Von Dirk Brichzi
Vielleicht war Stefan Raab einfach nur wütend. Er hätte schon länger keine guten Ideen mehr, hatten ihm Interviewer einer großen Tageszeitung vorgeworfen. Doch Raab sagte, er habe immer noch die besten Ideen - und lieferte am Abend gleich den Beweis: In "Schlag den Raab" präsentierte er sich in Bestform, sowohl im Duell gegen den Herausforderer, aber auch als Hauptdarsteller seiner eigenen Show. Am Ende setzte sich Raab zum vierten Mal in Folge gegen seinen Herausforderer durch – und erhöhte damit den Jackpot für die Kandidaten der nächsten Show auf 2,5 Millionen Euro.
Als Kandidaten standen wieder Mal fast nur Sportskanonen zur Auswahl: auch der deutsche Meister im Zehnkampf, Lars Albert - ein Mann, der wohl jeden sportlichen Wettkampf gegen Raab gewonnen hätte. Doch das Publikum verschmähte den Olympioniken und wählte stattdessen einen Lehrer aus – wie schon in der vergangenen Show.
Sollten etwa alle Studienräte und Schuldirektoren der Republik samstags vor dem Fernseher hocken und dazu noch einen Privatsender einschalten?
Warum wird nicht mal ein Schachgenie oder ein Geschichtsprofessor aufgestellt – immerhin zählen bei mindestens der Hälfte der Spiele schnelles Denken oder die Allgemeinbildung mehr als die sportlichen Fähigkeiten. Sport- und Englischlehrer Jens, sicherlich kein Dummkopf, zog gegen Raab, die selbsternannte "Killerplauze", oft den Kürzeren.
Immerhin entschied der Modellathlet mit der Bürstenfrisur die reinen Sportdisziplinen durchweg für sich: Squash, Sägen und Balancieren. Doch Raab gab wie immer in jeder Sekunde 110 Prozent, konnte beim Kegeln einen Sieg verbuchen. Seine Selbsteinschätzung vom Beginn der Show, in keiner Disziplin überragend zu sein, aber auch in keiner richtig schlecht, bestätigte sich. Und bei einem Fünfzehnkampf reicht es schon, sich die Schwächen im richtigen Zeitpunkt zu leisten.
Um über Schwächen zu sprechen: Moderator Matthias Opdenhövel leistete sich diesmal keine. Angenehm zurückhaltend, Pointen im richtigen Moment, manchmal war er sogar so gut, dass man ihm die Punkte für eine Disziplin geben wollte. "Da sieht man mal, wozu sich das Abo des 'Goldenen Blatts' lohnt", sagte er, als Raab beim "Stimmt's"-Spiel auf die diamantene Hochzeit der Queen verwies, von der er vor kurzem gelesen hätte. Frank Buschmann als Kommentator fiel sogar fast überhaupt nicht auf – was durchaus auch als Pluspunkt zu verbuchen ist.
Auch bei der Auswahl der Disziplinen hatte die Redaktion ein goldenes Händchen bewiesen. Viele Mitrate-Spiele, dazu war der Ausgang oft so knapp, dass das Mitfieber-Thermometer in ungeahnte Höhen stieg. Als Raab und der Herausforderer beim Balancieren gleich reihenweise vom Balken plumpsten oder Jens beim Rallyefahren den möglichen Erfolg vergab, als er das Auto abwürgte – das waren dramatische Höhepunkte, die etwa bei "Wetten, dass…?" seit Jahren nicht mehr vorgekommen sind.
Ob dem Kandidaten in diesem Moment bewusst geworden ist, dass er vielleicht gerade zwei Millionen Euro im wahrsten Sinne des Wortes in den Sand gesetzt hatte?
Das ist es, was den zusätzlichen Reiz dieser Show ausmacht: Dass es bei all dem spielerischen Charakter um verdammt viel Geld geht. Ein zu schneller Klick, eine falsche Erinnerung oder ein Hauch von Übermut – und schon können die zwei Millionen Euro weg sein. Zumindest für den Herausforderer.
Könnte also durchaus sein, dass es der fehlende Druck ist, der Raab zu seinen Höchstleistungen anspornt. Oder, wie er im Interview verriet, dass die Show eigentlich für ihn eher eine Entspannung ist: "Ich komme um halb acht ins Studio, zieh mich um und los geht's." Und gerade zum Ende der Show, wenn immer mehr Punkte verteilt werden und Kondition und Konzentration nachlässt, dreht der Showmaster selbst noch mal richtig auf. Über vier Stunden Live-Show muss man auch mental erstmal überstehen.
Für den Zuschauer war das gestern kein Problem, der konstante Unterhaltungsfaktor hielt die Hände von der Fernbedienung fern. Schon nach dem drittletzten Spiel, dem Bierdeckelwerfen, stand Raab als Sieger fest. Somit wird der Jackpot in der nächsten Show auf 2,5 Millionen Euro aufgestockt. Und es werden sich wieder Sportskanonen als Herausforderer bewerben. Vielleicht aber auch mal ein paar Superhirne mit schmächtigem Körper.
Wie sagte Raab: "Der fitte Dumme kann genauso gewinnen wie der dicke Kluge." Das ist das Schöne an seiner Show.
Und das ist einfach eine gute Idee.
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Na, als Sportlehrer bestimmt nicht, welchen Wert die Zahl Pi hat... es gibt aus meiner Sicht Schlimmeres, als das nicht zu wissen... Naja, also ich bin ehrlich: Ich weiß auch nicht, wo das jeweils älteste Gebäude einer [...] mehr...
Hihi... und Sie meinen, da wären bessere Lehrer? Wissen Sie eigentlich, dass die Privatschulen in der Regel das an Lehrkräften bekommen, was nach der staatlichen Einstellung übrig bleibt, da auch gute und kompetente Lehrer eine [...] mehr...
In der TAT "Schach matt" - aber gegen Sie! Sie haben behauptet: Meine Aussage war aber nicht "die Seite kommt ohne Werbung aus". Wie Sie richtig zitiert aber offensichtlich gar nicht verstanden haben, [...] mehr...
Schach matt xD mehr...
Eben, im Gegensatz zu Ihrer Behauptung "selbstverständlich" - also bei allen - schränken sie es im nachhinein ein "bei mir". Damit entlarven Sie Ihre erste Aussage als unwahr. Das kann jeder [...] mehr...
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