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23.06.2008
 

"Berliner Zeitung"

Jeder dritte Redaktionsjob soll weg

Kahlschlag bei der "Berliner Zeitung": Die Deutsche Mediengruppe, zu der die Zeitung gehört, will nach Angaben des Betriebsrats massiv Personal kürzen. Allein in der Redaktion des Berliner Blattes soll die Stellenzahl von 130 auf 90 reduziert werden.

Berlin - Unsicherheit in der Belegschaft: Chefredakteur und Geschäftsführer Josef Depenbrock habe sich am Montag den Fragen der Mitarbeiter gestellt, aber keine konkreten Angaben gemacht, sagte die Betriebsratsvorsitzende Renate Gensch. Depenbrock wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Verlagsgebäude: Anfang Juli beschäftigt sich das Arbeitsgericht in Berlin mit einer Klage der Redaktion
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DPA

Verlagsgebäude: Anfang Juli beschäftigt sich das Arbeitsgericht in Berlin mit einer Klage der Redaktion

Den Arbeitnehmervertretern habe Depenbrock aber angekündigt, die Deutsche Mediengruppe - zu der die "Berliner Zeitung" und die "Hamburger Morgenpost" gehören - wolle 150 der 930 Stellen abbauen. Allein in der Redaktion der "Berliner Zeitung" sollen demnach 40 von 130 Stellen wegfallen.

"Wir fordern die Geschäftsführungen auf, die Pläne zurückzunehmen und in die Produkte zu investieren", sagte Gensch auf Anfrage der Nachrichtenagentur ddp. Die Gruppe hat den Angaben zufolge derzeit 930 Mitarbeiter. Zum Berliner Verlag gehören neben der "Berliner Zeitung" auch der "Berliner Kurier" und das Stadtmagazin "Tip", bei dem laut Betriebsrat 17 Mitarbeiter von dem insgesamt geplanten Stellenabbau betroffen sein sollen.

Die Redaktion lehnt die Pläne ab. Im Redaktionsstatut sei die "Berliner Zeitung" als Qualitäts- und Autorenzeitung festgeschrieben worden. Dieses Ziel ließe sich mit den Streichungen in der Redaktion nicht aufrechterhalten, sagte der Sprecher des Redaktionsausschusses, Thomas Rogalla. Das Vorgehen des Verlags zeige, dass nie etwas auf die Beteuerungen der Vergangenheit, die journalistische Qualität der "Berliner Zeitung" erhalten zu wollen, zu geben war.

Anfang Juli beschäftigt sich das Arbeitsgericht in Berlin mit einer Klage der Redaktion gegen Depenbrock. Nach Auffassung von Rogalla verstößt Depenbrock gegen das Redaktionsstatut, weil er Geschäftsführer und Chefredakteur in einer Person ist. Dadurch würden die kommerziellen Interessen der Investoren ungebremst in die Redaktion getragen, argumentiert der Redaktionsausschuss.

Der britische Medieninvestor David Montgomery war 2005 mit seiner Firma Mecom durch den Kauf des Berliner Verlags in den deutschen Zeitungsmarkt eingestiegen. Das Unternehmen hatte dann die BV Deutsche Zeitungsholding - eine Tochter der Mediengruppe - gegründet und später den Hamburger Morgenpost Verlag und das Internetnachrichtenportal "Netzeitung" dazugekauft. Die beim Einstieg von Montgomery bekannt gewordenen Eckdaten der Investoren zu Umsatz- und Renditezielen hatten bei der Arbeitnehmervertretung des Berliner Verlags von Anfang an Befürchtungen über einen größeren Stellenabbau ausgelöst.

ase/ddp/dpa

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