Berlin - Die Situation war verzwickt: Will man einen modernen Saal mit optimaler Akustik, in dem jeder Zuschauer ohne Mühe die Bühne sehen kann? Oder soll man lieber den einzigartigen Charme des Paulick-Saals der Berliner Staatsoper konservieren, diese Mixtur aus Rokoko und Klassizismus, mit Kronleuchter und Stuckdecke? Am Dienstag kam es nun zu einer Entscheidung, die eigentlich keine ist. Die Sanierung wird neu ausgeschrieben.
Keiner der prämierten Entwürfe des Architektenwettbewerbs sei in der Lage, dem Denkmalschutz Rechnung zu tragen, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Damit sei eine wesentliche Aufgabe des Wettbewerbs nicht erfüllt worden. Das Land Berlin verzichte deshalb auf die Vergabe und werde sich auf die Suche nach einem neuen Generalplaner für das 241 Millionen Euro teure Projekt machen.
Eigentlich hatte man im Mai bereits einen Siegerentwurf vorgestellt. Der Architekt Klaus Roth wollte den Paulick-Saal von Grund auf modernisieren, um die Akustik zu verbessern, was ganz dem Geschmack des Generalmusikdirektors der Staatsoper, Daniel Barenboim, entsprach.
Kritik kam dagegen von André Schmitz, dem Berliner Staatssekretär für Kultur. Wie der SPIEGEL in der aktuellen Ausgabe berichtet, habe auch Peter Dussmann, Unternehmer und Vorsitzender der Freunde der Staatsoper, die 30 Millionen Euro zur Renovierung beitragen wollen, den Entwurf als "entsetzlich" gegeißelt und eine überparteiliche Anti-Allianz geschmiedet.
Heft 29/2008:
Moskau
Gier und Größenwahn in der Metropole der Milliardäre
Klaus Wowereit sagte, er sei überrascht davon gewesen, dass sich alle Wettbewerbsentwürfe weit von der Gestaltung des jetzigen Innenraums entfernt hätten. Dies widerspreche aber dem Denkmalschutz, was für den Bauherrn nicht akzeptabel und nicht genehmigungsfähig sei.
Die Berliner Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer (SPD), fügte hinzu, die Aufgabe des Generalplaners sei es, sich bei der Sanierung des denkmalgeschützten Zuschauerraums an dem Entwurf des DDR-Architekten Richard Paulick (1903-1979) zu orientieren.
Eine Schadenersatzforderung durch den Wettbewerbssieger Klaus Roth befürchtet der Senat nicht. Das Preisgeld an ihn werde ausgezahlt, sagte Wowereit. Er hoffe auf das Verständnis aller beteiligten Büros, die sich ja auch an der neuen Ausschreibung beteiligen könnten.
Die Sanierung des Hauses soll im Sommer 2010 beginnen. Für die auf dreieinhalb Jahre veranschlagte Bauzeit zieht die Oper ins Charlottenburger Schiller-Theater.
Die Gesamtkosten werden auf 241 Millionen Euro beziffert. Den Großteil der Sanierungskosten finanziert mit 200 Millionen Euro der Bund. 30 Millionen Euro will der Verein der Freunde der Staatsoper aus Spendenmitteln beisteuern.
cc/ddp/AP
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