Paris/Hamburg - Mit seinen Reformplänen für das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy jetzt auch die dortige Chefetage gegen sich aufgebracht. Der Leiter von France Télévisions, Patrick de Carolis, drohte am Mittwoch indirekt mit einer Kündigung.
Die öffentlich-rechtlichen Senderkette werde nach Einführung des geplanten Werbeverbots nicht genügend Geld bleiben, um ihre Pläne zu verwirklichen, sagte Carolis in einem Interview mit RTL. Er wolle nun bis zum Spätsommer abwarten und dann schauen, wie die finanzielle Lage sei. Wenn die Mittel nicht ausreichten, werde er die "Verantwortung übernehmen", kündigte der Senderchef an. Er habe im Übrigen auch Staatschef Nicolas Sarkozy "sehr ehrlich" seine Meinung gesagt.
Sarkozy hatte Anfang des Jahres angekündigt, dass er die Werbung bei den öffentlich-rechtlichen Sendern abschaffen will. Letzte Woche stellte er Pläne vor, wie diese ihre Einnahmeausfälle kompensieren sollen; das Werbeverbot solle künftig durch Abgaben bei den Festnetz-, Mobil- und Online-Anbietern sowie den Privatsendern ausgeglichen werden.
Die Öffentlich-Rechtlichen fürchten aber, dass eine Finanzlücke bleibt. Sie haben durchaus Grund, misstrauisch zu sein: Am Montag legte der konservative Präsident in einem Fernsehinterview noch einmal dar, dass er keinen großen Unterschied zwischen dem Programm der Öffentlich-Rechtlichen und den Privatsendern sehe. TV-Chef Carolis wies dies als "falsch, dumm und zutiefst ungerecht" zurück.
Präsident Sarkozy will die Werbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk bis Ende 2011 vollkommen abschaffen. Bereits ab Januar 2009 sollen die Sender nach 20.00 Uhr auf Werbespots verzichten. France Télévisions nimmt bislang über 800 Millionen Euro jährlich mit Werbung ein.
Das Reformpaket kommt mit einer weiteren Neuerung daher, die Opposition, Fernsehschaffende und Kommentatoren fast einmütig auf die Barrikaden treibt: Nach dem Willen des Präsidenten soll der Chef des öffentlich-rechtlichen TV-Imperiums in Zukunft direkt vom Präsidenten bestallt werden – die TV-Aufsichtsbehörde und das Parlament können diese Entscheidung nur unter schwierigen Umständen durch ein Veto unterlaufen.
tdo/AFP
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