Ich bin mit zwei Brüdern aufgewachsen. Da kann man viele Feldstudien darüber machen, dass manches am männlichen Verhalten nicht ganz ernst gemeint ist. Die vielen Zoten zum Beispiel, die in männerdominierten Gremien immer noch gerne gerissen werden. Ich denke dann zwar: Muss das um acht Uhr morgens schon sein? Aber ich bin weder beleidigt noch fühle ich mich persönlich betroffen.
Frauen müssen sich noch ein dickeres Fell zulegen, gerade wenn es um Machtrituale in der Arbeitswelt geht. In Sitzungen gibt es immer wieder Situationen, in denen Männer sich als die Größten und Stärksten darstellen. Es reicht dann nicht aus, dass einer seine Position bekundet und die anderen bloß sagen: Da bin ich auch dafür. Jeder muss noch mal seinen Senf abgeben, um einmal der Platzhirsch gewesen zu sein. Davon darf man sich einfach nicht beeindrucken lassen.
Dass ich mal berufstätig sein würde, war immer klar. Über Gleichberechtigung hatte ich mir vorher aber nie Gedanken gemacht. Ich dachte, das Thema sei gegessen. Ich war überzeugt, dass ich als junge Frau beruflich die gleichen Möglichkeiten haben würde wie die Männer, wenn nicht sogar bessere. Ich war dann bass erstaunt, wie sich das mit Eintritt der Schwangerschaft ändert. Rein rechtlich dürfte es da ja keine Unterschiede geben. Aber mir wurde bewusst, dass die Gleichberechtigung nicht da ist. Man gilt einfach nicht mehr als vollwertige Arbeitskraft.
Obwohl ich in Brüssel lebe, wo es genügend gute Krippenplätze und Kindergärten gibt und obwohl mein Mann und ich alles gleichberechtigt geregelt haben, werde ich immer noch mit den alten Rollenbildern konfrontiert. Wenn eine Besuchergruppe kommt und ich da sitze mit einem männlichen Kollegen, der auch zwei kleine Kinder zu Hause hat, dann fragt den keiner, wie er das mit seinem Job vereinbaren kann. Es nervt so, es ist so zäh. Dagegen anzugehen ist wirklich mühsam.
Zwei gute Freundinnen von mir sind auch Mütter und beruflich sehr erfolgreich. Das hilft ziemlich, weil wir viele Dinge ähnlich erleben: den Organisationsaufwand zu Hause, die Vorurteile und so weiter. Wir unterstützen uns dann mit gegenseitigem Lobpreisen. Das macht ja sonst keiner. Alle fragen immer nur: Mensch, wie schaffst Du das denn? Es tut schon gut, wenn mal jemand sagt: Du machst das toll, du bist meine Heldin.
Aufgezeichnet von Merlind Theile
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