samstagabends ist alle paar Wochen dieselbe: "Wetten, dass…?" ist "Wetten, dass …?" ist "Wetten, dass …?" Die Sendung ändert sich nicht, der Zuschauer muss einfach seine Sehgewohnheiten umstellen. Komplett geguckt hatte die Show die Wirkung eines Kohlrouladen-Menüs, obwohl Gottschalk nur sieben Minuten überzog. Als Snack zwischendurch blieb das eine oder andere Schmackhafte am Fernsehen-Gaumen hängen. Auch wenn der Hunger nach mehr schnell wieder einsetzt.

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insgesamt 85 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
05.08.2010 von OlGa: Ja und?

Ziemlich durcheinander, was Sie da schreiben. Ich weiss nicht, was dies mit Gungans Beitrag zu tun hat. Tatsache ist doch, dass die Sendung über 30% Marktanteil hat. Soviele Menschen finden es entweder gut oder verschwenden 3 [...] mehr...

05.03.2008 von MacGerry: Wetten, dass...

... ich den Fernseher dann auch ganz schnell ausschalten kann? Hatte die letzte Sendung umgeplant gesehen und muss sagen, es langweilt, wobei einige Äußerungen, die Gottschalk, besonders im Zusammenhang mit dem italienischen [...] mehr...

05.03.2008 von Rainer Helmbrecht: Technik hilft das Leben zu erleichtern;o).

Mir gefallen die Wetten, nicht alle natürlich, aber da sehe ich Menschen, die noch selber etwas machen. Ich kann es aber nur Zeitversetzt sehen, weil ich den Dauerjugendlichen nicht ertrage. Da zeichne ich das auf und sehe es [...] mehr...

04.03.2008 von waldschrat: Noch 'ne Möglichkeit

Hallo Herr Werner, man muss sich nicht unbedingt das Grottenschlechte antun, um das Schlechte als wohltuende Alternative zu empfinden. Mein Vorschlag: Ausschalten! Fernsehen ist nicht die einzige Möglichkeit der [...] mehr...

03.03.2008 von A&O: Niemals, nie!

Das man Gottschalk nicht ertragen kann, merkt man spätestens bei Ansicht eines Gummibärchen Werbeclips von 20 Sekunden. Grauenhafte Vorstellung sich diese affektierte Elendsgestalt freiwillig über Stunden anzutun. Armes [...] mehr...

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