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Kultserie "Tatort" 700 mörderische Abende

10. Teil: Thomas Bohn

1. Sonntagabend, 20.15 Uhr: Beschreiben Sie Ihr "Tatort"-Ritual.

Sonntags abends um 20.15 Uhr sitze ich meistens mit Freunden beim Essen, schaue einen guten Film im Kino an, oder spiele Badminton.

2. Hier haben Sie fünf Zeilen Platz für einen Dialog, den Sie von Ihrem Ermittlerteam gerne einmal hören würden.

"Mein" Ermittlerteam? Das gibt es nicht. Und fünf Zeilen für einen Dialog? So etwas kann nur einem Kulturredakteur einfallen.

3. Wo klauen Sie gerne Ihre Ideen?

Aus guten Büchern, aus der Tagespresse und aus dem bewegten Leben meiner Mitmenschen.

4. Wie überbringt ein Kommissar der Ehefrau/dem Ehemann am elegantesten die Todesnachricht?

Haben Manfred Krug und Charles Brauer nicht einmal eine Todesnachricht vorgesungen und damit eine Traumquote erzielt?

5. Welches US-Format könnte dem "Tatort" am Sonntag Konkurrenz machen?

Noch: keines. Wenn der Tatort weiter so häufig seine Kommissare wechselt: jedes.

6. Welche Person aus Ihrer persönlichen Vergangenheit würden Sie in einem "Tatort" gerne als Leiche einsetzen?

Schade, dass Sie diese Frage nicht mit einer "Person aus der aktuellen US-Politik" gestellt haben.

7. Sind Sie persönlich eher der Typ "Mörder" oder der Typ "Ermittler" - warum?

Ermittler. Ich wollte noch als 17-Jähriger Polizist werden und Kriminologie studieren. Aber dann schenkte mir mein Vater eine Super 8 Kamera.

8. Wenn Sie in einer "Tatort"-Episode auftreten würden, was wäre Ihre Rolle?

Wenn? Ich war doch schon:

- ein besonders mieser Zuhälter in einem Knast

- ein Fotograf, der seine Freundin erpresst hat

- ein SEK Beamter

- ein pöbelnder Randalierer

Der Zuhälter ist mir besonders gut gelungen. Sehr zum Schrecken meiner Familie.

9. An welchem bis jetzt unbesetzten Ort müsste es Ihrer Meinung nach ein Ermittlerteam geben, und in welchem Milieu würde es arbeiten?

In Wuppertal. Schräge Stadt, einzigartige Menschen und jede Menge Kriminelle. Besonders in den gehobenen Kreisen.

10. Warum setzt sich der "Tatort" mit gesellschaftlichen und politischen Themen auseinander?

Weil die deutschen Fernsehautoren und Regisseure kaum noch Chancen haben, dies woanders zu tun.

11. Vervollständigen Sie den folgenden Satz. "Der "Tatort" funktioniert auch nach 700 Folgen noch so gut, weil …

"... er bei vielen Zuschauern sonntags zur Gewohnheit geworden ist."

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