Viele Männer finden Rasieren ja öde. Nicht so Arup Ghosh. Der Inder beobachtete mit seiner Kamera seinen Barbier bei der Arbeit - und heimst dafür jetzt einen prestigeträchtigen Fotopreis ein: den Sony World Photography Award in der Kategorie "Porträt".
Und wie kam es zu dem Siegerschuss? Zufall. Der Inder Arup Ghosh spazierte mit seiner kleinen Tochter in den örtlichen Rasiersalon, um ihr zu zeigen, wie große Männer dort mit scharfen Klingen hantieren. Fasziniert von der Konzentration des Barbiers, erinnert sich Ghosh, habe er einfach draufgehalten - und so sei diese einzigartige, sensible Studie eines Mannes entstanden, der sich komplett in seine Arbeit vertieft. Der Zufall zahlt sich aus: Ghosh wurde heute zum Sieger des Sony World Photography Award gekürt, eines prestigeträchtigen Preises, der mit stolzen 5000 US-Dollar in der Amateur-Kategorie dotiert ist.
Eigentlich ist er ja Arzt. Doch als Arup Ghosh acht Jahre alt war, verstarb sein Vater. Dem verträumten, an Kunst interessierten Jungen war schon damals klar, dass seine Liebe zu Bildern ihn nicht würde ernähren können - und so studierte Ghosh Medizin. Erst 2002 nahm er eine Kamera in die Hand und lernte zu fotografieren. Er surfte im Internet nach Vorbildern, jeden Tag drei Stunden, übte unermüdlich, entweder allein oder in Gesellschaft, etwa bei der "Photographic Association of Chinsurah", einem Amateur-Club in seinem Heimatort rund 35 Kilometer nördlich von Kalkutta.
Jetzt wird Ghosh nach Cannes reisen dürfen, denn dort wird ihm der erstmalig vergebene Preis verliehen. Der Sony World Photography Award soll als symbolisches Gegengewicht der Abwertung der Autoren-Fotografie entgegenwirken. Denn die professionelle Fotobranche leidet - ähnlich wie die Musikindustrie - unter der Digitalisierung und einfachen Reproduzierbarkeit ihrer Produkte; Bilder sind weltweit in Sekundenschnelle herstellbar, verfügbar und kopierbar.
Der Wettbewerb ist offen für jedermann, wenngleich Profis und Amateure getrennt bewertet und prämiert werden. Insgesamt hatten neben dem Gewinner Ghosh 25.934 Amateure ihre Arbeiten eingesandt. Eine Jury, besetzt mit ganz großen Namen der Branche, traf die Entscheidung: mit dabei Stars der Szene wie Nan Goldin, Bruce Davidson, Tom Stoddart oder Elliott Erwitt.
Am 24. April steigt dann in der Festivalstadt Cannes mit viel Pomp und Glamour die große Preis-Party. Bei dieser Gelegenheit wird die Jury auch die Gewinner in den elf Profi-Kategorien bekannt geben. Es ist das eigentliche Ereignis, trotz allen Engagements für die Amateure; mehr als 45.000 Arbeiten von Profis muss die Jury bis dahin auswerten.
Die Jury wird Arbeiten im klassischen Fotojournalismus genauso auszeichnen wie Fotos aus der Architektur, Mode und Werbung bis hin zu Wissenschaft und Natur. Die wichtigste Ehrung ist allerdings das mit 25.000 US-Dollar dotierte "Foto des Jahres". Die Verleihung findet im Großen Saal des "Palais des Festivals" (wo auch die Goldene Palme vergeben wird) statt - drei Wochen vor den berühmten Filmfestspielen.
tdo
Ausstellung
"Sony World Photography Awards", 21. bis 25 April, Palais des Festivals, Cannes
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