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18.03.2008
 

Rakers' "Tagesschau"-Debüt

Die neue Quoten-Frau

Von Anna Starke

So nett, so seriös: Die "Tagesschau"-Sprecher haben eine neue Kollegin. Mit Judith Rakers um 20 Uhr versucht die ARD zum Urmodell nachrichtlich-femininer Ernsthaftigkeit zurückzukehren.

Der Job des "Tagesschau"-Sprechers ist anspruchsvoll. Die Damen und Herren vor der Kamera dürfen nicht zu sehr auffallen, sie müssen immer gut aussehen, sie sollten niemals aus der Reihe tanzen.

Judith Rakers, die Neue für die Hauptsendung der ARD-Nachrichten, hat die besten Voraussetzungen: Sie ist überdurchschnittlich hübsch, hat viel Erfahrung und kombiniert vorbildlich eine steife Haltung mit sympathischer Ausstrahlung. Ihr kann man vertrauen. Mit ihr möchte man seinen Abend beginnen. Von ihr möchte man wissen, was in der Welt los ist.

Bis jetzt brachte man Rakers' keckes Grübchen mit den weihevollen Takten aus Johannes Brahms' Erster Sinfonie in Verbindung. Sie sind die Ouvertüre zum "Hamburg Journal" des NDR, das Rakers seit 2004 moderiert. Erfahrung mit der "Tagesschau" hat sie allerdings auch schon: Die 32-jährige Journalistin moderierte die Nachrichtenblöcke in "Tagesthemen", "Nachtmagazin" und "Morgenmagazin" sowie die Nachtausgaben der "Tagesschau".

Rakers bewies am ersten Tag, dass sie ihrer neuen Aufgabe gewachsen ist: Die Standard-Begrüßung brachte sie mit steifem Rücken und einem strahlenden Lächeln. Seriös in weißer Bluse und dunklem Blazer, die blonde Mähne über der linken Schulter, führte sie durch die Sendung und kam weder bei Merkels Besuch in Israel noch der Tibet-Krise ins Stolpern oder Stottern.

Rakers weiß, was sich gehört

Nach den ernsten Themen aus In- und Ausland arbeitete sie sich mit gewohnt keckem Blick zu den erfreulicheren Meldungen vor. Von Arbeitsminister Scholz und dem Schutz der Praktikanten bis zur Silbermedaille der Synchron-Springerinnen bei der EM in Eindhoven - je erfreulicher das Thema, desto entspannter und freundlicher ihre Miene. Das Wetter kündigte sie schließlich mit einem fast schon leuchtenden Lächeln an. Beim Wochentag schaute sie, wie häufiger während der Sendung, sicherheitshalber noch einmal auf das Papier.

Auch bei anderen Herausforderungen als 20-Uhr-"Tagesschau"-Sprecherin wusste der blonde Engel sich zu verhalten. "Bild" brachte den tragischen Tod ihres Verlobten vor sechs Jahren auf die Titelseite. Rakers gab der Zeitung keinen Kommentar.

In der Königsklasse der 20-Uhr-Riege füllt sie jetzt vielerlei Lücken, begibt sich in Gefahren und bekommt große Karrierechancen. Die Lücken: Laura Dünnwald und Caroline Hamann sind in der Babypause. Die Risiken: Die "taz" mutmaßt, dass unter den "Tagesschau"-Damen das "GröNaZ Virus" kursiert. Plötzlich würden sich Sprecherinnen für die "Größte Nachrichtensprecherin aller Zeiten" halten und durchdrehen. Die populären Beispiele sind Susan Stahnke und Eva Herman, die noch größeres Scheinwerferlicht suchten und abstürzten. Und zuletzt die Karrierechancen: Wer sich hier ruhig verhält und es schafft, eine bieder-intelligente Aura aufzubauen, darf Talk-Shows moderieren wie Jan Hofer.

Dafür sollten die perfekten "Tagesschau"-Vorleser vor allem eines sein: sympathisch. Damit man sie jeden Abend anschauen möchte. Ein schmaler Grat - denn sie müssen nüchtern und sachlich bleiben. Wir wollen sie mögen, aber nichts über sie wissen. Sie sollen ansprechend sein, dürfen aber keine Emotionen zeigen, Augenbrauen hochziehen oder kommentieren. Schlicht: Wir müssen ihnen glauben, dass ihre Redaktion die richtigen Nachrichten ausgesucht hat. Dafür muss ihre Persönlichkeit rein und unbelastet sein.

Mit Rakers, scheint es, hat sich die ARD vom Stahnke-Herman-Schock erholt. Wer so unschuldig und seriös aussieht wie sie, dem dichtet man schnell einen Quasi-Heiligenschein des Netten und Seriösen an - so auch die Fangemeinde im Internet. "Judy, sweet Judy", schrieb dort ein Verehrer. Und träumte gleich von einem Techtelmechtel mit ihr.

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