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68-Debatte bei "Maybrit Illner" Krawallrunde mit Crashtest-Dummies

2. Teil: Politik - ein Sponti-Plenum im Talkshow-Format

Jürgen Habermas irrte auf symptomatische Weise, als er auf die Frage, was von 68 geblieben sei, vor Jahren antwortete: Rita Süßmuth.

Die einzig richtige Antwort lautet natürlich: Uschi Obermaier.

Selbst Kauder, der vor allem Intoleranz und die Gewalt gegen Andersdenkende kritisierte, ließ sich zu der Bemerkung hinreißen, 68 sei eine "spannende Zeit" gewesen, die einiges auch zum Besseren gewendet habe. Als Peymann die "unklaren Fronten" in der globalisierten Unübersichtlichkeit beklagte, sekundierte Kauder fast fröhlich: "Provokation gelingt nicht mehr, gell!" Da ist was dran.

Heute provozieren Dieter Bohlens Sprüche tausendmal mehr als jede Erinnerung an die revolutionären Reden von Rudi Dutschke. Und auch der Maoismus ist nicht mehr wirklich eine brandaktuelle Gefahr in jenem historischen Augenblick, da der olympische Fackellauf auf seinem weiten Weg nach China zum Spießrutenlauf für die herrschende pseudokommunistische Parteiclique in Peking wird.

Der vielleicht größte Triumph von 68 besteht darin, dass Deutschland eine einzige Wohngemeinschaft geworden ist. Aus dem ewig tagenden Reichstag des Mittelalters ist ein Sponti-Plenum im Talkshow-Format geworden, und alle machen mit. So kann immer wieder neu gestritten werden über Zerstörung oder Befreiung, Rettung oder Untergang, taufrisch wie am ersten Tag.

Recht blass blieb dabei Aly mit seinem Versuch, kurz vor dem Eintritt ins Rentenalter noch schnell die endgültige Anklageschrift gegen seine Generationsgenossen zu verfassen nach der Methode: Haltet den Dieb! Mit Mao sei man "einem Massenmörder hinterhergelaufen" - wie die Eltern der 68er Adolf Hitler - und habe "Sieg im Volkskrieg!" geschrien.

Der Kampf geht weiter

Die 68er als getreue Kinder ihrer Nazi-verseuchten Eltern. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Die Nazi-These sei doch reine PR für Alys Buch, konterte Ditfurth und wartete mit einer echten historischen Information auf: Auch auf dem Klo ihres berühmten und konservativen Vaters Hoimar von Ditfurth habe eine "Mao-Bibel" gelegen, Provokation pur. Selbst bürgerliche Verlage hatten damals mit den Worten des Großen Vorsitzenden ihr Geschäftchen gemacht.

Röhl konnte das keineswegs besänftigen. Bis heute sieht sie den verheerenden "68er-Virus" am Werke, die böse 68er-"Sekte" mit ihren "leicht irrsinnigen Zügen". Fast Mitleid empfinde sie inzwischen mit den "fetten alten Säcken", jenen "gescheiterten Existenzen", die die damals "perfekte Bundesrepublik" attackiert und nichts als "einen Haufen Mist" produziert hätten. Zur Strafe sollten sie nun ihre gewiss ebenso fetten Pensionen an die bildungshungrigen Jungen weiterreichen.

Dann aber, mit Verlaub, käme es zur Rentnerrevolte 2018.

Hier hielt es nun selbst der soignierte Heiner Bremer, 1967/68 Chef der Jungdemokraten, nicht mehr aus und setzte zur – freilich kritischen – Verteidigungsrede an. Selbst die FDP habe damals doch auf ihrem Parteitag Ralf Dahrendorf mit Rudi Dutschke streiten lassen. Die verallgemeinernde Rede vom "Totalitarismus" der 68er gehe ihm "auf den Geist". Gerade in ihrer Frühphase 1966/67 sei die Revolte eine Freiheitsbewegung gewesen.

Claus Peymann setzte noch einen drauf und schwärmte von den "goldenen 68er Jahren, wie die goldenen zwanziger Jahre!"

Da nahte schon das Ende der turbulenten Gruppensitzung, die Supervisorin Maybrit Illner gewohnt streng, im Geiste aber antiautoritär, leitete. Dennoch konnte sie nicht verhindern, dass sich Röhl und Ditfurth, die sich hier zum ersten Mal im Leben leibhaftig begegneten, lautstark ineinander verkeilten. Angeblich will Röhl Ditfurths Bücher über Meinhof verbieten lassen.

Der Kampf geht also weiter. Und wir haben wieder einmal darüber geredet.

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insgesamt 27 Beiträge
kikolo 18.04.2008
was mich stoert an dieser debatte ist das frau roehl die schuld die ihre mutter auf sich geladen hat durch vermutliche charakterschwaeche auf die 68er uebertragen will.vielleicht verstaendlich fuer eine brave traurige tochter [...]
was mich stoert an dieser debatte ist das frau roehl die schuld die ihre mutter auf sich geladen hat durch vermutliche charakterschwaeche auf die 68er uebertragen will.vielleicht verstaendlich fuer eine brave traurige tochter aber doch deswegen nicht richtig. die entscheidung moerder zu werden oder nicht muss jeder fuer sich alleine treffen .und muss auch dafuer gerade stehen.--ich haette ja auch terrorist werden koennen .war ja auch dabei ---ich bin es nicht geworden weil ich nie menschen toeten wuerde . die 68er mit nazis zu vergleichen ist wirklich so was von dumm und unwissend das ich mich frage wie so eine bierstand diskussion in die oeffentlichkeit geraet ohne als parodie angekuendigt zu sein.---aber das rachebeduerfnis der na zis ist wohl doch ziemlich gross
toskana2 18.04.2008
Aus der Retrospektive sehen die 68er harmlos, weil entmythologisiert aus. Gleichwohl hatte diese Bewegung handfeste politische Ursachen und bewirkte eine Menge. Zersetzendes oder positives? - auf den politischen Standpunkt [...]
Zitat von sysopFluch oder Segen, Rettung oder Untergang: Darunter geht's nicht in der 68er-Debatte. Bei Maybrit Illner prallten gleich mehrere Krachmacher aufeinander - dabei belegt jede neue Erregungswelle nur, wie sensationell nachhaltig diese historische Rebellion ist. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,548187,00.html
Aus der Retrospektive sehen die 68er harmlos, weil entmythologisiert aus. Gleichwohl hatte diese Bewegung handfeste politische Ursachen und bewirkte eine Menge. Zersetzendes oder positives? - auf den politischen Standpunkt des Betrachters kommt es an. Dem Fluss der Zeit ist es geschuldet, dass die Helden von damals heute alt aussehen. Jede Rebellion frisst ihre Kinder. Toskana
duk2500 18.04.2008
In Aly's Buch ist der autoritäre Kadavergehorsam der 68 und deren hohe Gewaltaffinität ja sehr schön beschrieben. In den DDR-Amtsstuben wurde nach 1945 der Gröfaz ab- und Stalin aufgehängt. In der BRD hat der Widergang der [...]
In Aly's Buch ist der autoritäre Kadavergehorsam der 68 und deren hohe Gewaltaffinität ja sehr schön beschrieben. In den DDR-Amtsstuben wurde nach 1945 der Gröfaz ab- und Stalin aufgehängt. In der BRD hat der Widergang der totalitären Ideologie etwas länger gebraucht, es waren auch nicht die Amtsstuben sondern die Wohngemeinschaften, wo die Massenmörder Mao und der Terrorist Guevara heroisiert wurden. Ich erinnere mich noch gut an die Wirrköpfe des KBW (oder war es der Bund Westdeutscher Kommunisten?), die noch in den späten 70ern in der Fußgängerzone meiner Stadt für "Solidarität mit Kampuchea" und dem Massenmörder Pol Pot geworben haben. Ebenso erinnere ich mich an linke Spinner an meiner Uni, möglicherweise die Vertreter einer anderen Splittergruppe, die den Freiheitskampf der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc als langen Arm der CIA diffamierten. Wer gegen den Kommunismus war, konnte ja nur US-Imperialist oder Nazi sein, das war die Logik. Heite sitzen diese TypInnen für die Grünen an den Fleischtöpfen der Parlamente und kritisieren immer noch heftig, daß in der Gründergeneration von CDU und F.D.P. der eine oder andere Nazi dabeigewesen ist. Auch die gewalttätigen "Straßenkämpfer" und RAF-untertützenden Anwälte haben sich von ihren Jugendsünden ja nie richtig losgesagt. Voll peinlich diese Typen, würde meine Tochter sagen.
guhvieh 18.04.2008
Oder, habe ich eine andere Sendung gesehen wie die Autorin? Vielleicht noch: Das tragischkomische, ewige Nichtende keiner Geschichte.
Oder, habe ich eine andere Sendung gesehen wie die Autorin? Vielleicht noch: Das tragischkomische, ewige Nichtende keiner Geschichte.
t.titze 18.04.2008
Wäre Spiegel-Online ein Forum, die verantwortlichen Moderatoren hätten diesen und viele andere Beiträge längst als überflüssige Wiederholung gelöscht! Wie oft wurde in der Rubrik "Televisionen" schon das immer gleiche [...]
Wäre Spiegel-Online ein Forum, die verantwortlichen Moderatoren hätten diesen und viele andere Beiträge längst als überflüssige Wiederholung gelöscht! Wie oft wurde in der Rubrik "Televisionen" schon das immer gleiche Schema der politischen Talkformate von Illner bis Maischberger auseinandergenommen? Und wie oft die Frage aufgeworfen warum immer wieder Millionen einschalten, wenn die Phrasenmaschinen ihren Rituale herunterspulen? Gefühlt etwa zweimal die Woche. Jeder zweite Beitrag befaßt sich mittlerweile mit der Nacherzählung der Talkformate, die ja inzwischen selbst ihren glühendsten Anhängern zum Halse heraushängen. Die deutsche Fernsehlandschaft hat doch mehr zu bieten! Oder sollte die Spiegel-Online Redaktion dem Selbstanspruch der Macher aufgesessen sein, hier würde nicht Fernsehen sondern Staat gemacht? Unterstellen sie den Lesern Ihrer Seite doch bitte nicht weiterhin, sie würden, wie bei einer Sportreportage, immer das wichtigste aus der Welt des Polittalks vom vergangenen Wochenende erwarten.
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