Meine Oma fand es total komisch, dass ich studiert habe. Die hat mal gesagt: Du hast so gute Noten, du könntest in der Volksbank anfangen. Das war für sie das höchste, was man als Frau machen kann. Geprägt hat mich meine Mutter, die als Lehrerin immer gearbeitet hat. Sie hat mir eingetrichtert, dass man sich finanziell nie von einem Mann abhängig machen darf. Die Frau sollte nicht bloß das Anhängsel sein. Ich finde, man kann Gleichberechtigung nur einfordern, wenn man auch bereit ist, seinen Teil zu übernehmen.
Wenn man als Frau sagt, man will unbedingt Karriere machen, genug Geld verdienen und unabhängig bleiben, gilt man bei manchen immer noch als schwierig. Es ist wohl bequemer, wenn alles in den bekannten Bahnen verläuft. Ich kenne immer noch genügend Frauen, auch in meinem Alter, die ihren Partner zur Karriere antreiben, weil sie später mit den Kindern länger zu Hause bleiben oder bloß noch in Teilzeit arbeiten wollen. Vielleicht haben manche Frauen auch Angst davor, in der Berufswelt zu scheitern, und ziehen sich lieber auf die Mutterrolle zurück.
Wer nach der Geburt des Kindes welche Aufgaben übernehmen soll, darüber setzen sich zu wenige schon vorher mit ihrem Partner auseinander. Die Männer lassen das erstmal alles auf sich zukommen und vertrauen dann auf die mütterlichen Hormone. Würde ich als Mann auch so machen. Ist ja ganz praktisch.
Gutes Zureden klappt, glaube ich, nur bei wenigen Männern. Ich glaube, dass es erst funktioniert, wenn der Staat Familien nur dann über das Kindergeld hinaus unterstützt, wenn beide Partner gleichberechtigt ihr Kind groß ziehen. Da sind mir die bisherigen Regelungen des Elterngeldes zu lasch. Zwei Vätermonate reichen nicht aus. Es müsste die Hälfte der Zeit sein.
An der Spitze der Gesellschaft geht die Entwicklung kaum in diese Richtung. In den Kreisen der Elite, zum Beispiel an der European Business School, habe ich bei meiner Recherche erfahren, dass die traditionellen Rollenbilder immer noch gelten. Formal herrscht natürlich schon Gleichberechtigung. Es gibt ja keinerlei Verbote. Das Ergebnis zeugt aber nicht von Gleichberechtigung. Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ist 70:30. Das ist eine extrem männerdominierte Welt.
Die Referenten sind Männer, Vorbilder sind Männer, Dax-Vorstände sind Männer, die Branchen, die die Absolventen anstreben, sind von Männern geprägt. Zwar sagen auch in der Elite-Welt alle jungen Männer, dass Familie das allerwichtigste sei, aber sie wollen ja auch alle Jobs, in denen man 70 Stunden pro Woche arbeitet. Wie man da Familie und Beruf vereinbaren soll, konnten mir die wenigsten erzählen. Einige haben ganz offen gesagt, dass sie eine Frau wollen, die ihnen zu Hause den Rücken frei hält. So ehrlich waren aber die wenigsten.
Aufgezeichnet von Merlind Theile
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