Ausstellung
Eine Vielfalt in Rot
Von Jürgen Werth
Rot, rot, rot sind alle meine Bilder ... Im Hagener Karl Ernst Osthaus-Museum gibt es jede Menge rote Bilder, sie kommen allerdings ohne die üblichen roten Sujets, sprich roten Mohn oder blutrote Sonnenuntergänge aus. Die Ausstellung "Die Farbe (Rot) hat mich" ist der Auftakt einer Reihe zur zeitgenössischen nicht-gegenständlichen Malerei.
ZINDMAN/FREMONT
Bruce Pearson "no, no, no ..." Karl Ernst Osthaus-Museum Hagen
Der Maler und Kunsttheoretiker Josef Albers, der sich schon in den zwanziger Jahren mit Bildern beschäftigt hat, die sich nur auf eine einzige Farbe beschränken, wusste, wie schwer Kunst und Sprache in Einklang zu bringen sind. Albers schrieb: "Wenn jemand 'rot' sagt und wenn fünfzig Personen zuhören, darf man erwarten, dass fünfzig verschiedene Rot in ihrem Bewusstsein auftauchen."
Das Karl Ernst Osthaus-Museum in Hagen wollte sich das nicht zweimal sagen lassen und hat dreißig Künstlerinnen und Künstler zusammengetrommelt. An die Arbeit. Das Format spielt keine Rolle: Ob mit oder ohne Rahmen. Einzige Bedingung: Rot muss das Bild sein.
G. SCHADE HASENBERG
Gabriele Schade-Hasenberg, ohne Titel: Karl Ernst Osthaus-Museum Hagen
Kunst und Bluff liegen manchmal dicht beieinander. Schon in Yasmina Rezas Erfolgsstück "Kunst" verkrachen sich zwei Freunde, weil einer für ein einfarbig weißes Bild ein Vermögen hinblättert. Die Beschränkung auf eine einzige Farbe kann Tür und Tor öffnen für Scharlatane, die aus der Geschichte von des Kaisers neuen Kleidern notorisch bekannt sind.
GERT ELSNER
Peter Sehringer "Rostiges Meer" Karl Ernst Osthaus-Museum Hagen
Total abstrakt geht es im Osthaus-Museum zu. Die Besucher treffen beispielsweise auf die kalifornische Altmeisterin der monochromen Malerei, Marcia Hafif, die in den Staaten zu einer Theoretikerin der Einfarbigkeit geworden ist. Duzende monochrome rote Bilder werden hier gezeigt. Aber es lohnt sich, den Blickwinkel zu wechseln. Denn lässt man das Licht mal von links und mal von rechts einfallen, dann tun sich Landschaften auf. Keine Spur von Monotonie. Etwa bei dem Stuttgarter Peter Sehringer: Sein großformatiges Bild, das er "Rostiges Meer" nennt, scheint auf eine Watt-Wanderung zurückzugehen: Furchen, Löcher, Priele, Schneisen, Rinnsale. Und alles rötlich.
Oder Herman de Vries aus Alkmaar. Er hat rote Erde auf eine Fläche gebracht, hat sie gestrichen, gedrückt, geschmiert. Ein kleiner Beitrag zu einer Chemie der Erdkruste. Von dem kürzlich verstorbenen Emil Schumacher ist "Sodom" zu sehen. Auch hier eine vom Rot gesättigte Kruste und eine Studie zur Frage: Wie transplantiere ich ein Gebirge aus Farbe auf eine Leinwand?
Die Stuttgarterin Karin Sander ist seit kurzem Professorin in Berlin. Sie muss eine sparsame Künstlerin sein, denn sie verzichtet auf Leinwand und Rahmen. Eine etwa zehn Zentimeter große Fläche reicht ihr aus. Mit Schwung platziert auf die Wand des Museums: Einen einzigen roten Pinselstrich. Blickt man genau hin, erkennt man eine herausgestreckte Zunge.
Eine Ausstellung für Menschen, die sich nicht abschrecken lassen, wenn Bilder weder Gegenständliches noch ein Farbspektrum bieten. Denn die Ausstellung bietet eine erstaunliche Vielfalt in ihrer Einfarbigkeit: vom Glatten zum Porösen, vom Hellen zum Dunklen, vom Morgenrot zum Abendrot.
Karl Ernst Osthaus-Museum, Hagen. Hochstr.73.
Tel: 02331/2073138.
Öffnungszeiten: Dienstags bis sonntags 11-18 Uhr, donnerstags 11-20 Uhr, bis 23.4.2000
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