Von Hobbykoch Peter Wagner
Immer das Gleiche bei den schönen großen Rockfestivals: Wenn die letzte Band des Abends die wenigen noch nicht verstrahlten Fanhirne butterweich geprügelt hat – dann, ja dann steigt bei den überlebenden Festival-Untoten blitzschnell der großer Hunger auf. Etwas kleines muss her, schleimig-körperwarm, eingeschlonzt in rotem Saft. Doch die Fressbuden sind längst zu. Erst im Zweimannzelt, direkt neben dem Schnapskanister, wartet still und heimlich die Erlösung. Dosenravioli, was sonst?
So ergreifend, mitreißend oder einfach nur zum Abrocken gut die Musik auf den Freiluftfestivals im Sommer ab und an auch sein mag, den Gernegutesser führt die Open-Air-Saison jedes Jahr auf einen geschmackserniedrigenden Canossagang. Die Verstärkeranlagen beschallen längst ganze Landstriche in HiFi-Qualität, die Lightshow ersetzt jeden LSD-Trip – warum also muss das Catering nach wie vor so aussehen und schmecken wie notdürftig aufgewärmtes Schweinemastfutter?
Natürlich braucht zwischen R.E.M., Sido, The Hives, Gogol Bordello, Tanzwut oder Pennywise kein Mensch "Effilochée vom Nagelrochen an Blutwurst-Couscous und Pulpo mit Petersilienpesto" (Gericht von Dreisterner Christian Bau). Aber an anderen Orten mit Massenspeisung wie Autobahnraststätten oder auf unzähligen Straßenfesten gelingt es den Kochmützen doch auch, halbwegs Essbares anzubieten.
Und trotzdem bleibt auch bei mir die Erinnerung wach an hungrige Festivalnächte vor dem Igluzelt: die Maggiraviolidose mit dem Taschenmesser geknackt, auf drei Steine gestellt und so lange mit dem Feuerzeug drunter, bis die Ravioli am Dosenboden angebrannt, die restlichen lauwarm, und der Daumen übersät mit Brandblasen ist.
Eine Erinnerung, die man besser nicht aufwärmen sollte. Klar – es ist unfair, die Maggiravioli in Tomatensauce für 1,59 Euro pro Dose gegen die selbstgerädelten Highender in Mini-Romatomaten-Sugo mit Biohackfüllung antreten zu lassen. Andererseits reizt der Hersteller mit Behauptungen wie "in Tomatensauce mit 19,6 Prozent fleischhaltiger Füllung" einen ja gerade zu waghalsigen Selbstversuchen.
Also nach Vorschrift "bei geringer Wärmezufuhr heiß werden lassen" und ab auf den Teller. Bei aller Liebe – so was kann man nicht als "Nahrungsmittel" verkaufen: viel zu wenig Sauce in der Dose, die dazu noch nicht einmal entfernt an Tomate erinnert, der Teig ein einziges, schleimiges Al-Kukidente; und was die Nestlé-Produktmanager nun genau meinen, wenn sie die Füllung als "fleischhaltig" bezeichnen, möchte ich nicht in meinen ärgsten Alpträumen erfahren.
Wenn also zwischen Abschlussband und Morgengrauen der Magen knurrt – gib ihm alles, nur keine Dosenravioli. Oder wenigstens eine Flasche Doppelkorn vorneweg.
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eine wahre Hexenjagd auf die armen Ravioli aus der Dose. Mit Hersteller und allem. Aber warum kommt die Sosse im Gourmet- Rezept auch fast ausschlieslich aus der Dose. Vielleicht mal mit Olio di oliva und hausgetrockneten Tomaten [...] mehr...
Angesichts der Tatsache, dass alle drei Sekunden auf diesem Planten ein Kind verhungert, betrachte ich Dosenravioli als eine echte Überlebenshilfe. Wer Hunger hat, will essen und davon satt werden, wenn es auch noch schmeckt, [...] mehr...
Dosenravioli würde ich niemals essen, aber ich finde, das Angebot auf den Festivals ist gar nicht so schlecht. Wir haben in diesem Jahr beim Rock am Ring recht gut gegessen. Champignonpfanne, Flamkuchen und wirklich gute Crepes. [...] mehr...
Glaube nicht dass irgendjemand auf Musikfestivals geht um dort gut zu dinieren, oder taeusch ich mich? Da gehts doch schliesslich um Musik und nicht ums Essen. Da isst man, um satt zu werden und damit der Magen nicht so grummelt [...] mehr...
Dosenravioli sind echter Mistfrass - kalte Pottkieker-Erbsensuppe von ALDI, dazu zwei westfälische Mettenden aus ebendiesem Feinkostgeschäft... Wesentlich wohlschmeckender ! mehr...
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