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Ulrich Wildgruber Abschiedsbrief entdeckt

Beging Ulrich Wildgruber doch Selbstmord? Ein Abschiedsbrief an seine Lebensgefährtin Martina Gedeck scheint die tragische Vermutung zu bestätigen. Am Dienstag war der Schauspieler tot am Sylter Strand gefunden worden.

Ulrich Wildgruber in "Der Theatermacher"
DPA

Ulrich Wildgruber in "Der Theatermacher"

Berlin/Flensburg - Die Staatsanwaltschaft in Flensburg bestätigte am Mittwoch die Existenz des Abschiedsbriefes, den Wildgruber seiner Lebensgefährtin in Berlin hinterlassen hat. "Wir haben keinerlei Anzeichen für ein Fremdverschulden gefunden", sagte der zuständige Staatsanwalt. Die Ermittlungsakte sei geschlossen worden, eine Obduktion werde nicht angeordnet.

Der Tod Wildgrubers hat nach Ansicht von Claus Peymann, dem Intendanten des Berliner Ensembles, in der Theaterwelt wie ein "schwerer Blitz" eingeschlagen. Er sei ein außergewöhnlicher und merkwürdiger Spieler gewesen, sagte der Regisseur am Mittwoch in Berlin. "Er schien von einem ganz anderen Planeten auf die Erde gekommen zu sein", meinte er. Sein Leben lang hätten Wildgruber tiefste Zweifel, auch an seinem Schauspieler-Dasein, geplagt.

Wildgruber mit Angela Winkler in "Iphigenie auf Tauris"
DPA

Wildgruber mit Angela Winkler in "Iphigenie auf Tauris"

Der Darsteller wurde den Angaben zufolge am Dienstag an einer Strandstelle vor Westerland gefunden, die schnell vom Wasser überflutet wird. "Wir wissen nicht, wann er da hineingeraten ist", sagte der Staatsanwalt. Bei der Kälte lasse sich der Todeszeitpunkt nicht exakt zurückverfolgen. Wann und wie der Schauspieler nach Westerland gekommen und dort an den Strand gegangen ist, sei unbekannt. Wildgruber, der Nichtschwimmer war, habe lediglich einen Rucksack mit sich geführt. Darin seien ein "nicht unerheblicher Geldbetrag" und persönliche Papiere gewesen, jedoch keine Kleidungsstücke.

Der zuletzt in Berlin lebende Schauspieler, der vor allem auch am Hamburger Schauspielhaus Triumphe gefeiert hatte, gehörte zu den angesehensten Schauspielern der Nachkriegszeit. Am Montag hatte ihn seine Lebensgefährtin, die Schauspielerin Martina Gedeck, bei der Berliner Polizei als vermisst gemeldet. Dabei habe sie angegeben, der Schauspieler habe geglaubt, wegen einer schweren Erkrankung nicht mehr auf der Bühne stehen zu können.

Nach Angaben der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz, wo Wildgruber zuletzt in Peter Zadeks "Hamlet" als Polonius auf der Bühne stand, litt er an schweren Herzproblemen. Von möglichen Depressionen sei nichts bekannt gewesen. Wildgruber sei ein äußerst hilfsbereiter und umgänglicher Kollege gewesen und habe sich seine Herzkrankheit nicht anmerken lassen.

Der am 18. November 1937 in Bielefeld geborene Darsteller hatte kurz vor dem Abitur die Schule verlassen und eine Ausbildung zum Schauspieler bei Eduard Marks in Hamburg begonnen. Sein erstes Engagement erhielt Wildgruber an der Komödie in Basel. Nach Erfolgen in Heidelberg, Oberhausen und Stuttgart holte ihn Peter Stein 1971 an die Schaubühne nach Berlin. Peter Zadek gab ihm am Schauspielhaus in Bochum viele große Shakespeare-Rollen.

Danach begann Wildgrubers kometenhafte Bühnenkarriere. Von 1975 an war er am Deutschen Schauspielhauses in Hamburg engagiert. Seine Darstellung der Titelrolle in Shakespeares "Othello" sorgte in den 70er Jahren in der Hansestadt für Furore. Im Frühjahr 1996 kehrte Wildgruber an die Berliner Schaubühne zurück. Er wirkte unter anderem auch bei den Salzburger Festspielen mit, gab dort die Titelfigur in Hugo von Hofmannsthals "Jedermann" und in diesem Jahr in dem Stück die Rolle des Mammon.

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