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10.06.2008
 

Tierische Architektur

Sir Norman im Reich der Rüssel

Von Irène Bluche

Glas, Stahl, Beton: Ein Augenschmaus für Menschen - und eine Wellness-Oase für Tiere. Stararchitekt Sir Norman Foster wagte einen Abstecher aus der Welt der Büroklötze und Mega-Hangars. In Kopenhagen hat er ein Haus für Elefanten gebaut.

Wenn der Name Sir Norman Foster fällt, denken die meisten an die Berliner Reichstagskuppel, den Frankfurter Commerzbank-Tower oder die Millennium Bridge in London. An Tiere denkt wahrscheinlich niemand. Geschweige denn, an Elefanten. Ganz anders hingegen Lars Lunding Andersen. Wenn er an Elefanten denkt, denkt er an Sir Norman Foster. Andersen ist Direktor des Kopenhagener Zoos und hat sich einen Traum erfüllt: ein hochmodernes Elefantenhaus, gebaut von Lord Foster persönlich.

Andersen hätte keine Liga tiefer bauen wollen: "Niemand würde Gemälde großer Meister in einem schäbigen Gebäude präsentieren. Warum also sollten wir nicht diese großartigen Geschöpfe in einem großartigen Haus der Öffentlichkeit zeigen. Der Wert des Hauses reflektiert den Wert der Elefanten."

Wertvoll ist das neue Elefantenhaus allerdings. Die Kosten des Baus belaufen sich auf etwa 37,5 Millionen Euro. Das Ergebnis der Investition kann sich sehen lassen: Harmonisch eingebettet zwischen Zoogelände und dem historischen Park Frederiksberg Have erheben sich auf 3.400 Quadratmeter zwei ausladende, sanft geschwungene Glaskuppeln über dem hochmodernen Neubau.

In bekannter Foster-Manier mischen sich Glas, Stahl und Beton zu einem Paradies für Zooelefanten. Das großzügige Außenareal bietet alles, was das gefangene Elefantenherz begehrt: wohlige Schlammbäder, tiefe Wasserbecken, weite Sandflächen. Perle des Ganzen für die Tiere, wenn auch unsichtbar für die Besucher: eine Fußbodenheizung. So bekommt auch der empfindlichste Elefant im dänischen Winter keine kalten Füße. Die Besucher können das Treiben von verschiedenen Ebenen aus beobachten. Kaum sichtbar wurden die Grenzen zwischen Mensch und Tier in das Design eingefügt.

Inspiriert wurde Zoodirektor Andersen durch Fosters gläserne Überdachung des British Museum in London: "Als ich die gesehen hatte, wusste ich, dass ich Foster wollte. Genau so etwas hatte ich für unsere Elefanten vor Augen". Andersens Anruf sorgte für Verblüffung bei dem Stararchitekten: "Wir waren sehr überrascht, aber absolut begeistert. Wir haben sofort ja gesagt, das war eine einmalige Gelegenheit“, sagt Spencer de Grey, Geschäftsführer und Chefdesigner von Foster & Partners. Sein Spezialgebiet sind Regierungsgebäude, Banken und Museen. Bauen für Elefanten bislang nicht.

Im Dialog mit Dickhäutern

"Für uns war das eine Herausforderung. Wer hat schon ein Elefantenhaus in seinem Portfolio", sagt de Grey. Ein halbes Jahr lang bereiteten Experten das Architektenteam auf den Bau vor. "Normalerweise stehen wir immer im Dialog mit den Menschen, für die wir bauen. Das war hier natürlich unmöglich." Hinzu kamen die Ausmaße der Dickhäuter, die selbst das für seine Monumentalbauten bekannte Foster-Büro anfangs überforderte: "Wir bauen sonst in einer normierten Skala für Menschen. Wir mussten in völlig anderen Dimensionen denken."

Die Feierlichkeiten zur Eröffnung des Baus am 10. Juni sollen königlich werden - buchstäblich: Pünktlich zum 41. Hochzeitstag des dänischen Königspaars weiht Henri, Prinzgemahl der Königin Margrethe gemeinsam mit seinem Enkel Prinz Christian das noble Elefantenhaus offiziell ein. Zoobesucher werden die Zeremonie auf Großbildleinwand verfolgen können.

Dass die Elefanten Publikumslieblinge sind, zeigt die Spendenbereitschaft für den Bau des Gebäudes. Laut Andersen ist das teure Projekt ausschließlich durch private Spenden und den Zoo finanziert worden. Die Frage, ob solche Spenden nicht besser Menschen zu Gute kommen sollten, stellt in Dänemark niemand. Die heimische Presse freut sich über den Prestigezuwachs für das kleine Land. "Das beste Elefantenhaus der Welt" titelt die dänische "Berlingske Tidende"

Die Dänen schätzen zudem Elefanten traditionell sehr. Überall in der Hauptstadt finden sich Elefantensymbole, Sinnbild der Weisheit und jahrhundertelang auch Dänemarks. Der höchste Orden des dänischen Staates ist der "Elefantenorden". Ein weiterer Grund für die Sonderbehandlung der Tiere: Immer wieder gibt es neue Elefantenjungen zu bewundern, ein Publikumsmagnet. Jährlich besuchen rund 1,2 Millionen Gäste den Kopenhagener Zoo, der mit dem Gründungsjahr 1849 nicht nur einer der ältesten Tiergärten, sondern auch einer der renommiertesten in Europa ist.

Eine Stadt im Höhenflug

Die Einweihung des "Elefanthuset" ist für den Zoo ein Großereignis, für Kopenhagen hingegen nur ein kleiner Teil eines Großprojekts. Nach den Bausünden der sechziger Jahre herrschte in der dänischen Hauptstadt Höhenangst. Über sechs Etagen durfte kein Neubau mehr in die Skyline ragen. Jetzt hat die Stadt Sorge, den Anschluss an andere Metropolen zu verlieren. Abhilfe sollen die Größen der Architekturszene schaffen: So baut Jean Nouvel das Konzerthaus des Dänischen Rundfunks, das zu den teuersten der Welt gehören wird. Die irakisch-britische Architektin Zaha Hadid entwarf einen Anbau für das renommierte Kunstmuseum Ordrupgaard.

Auch Sir Norman Foster gibt sich nicht mit dem Elefantenhaus allein zufrieden: Für 2009 sind in einem Gemeinschaftsprojekt mit dem dänischen Architekturbüro Dissing + Weitling die "Copenhagen Towers" geplant: drei 25-stöckige, leicht gebogene Hochhäuser. Doch erst einmal wird er mit seinem Elefantenhaus in die Baugeschichte Dänemarks eingehen.

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