Seinen einzigen Oscar bekam Heston 1960 für "Ben Hur". Die von Hollywood-Routinier William Wyler verfilmte Geschichte eines judäischen Prinzen, der sich gegen die Herrschaft Roms auflehnt, wurde mit damals rekordverdächtigen elf Trophäen ausgezeichnet. Das spektakuläre Wagenrennen gehört zu den definierenden Momenten der Filmgeschichte. Wieder hatte Heston eine mythische Figur mit Leben gefüllt, bezeichnend an seinem Spiel blieb stets, dass er neben all den Schauwerten, die das Monumentalkino auf die Leinwand häufte, nie verblasste, sondern mit gewaltiger, statuenhafter Präsenz standhielt. So wurde Charlton Heston selbst zum Schauwert, zum Kino-Monument.
Als das Studio-System zusammenbrach und Hollywood mit "Easy Rider" und rebellischen Filmemachern in eine neue Ära stürmte, suchte sich auch Charlton Heston neue Rollen. Als epische, fast übermenschliche Figur war er genau die richtige Besetzung für dystopische Science-Fiction-Filme wie "Planet der Affen" (1968), in dem er als einziger Überlebender die Würde und das Erbe der Menschenrasse verteidigen muss. Schon immer für seinen muskelbepackten Körper bewundert, war Heston im "Planet der Affen" erstmals in einer Nacktszene zu sehen. Ein Prometheus unter Primaten. Auch in dem Endzeit-Thriller "Der Omega-Mann" (1971) spielt Heston den letzten seiner Art. Verschanzt in einem Haus, vollgestopft mit unbrauchbarem Luxus, setzt er sich gegen eine virenverseuchte Sekte unheimlicher Nachtwesen zur Wehr – am Ende opfert er sein Leben für eine bessere Zukunft. Held und Märtyrer, Einzelgänger und Führerfigur – es waren die urtypischen amerikanischen Rollen, in denen Charlton Heston am besten war – und am beliebtesten.
In ihrer Rezension von "Planet der Affen" schrieb die berühmte amerikanische Kritikerin Pauline Kael: "Mit seinem perfekten, schmalhüftigen Körper ist Heston ein gottgleicher Held. Für pure Kraft und Stärke gebaut, ist er ein Archetyp für das, was Amerikaner gewinnen lässt. Er repräsentiert amerikanische Macht – und er hat das Profil eines Adlers." Heston selbst war sich seiner Übergröße bewusst und sagte einmal mit viel Ironie: "Ich habe drei Präsidenten, drei Heilige und zwei Genies gespielt. Wenn das keine Ego-Probleme verursacht, weiß ich auch nicht, was sonst.
Die Neuzeit hatte dem Schauspieler Charlton Heston nicht viel zu bieten. Schon in den achtziger Jahren wurden die Leinwand-Auftritte spärlicher, die Filme schlechter. Als patriarchalisches Familienoberhaupt im "Denver Clan"-Ableger "Die Colbys" feierte er für eine Weile ein Comeback auf dem Fernsehschirm, doch am Ende seiner langen Karriere blieben die politischen Auftritte eindrucksvoller als die künstlerischen. Die Ikone schien aus der Zeit gefallen, ein Mahner aus der Vergangenheit, ein Bewahrer und Beschwörer von altem Glanz und alter Größe, das hochgereckte Gewehr eine letzte Geste der Abwehr einer ungewissen Zukunft.
So bleibt als letztes Bild die Schluss-Sequenz aus "Planet der Affen": Heston, hoch zu Ross, bewaffnet, den Oberkörper mit einer Art Toga verhüllt, reitet am Strand entlang und entdeckt die gestürzte Freiheitsstatue, bis zur Fackel im Sand vergraben. "You Maniacs!", zürnt Heston mit biblischem Furor. "You blew it up! Ah, damn you! God damn you all to hell!"
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