Der mächtige nordrhein-westfälische Zeitungskonzern WAZ will seine digitale Zukunft absichern - und baut dabei ausgerechnet auf die Hilfe seines öffentlich-rechtlichen Nebenbuhlers WDR. Heute stellten die beiden Medienhäuser in Düsseldorf die Eckpunkte ihrer Online-Kooperation vor: Demnach wird die WAZ in ihr Portal "Der Westen" regionale Videos aus der WDR-Mediathek einbinden. Die Übernahme erfolgt unverändert und mit dem Logo des WDR, so dass der öffentlich-rechtliche Urheber für die Nutzer erkennbar bleibt. Die WAZ zahle für die Videos einen "marktüblichen", vorerst unbekannten Preis. Zudem wollen beide Medienhäuser künftig bei der Werbevermarktung zusammenarbeiten.
"Die Zusammenarbeit ist ein gutes Signal für das Medienland Nordrhein-Westfalen, sie dient auch den Bürgerinnen und Bürgern, die an hochwertigen Programmen und verlässlichen Nachrichten interessiert sind", sagte WDR-Intendantin Monika Piel. WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach sagte, die unterschiedlichen Unternehmenskulturen und der medienrechtliche Spielraum mache die Kooperation nicht leicht. Die Kooperation der beiden Unternehmen, "verbunden im Wunsch ihren Kunden Qualitätsjournalismus zu bieten" könne aber "medienpolitisch Schule machen". Man werde die Erfahrungen gerne weitergeben.
Der WDR produziert neben seiner Hauptnachrichtensendung "aktuellen Stunde" täglich elf regionale TV-Nachrichtensendung unter dem Titel "Lokalzeit". Er verfügt damit über eine flächendeckende regionale Videoberichterstattung, wie kaum eine andere Medienorganisation in Deutschland. Die WAZ fasst seit Herbst letzten Jahres ihre fünf Zeitungstitel in Nordrhein-Westfalen unter dem Online-Dach von "Der Westen" zusammen. Das Angebot litt zunächst unter einer Wachstumsschwäche, erholte sich aber zuletzt. Angeregt hatte die Kooperation NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers auf dem Medienforum seines Landes im vergangenen Juni.
Die WAZ-WDR-Kooperation sorgt für einiges Stirnrunzeln in der Branche und bei anderen Rundfunkanstalten. Tatsächlich geht von der Zusammenarbeit eher ein falsches Signal für die bundesdeutsche Medienordnung aus. Hierfür lassen sich eine ganze Reihe von Gründen aufzählen:
Die Zusammenarbeit von WAZ und WDR ist vorerst auf eine einjährige Pilotphase begrenzt. Zugleich stehen mehrere weitere privat-öffentlich-rechtliche Kooperationen bei Online-Videos kurz vor dem Abschluss. Die ARD verabschiedete dazu kürzlich Leitlinien, wie solche Verträge auszusehen haben. Auch das ZDF plant laut eigener Ankündigung eine Zusammenarbeit mit einem Verlagshaus, im Gespräch sei die "Süddeutsche Zeitung", heißt es. Der Bayerische Rundfunk denkt Spekulationen zufolge über eine Kooperation mit "Focus online" nach.
Spätestens im Herbst dieses Jahres muss die Politik im Zuge des zwölften Rundfunkstaatsvertrags definieren, welche Aufgaben die öffentlich-rechtlichen und privaten Anbieter im Internet erfüllen sollen. Die derzeitige Hybridisierung wird die Entscheidung nicht vereinfachen.
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