Von Daniel Haas
Prince wurde vor kurzem 50, Madonna folgt im August, und wenn man sieht, wie agil und sportlich sie sich der Öffentlichkeit präsentieren, hat man den Eindruck: Es ist gerade mal Halbzeit. Finanziell abgesichert und gesundheitlich überversorgt wird diese Pop-Bourgeoisie bis ins Methusalem-Alter Platten einspielen und in Videos auftreten.
Diese Art des Alterns ist natürlich total unseriös: Die Stars konservieren ihren Körper - und ihre geistige Entwicklung gleich mit. Prince sieht seit zwei Jahrzehnten aus wie sein eigener Neffe und schwärmt immer noch von Funk, Sex und Körpersäften.
Madonna hat dank Botox und Ayurveda die Haltbarkeit einer Madame-Tussauds-Figur, lässt in ihren Songs aber die Sau raus, als gäbe es kein Morgen. Michael Jackson, der dieses Jahr ebenfalls 50 wird, spielt zwar kein neues Album ein, wird aber womöglich bald in einem Film auftreten: in der Rolle der jungen Liz Taylor - nach einem schlimmen Verkehrsunfall.
Anstatt also würdevoll die herbstlichen Regionen des Daseins anzusteuern, statt den Nachwuchs zu fördern oder - wie alternde Politiker - höchst förderliche Beraterverträge abzustauben, sind diese ewigen Helden der Popkultur so kindisch wie ein Witz von Olli Pocher. Der wird übrigens, wie sein Mentor Harald Schmidt, auch keinen Tag älter. Das Gleiche gilt für Günther Jauch und Thomas Gottschalk.
Für sie alle altert stellvertretend Johannes Heesters. Er ist neben Helmut Schmidt, dem Erfinder der Selbstkonservierung qua Räuchern, der einzige in Deutschland mit echter Kompetenz im gepflegten Älterwerden.
An diese kultivierten Herren wird sich der junge Mensch aber kaum halten. Deshalb ist es ja so schlimm, dass Madonna und Co. das Altern und seine Kultur quasi an sich gerissen haben. Denn wenn die Showbiz-Elite tatsächlich stilbildend ist, steht uns eine grässliche Zukunft bevor: Die Kids von heute werden - wie die Queen of Pop und ihre Kollegen - ab Mitte 20 bis zum Exitus mit demselben Gesicht herumlaufen. Man trägt als Twen gewissermaßen schon die eigene Totenmaske.
Fotoalben und -archive sind dann überflüssig: Es ist ja eh immer dieselbe Visage, die man von sich beziehungsweise den anderen zu sehen bekommt. Und weil man wegen der permanenten Mode-Revivals auch ständig ähnliche Klamotten trägt, wird es immer schwerer zu entscheiden, in welcher Zeit man sich eigentlich befindet. Vergangenheit, Zukunft - alles eins. Und das Radio spielt einen Madonna-Hit dazu.
Macho-Mumie und Botox-Zombie
Ein prägnantes Gegenmodell zu dieser Augenwischerei fällt mir ein: Ron Wood. Er hat ein Gesicht aus dem Pleistozän und eine Freundin aus der Highschool, das ist die Machovariante der Geriatrie. Sie funktioniert aber nur mit dem entsprechenden finanziellen Background. Und wenn eine legendäre Rockband im Spiel ist, kann das auch nicht schaden.
Was bleibt aber uns, der großen Mehrheit, die weder über maßloses Talent noch über die nötigen Geldmittel verfügt? Wir kommen auf denkbar konventionellste Art in die Jahre. Neidisch schauen wir auf die Prominenten, und wenn wir unser bisschen Rente nicht für Botox verschleudern wollen, bleibt uns nur die verjüngende Kraft der Phantasie.
So stellen wir uns vor, wie Madonna ins Altenheim kommt, am besten nach Neukölln. Dort raunt sie den Pflegern Lüsternheiten zu oder summt "Like a Virgin". Den Song kennt allerdings niemand mehr, auch der Zivi nicht, er ist einfach zu jung. Prince ist ebenfalls da; leider kann er sich an keinen seiner drei Namen mehr erinnern. Und Michael Jackson bricht sich beim Moonwalk das Hüftgelenk.
Alter, sind das Aussichten!
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