Hamburg - Es war kein guter Tag für die Nachrichtenredaktion der ARD - wieder mal, möchte man hinzufügen. Dabei schien doch alles ganz reibungslos abzulaufen. Souverän moderierte Sprecherin Judith Rakers in der 20-Uhr-"Tagesschau" am gestrigen Dienstag den ersten Beitrag an: einen Film über den massiven Stellenabbau bei Siemens. Danach aber reihte sich Fehler an Fehler.
Hinter Rakers war ein Bild der G-8-Staatschefs zu sehen, die in Japan tagen. Die Sprecherin moderierte allerdings einen Film über Klimaschutzvorgaben für den Luftverkehr in der EU an. Zu sehen war dann aber weder der Bericht über den G-8-Gipfel noch der über den Klimaschutz - sondern ein Film zum Vertrag zwischen den USA und Tschechien über die Stationierung einer Radaranlage in dem osteuropäischen Land. Wer jetzt noch nicht verwirrt genug war, musste sich auf mehr gefasst machen. Denn nachdem die Ausstrahlung des Tschechien-Films abgebrochen wurde, verlas Rakers ein zweites Mal ihre Klimaschutzanmoderation. Alles klar?
"Da sitzt man davor und wird wahnsinnig." Mit diesen Worten kommentierte wenige Stunden später Kai Gniffke, erster Chefredakteur von ARD Aktuell, diese erneute Panne seiner Redaktion. Wer gerne wissen will, wie ein zerknirschter Boss klingt, kann es im Blog der ARD-Nachrichtenredaktion nachlesen. "Glauben Sie mir", schreibt Gniffke dort, "ich blogge gern. Eigentlich immer." Doch jetzt, gesteht er, falle ihm das ein wenig schwer. "Wir haben zurzeit die Seuche." Oder, etwas variiert: "Wir haben im Moment bei ARD-Aktuell einfach den Mist an den Hacken kleben."
Ganz unrecht hat er da nicht. Das gestrige, eher peinliche als journalistisch fragwürdige Malheur, folgt zwei Flaggenpannen und einem Zuschauergag.
Vor zwei Wochen blendeten die "Tagesthemen" in einem Bericht zum EM-Halbfinale zwischen der Türkei und Deutschland in einer Grafik eine Deutschlandfahne mit der Farbenfolge Rot-Schwarz-Gold statt Schwarz-Rot-Gold ein. "Oh nein!", schrieb tags darauf der zweite Chefredakteur von ARD Aktuell, Thomas Hinrichs, in einem Blogeintrag, der die peinliche Panne erklären sollte. So ein Fehler sei inakzeptabel.
Das Segeln unter falscher Flagge forderte einen Zuschauer mit Humor heraus, sich über eben diese Panne lustig zu machen: Beim EM-Finale zwischen Deutschland und Spanien hielt ein Fan hinter dem ARD-Livereporter Dietmar Teige auf der Berliner Fanmeile plötzlich eine eigens angefertigte rot-schwarz-goldene Fahne in den Hintergrund.
Vergangenen Donnerstag folgte dann die Fortsetzung, als "Tagesthemen"-Moderator Tom Buhrow einen Beitrag über die neue US-Botschaft in Berlin einleitete. Plötzlich war neben Buhrow eine US-Flagge mit einem weißen Querstreifen ("Stripe") zu viel zu sehen. SPIEGEL ONLINE hatte die Panne aufgedeckt, die ARD entschloss sich später sogar, personelle Konsequenzen zu ziehen.
Nun hat man sich bei ARD Aktuell offenbar dazu durchgerungen, offensiv auch mit solch kleineren, eigenen Fehlern umzugehen - bevor andere Medien darauf verweisen.
Chefredakteur Gniffke stellte die Fehlermeldung in eigener Sache relativ zeitnah nach der Panne online, zu nachtschlafender Zeit um 0.53 Uhr.
Man hätte sich allerdings zu noch mehr Offenheit durchringen können: Die fehlerhafte "Tagesschau"-Ausgabe war heute früh noch im Archiv der ARD-Mediathek zu finden - mittlerweile steht dort eine neu geschnittene Version.
tdo
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Heute titelten sie " Alexander Sochenizyn " ... PISA hat die Tagesschau erreicht. mehr...
Die Seuche trägt den Namen Will, auch wenn sie nicht mehr dabei ist. Aber sie hat die dort herrschende "Hauskultur" merklich mitgeprägt. Also sind die Pannen integraler Teil des ARD-Tagesthemen-Systems. Trotzdem [...] mehr...
Dass es nur knapp 24 Stunden brauchte, bis der Selbstzünder platzte? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,564985,00.html Am 9.7.2008 hat der Spiegel eine richtige Ortsangabe veröffentlicht, heute nun fand der [...] mehr...
Durch, nennen wir es mal neue Sprache, soll eine Nähe zum Volk hergestellt werden. Dadurch möchte man eine Bindung erreichen. So wie ich das sehe, soll durch den Ersatz von korrekter Sprache und sorgfältiger Berichterstattung [...] mehr...
Als Berufskollegin habe ich nicht oft das Bedürfnis, meine Meinung in solchen Foren zu hinterlassen - dieses Mal aber schon. Darf ich anbringen: Dass Fernsehsendungen - im Gegensatz zu Online-Medien - einem quasi [...] mehr...
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