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03.07.2008
 

Osgar-Eklat

"Bild"-Chef weist Kurt Beck zurecht

Wenn der Kai dem Kurt schreibt: Nachdem SPD-Chef Beck die ARD-Übertragung einer Preisgala der "Bild-"Zeitung als Werbung kritisierte, schrieb ihm Chefredakteur Diekmann jetzt einen Brief. Ja, Werbung sei das schon gewesen - allerdings für die Demokratie.

Hamburg - In einem persönlichen Brief an den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten und SPD-Chef Kurt Beck betonte "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann, bei der spontanen Übertragung des "Bild"-Medienpreises "Osgar" sei es darum gegangen, "den Worten von Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt größtmögliche Publizität zukommen zu lassen".

Bild-Chef Dieckmann: Hat auch ein Herz für Helmut Schmidt
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Bild-Chef Dieckmann: Hat auch ein Herz für Helmut Schmidt

Der sozialdemokratische Altkanzler hatte bei der Gala einen Ehren-"Osgar" entgegengenommen. Nach ARD-Angaben hatte Programmdirektor Günter Struve persönlich die "Osgar"-Übertragung am 25. Juni wegen des starken Auftritts von Preisträger Schmidt kurzfristig ins Programm gehoben.

Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, ging Beck bei einer SPD-Veranstaltung in Heidelberg die ARD daraufhin scharf an: Der Sender habe sein Programm für "eine Werbesendung der 'Bild'-Zeitung" geändert. Das schlage "dem Fass den Boden aus" und geschehe "nicht im öffentlich-rechtlichen Auftrag". Seine stellvertretende Regierungssprecherin Monika Fuhr erklärte am Donnerstag, Beck stehe weiterhin zu dieser Kritik.

Diekmann schrieb nun an den SPD-Chef, er könne sich dessen "Missfallen" nur durch "ungenügende Unterrichtung über den 'Bild-Osgar'" erklären - und legte dem Schreiben die komplette Rede von Helmut Schmidt und die Laudatio von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei. Die ARD-Übertragung sei, so Diekmann, entgegen Becks Einschätzung eine "Werbesendung für die Demokratie" gewesen. Im übrigen zähle, "wie so oft, nicht die Verpackung, sondern der Inhalt".

Beck steht mit seiner Kritik allerdings nicht allein. Der Deutsche Kulturrat, Spitzenverband der Bundeskulturverbände, sprach bereits von einer "Trivialisierung des Programms". Ein ARD-Sprecher konterte zunächst: "Helmut Schmidt mit Trivialisierung in Verbindung zu setzen, halte ich für daneben."

In einer Reaktion auf Diekmanns Schreiben legte der Kulturrat allerdings heute nach und verwies darauf, dass die Gala nicht nur im Ersten, sondern auch bei Phoenix und im MDR-Fernsehen zu sehen war. "Ohne Zweifel war die kurze Dankesrede von Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt bei der Preisverleihung sehens- und hörenswert", erklärte der Kulturrat. Es sei jedoch zu fragen, ob deshalb "drei Mal über eineinhalb Stunden die Osgar-Verleihung 2008 des Springer-Verlages in voller Länge im Fernsehen übertragen werden" musste.

Auch die Worte des "Bild"-Chefs von einer "Werbesendung für die Demokratie" waren dem Kulturrat eine Bemerkung wert: Es sei zu hoffen, dass die "Bild"-Zeitung jetzt nicht ständig der ARD in Fragen der politischen Bildung hilfreich zu Seite stehen müsse.

tdo/dpa

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