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06.04.2008
 

Zum Tode Charlton Hestons

Der Adler ist gelandet

Von Andreas Borcholte

Monumental-Mime, Waffennarr, Eigenbrötler: Charlton Heston verkörperte wie kein anderer Schauspieler seiner Generation die Zerrissenheit Amerikas zwischen radikalem Individualismus und vereinnahmender Geste. Im Alter von 83 Jahren ist der Oscar-Preisträger nun gestorben.

Man kann sich schwer entscheiden, welches Bild bleibt, wenn man an die letzten öffentlichen Auftritte von Charlton Heston denkt. Ist es der martialische Moment? Im Jahr 2000, bei der Hauptversammlung der National Rifle Association (NRA), deren Präsident er damals war, stand Heston, damals 76, auf, hob die mitgebrachte Flinte (ein Imitat) über den Kopf, wie damals, als Moses in "Die zehn Gebote", fletschte die Zähne und schmetterte den liberalen Politikern mit ihren Waffenkontroll-Gesetzen entgegen: "Ich gebe euch mein Gewehr, wenn ihr es euch aus meinen kalten, toten Händen holt."

Oder ist es die unheimliche Szene aus Michael Moores Anti-Waffen-Dokumentation "Bowling for Columbine" (2002), als Heston von dem hartnäckigen Filmemacher heimgesucht wird und den aufgeplusterten Links-Propagandisten einfach stehen lässt? Kampflos, ohne ein Wort. Resigniert vielleicht. Oder bereits gezeichnet von der Alzheimer-Krankheit, die im selben Jahr bei ihm diagnostiziert worden war. In einer rührenden Fernseh-Ansprache hatte Heston sich damals von seinem Publikum verabschiedet, "falls er zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr dazu in der Lage sein würde".

Charlton Heston war einer der letzten Stars des alten Hollywood, neben Kirk Douglas einer der letzten starken Männer, der die Ecken und Kanten nicht nur in den vielfach beschworenen und karikierten Granit-Zügen seines Gesichts trug, sondern auch im Herzen und im Charakter. Den Liberalen der Filmbranche galt er spätestens 1998 als Anti-Christ, als er den Vorsitz der NRA übernahm und mit reaktionären Parolen polarisierte.

Das per Verfassung garantierte Recht des Amerikaners, Heim und Herd notfalls mit der Waffe zu verteidigen, war dem alternden Schauspieler wichtig. So ungern der als kontaktscheu und eigenbrötlerisch bekannte Star über sein Privatleben redete, so bereitwilllig bekannte er in Interviews, dass er nicht zögern würde, Diebe und Eindringlinge zu erschießen, wenn seine Familie in Gefahr geriete. Dem demokratischen US-Präsidenten Bill Clinton hielt Heston in seiner Amtseinführung als NRA-Vorsitzender entgegen: "Mr. Clinton, Sir, Amerika vertraut Ihnen nicht das Gesundheitssystem an, Amerika vertraut Ihnen nicht seine 21-jährigen Töchter an, und wir, Herr im Himmel, vertrauen Ihnen ganz sicher nicht unsere Waffen an."

Doch Charlton Heston war nicht immer das konservative Raubein und der eisenharte Bewahrer der ureigensten amerikanischen Werte. Anfang der Sechziger marschierte er als einer der wenigen weißen Hollywood-Stars mit dem schwarzen Bürgerrechtler Martin Luther King. Erst 1964, nach der Ermordung Kennedys, schloss er sich dem erzkonservativen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Barry Goldwater an und wechselte die Seiten. "Ich habe meine Politik nicht geändert, es war die Demokratische Partei, die sich verändert hat", sagte er einmal.

Ein Querkopf, ein gnadenloser Individualist - und ein großer Star, der mit seinem glühenden Blick und seinen zum strahlenden Lächeln oder zehrendem Schmerz entblößten Zähnen Massen bewegen konnte. Der große Monumental-Regisseur Cecil B. De Mille war einer der ersten, der das Potential Hestons erkannte.

Nach einem zufälligen Zusammentreffen engagierte der Hollywood-Mogul den damals vielbeschäftigten, aber noch nicht weltberühmten Schauspieler für die Rolle des Moses in seiner dreistündigen Bibel-Verfilmung "Die zehn Gebote", die 1955 in die Kinos kam. Heston als bärtiger Mose, das rote Meer teilend, die Gebotstafeln über den Kopf erhoben, das sind Bilder, die in die Filmgeschichte eingingen und Heston als perfekten Darsteller für mythische Historien-Figuren auf den Plan rief. Ein US-Kritiker, beseelt von der intensiven, inbrünstigen Spiel des jungen Mannes, erkannte in Hestons Darstellung des gottgesandten Israeliten-Führers auch ein Abbild des klassischen amerikanischen "Frontiersman", der sein ungewisses Schicksal in den Weiten des Wilden Westens sucht.

Heston, 1924 als John Charles Carter in der Keinstadt Evanston, Illinois, geboren, nahm diese Rolle in zahlreichen Western an, zuletzt, und wohl am beherztesten, als alternder, vereinsamter und desillusionierter Cowboy Will Penny in dem gleichnamigen Spätwestern von 1968. Doch nach dem Erfolg der "Zehn Gebote" glänzte Heston zunächst in zahlreichen historischen Rollen: Ob als Michelangelo, als US-Präsident Andrew Jackson, als Johannes der Täufer in einer weiteren Bibel-Verfilmung oder als spanischer Freiheitskämpfer El Cid – Hestons edles, von Kanten-Kinn und Adlernase geprägtes Profil sorgte für Pathos und große Gesten im boomenden Genre des Monumentalfilms.

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insgesamt 15 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
09.04.2008 von Maga: Ein Libertarian

De mortuis nihil nisi bene. Über die Toten nichts Schlechtes. Dennoch halte ich Heston, der wahrscheinlich eher ein Libertarian als ein Rechter war, nicht für einen großen Schauspieler. Er hat seine Rollen ordentlich gespielt, [...] mehr...

07.04.2008 von Pancho Villa: Konservativer Waffennarr...

Wenn sonst nichts zieht, dann eben "konservativer Waffennarr" (falls hier jemand noch "Munition" braucht: Er war auch Abtreibungsgegner) - es war klar, daß dies bei Hestons Tod von interessierter Seite flugs [...] mehr...

07.04.2008 von chrome_koran: Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!

Ist er ja auch gewesen. Außer hier zu Lande. Hier gilt er als "Waffennarr" (sprich: ein besserer Sportschützen-Vereinsaktivist). Der erwähnte Propagandafilm von Mr. Moore war Rufmord erster Güte. Wie Hestons angebliche [...] mehr...

07.04.2008 von gaycuffs: Er hat nicht nur das Meer geteilt....

...sondern auch die Meinungen. Warum können Schaupieler nicht einfach nur Schauspieler sein ? Okay, alle Filme, in denen er gespielt hat, waren etwas Besonderes. Aber alle Schauspieler, die Ihren Ruhm dazu nutzen persönliche [...] mehr...

06.04.2008 von Inmare: Titel des Artikels

Und warum die Überschrift "Der Adler ist gelandet"? Immerhin gibt es einen Film diesen Namens, der nicht schlecht besetzt ist und auch sehr spannend... aber nicht viel mit Charlton Heston zu tun hat. mehr...

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