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Internet-Zensur bei Olympia Im Reich der begrenzten Recherche-Freiheit

2. Teil: Warum der westliche Fragestil zum Problem werden könnte

Bill Weber, Leiter des olympischen Dolmetscherteams, steht im benachbarten Dolmetscherbüro und drückt einer Mitarbeiterin einen Zettel mit chinesischen Schriftzeichen in die Hand: Ein Hinweis für die Reinigungskräfte, die am Vortag wichtige Dokumente weggeworfen haben. "Für uns war es wichtig, chinesische Dolmetscher einzusetzen, die neben der wörtlichen Übersetzung auch den umschweifigen Redestil der chinesischen Autoritäten gewöhnt sind", sagt der Olympiaveteran, der bereits 14 Olympische Spiele mitgemacht hat.

Rund 150 Berufsdolmetscher werden auf täglich bis zu 40 Pressekonferenzen simultan übersetzen. Dabei lastet die Hauptlast der Verantwortung auf den Schultern jener 25 für den Uno-Apparat ausgebildeten Chinesen. Von ihren Interpretationen ins Englische hängen alle weiteren Übersetzungen ins Französische, Spanische, Deutsche, Koreanische und Japanische ab.

"Der Sport wird bei diesen Spielen unweigerlich eine politische Komponente haben", sagt Weber, "die Nuancen der politischen Terminologie müssen da genau getroffen werden." Schon jetzt prophezeit er die Ungeduld der westlichen Kollegen, die auf vage Antworten zumeist mit bohrenden Fragen reagieren. "Diesen als unhöflich empfundenen Fragestil sind viele Politiker hier nicht gewohnt, das könnte ein Problem geben."

"Die Chinesen haben sich wirklich ins Zeug gelegt"

Ähnliches erwartet auch der leitende Politikredakteur der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, Zhou Xiaozheng, einer von 258 staatlich angestellten Olympia-Journalisten: "Politiker in China gehen erst seit der Sars-Epidemie im Jahr 2003 transparent und offen mit Informationen um. Viele haben kaum Erfahrung mit der Presse. Manche verdecken aber auch ihr Unwissen und reden dann um den heißen Brei herum." Durch die Olympischen Spiele, so hofft der Journalist, werde sich das Land jedoch weiter öffnen: "Die westlichen Journalisten werden dazu beitragen, dass China seine Probleme besser erkennen wird und die Presse ihre Kontrollfunktion übernehmen kann." Offene Worte. Und doch will eine junge Kollegin zum Schluss des Gesprächs ein Foto der Fragestellerin machen und notiert sich ihre Daten.

"Wir sind alle ein bisschen paranoid", sagt auch der Techniker einer australischen Presseagentur in der Raucherecke der Dachterrasse. "Technisch wäre es möglich, dass sich die Regierung über unser Netzwerk in die heimischen Computer einhackt. Dann hätte sie Zugriff auf unser ganzes System."

Zufrieden sind die Journalisten bislang vor allem mit der frühen Vorbereitung: "Bei anderen Olympischen Spielen wurden zu diesem Zeitpunkt noch die Kabel verlegt", sagt die Australierin Magnay. "Die Chinesen haben sich wirklich ins Zeug gelegt. Und die Massagen sind das Beste!"

20 Minuten dauert eine Schulter- und Nackenmassage bei den Absolventen der Pekinger Universität für traditionelle chinesische Medizin. Und wenn schon viele Informationen unzugänglich sind, können gestresste Korrespondenten hier zumindest etwas über Meridiane und Akupressurpunkte lernen. Ohne fotografiert zu werden.

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