Von Merlind Theile
Kein eigenes Bankkonto und Erwerbstätigkeit nur mit Erlaubnis des Gatten: Was heute unfassbar klingt, war noch vor einem halben Jahrhundert für westdeutsche Frauen Realität. Bis in die fünfziger Jahre beschränkte sich ihr Leben im Wesentlichen auf Küche und Kinderzimmer. In der Berufswelt gaben Männer den Ton an, und auch zu Hause hatte der Patriarch das letzte Wort. Dann kam das Gleichberechtigungsgesetz.
Seit es am 1. Juli 1958 in Kraft trat, schlossen Frauen in Schule, Ausbildung und Beruf zu Männern auf, sie eroberten Positionen in Politik und Wirtschaft. Gesellschaftliche Institutionen wurden nach und nach generalüberholt, wenn sie Frauen im Kampf um gleiche Chancen benachteiligten.
Nach 50 Jahren Emanzipation erzählen fünf erfolgreiche Frauen aus verschiedenen Generationen, wie sie diesen Wertewandel erlebt haben und wo die Gleichberechtigung heute steht. Rita Süssmuth, Maria von Welser, Sarah Wiener, Silvana Koch-Mehrin und Julia Friedrichs berichten von neuen Rollen, alten Vorurteilen und den heutigen Grenzen der Emanzipation: Warum Männer gerne den Platzhirsch geben, Frauen beim ersten Kind in tradierte Muster zurückfallen und welche Hindernisse der Gleichberechtigung im Jahr 2008 sonst noch im Wege stehen.
Sobald Kinder da sind, greifen bei vielen Paaren wieder alte Rollenbilder, findet Julia Friedrichs, 29: Männer kümmern sich um die Karriere, Frauen um den Haushalt. Die Schuld dafür sieht die Autorin bei Männern wie bei Frauen. Und beim Staat. Auch Jungsein oder gute Bildung schützen davor nicht. mehr...
Als sich Rita Süßmuth, 71, Mitte der Sechziger auf eine Stelle als Dozentin bewarb, schlug ihr Unverständnis entgegen: Sie? Als Frau? Ein Schlüsselerlebnis für Süssmuth, die später als Politikerin selbst dazu beitrug, dass sich in Deutschland manches geändert hat - wenn auch noch vieles im Argen liegt. mehr...
Die FDP-Politikerin Silvana Koch- Mehrin, 37, hat sich nie besonders viel Gedanken über Gleichberechtigung gemacht - bis sie schwanger wurde. Plötzlich sah sie sich mit alten Rollenbildern konfrontiert. mehr...
In der Küche, so Sarah Wiener, 46, hat keine Emanzipation stattgefunden. Erst wenn es Orden und Sterne gibt, drängen sich die Männer an den Herd. Frauen müssen unbequem sein, findet die Gastronomin. mehr...
Auch 50 Jahre nach Inkrafttreten des Gleichberechtigungsgesetzes sind vor allem alleinerziehende Mütter immer noch stark benachteiligt. Ein Skandal, findet Maria von Welser61. Die Fernsehfrau setzt ihre Hoffnungen auf Familienministerin, Kanzlerin - und männliche Mitstreiter. mehr...
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH