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06.08.2008
 

Anwaltsserie "Eli Stone"

Mit Kuschelrock zur Revolte

Von Christian Buß

Ein aalglatter Anwalt mutiert zum Kämpfer der Entrechteten. Schuld ist George Michael, der durch die Serie "Eli Stone" singt und tanzt wie einst in den Videos von Wham!. Ab heute auf ProSieben: Kapitalismuskritik im Werbespotformat.

Protest ist eine feine Sache, leider kommt er meist in den falschen Anzügen daher. Einer wie Nachwuchsanwalt Eli Stone (Jonny Lee Miller), dessen Glaubensbekenntnis aus den drei großen As Armani, Accessoires and Ambition besteht, lässt sich ganz bestimmt nicht von den üblichen Pop-Heilsbringern erwecken: Bruce Springsteen soll sich erstmal ein anständiges Hemd kaufen, Neil Young würde er am liebsten zum Friseur schicken, und Bob Dylan, der Knitterkopp im Knitteranzug, ist für Eli sowieso indiskutabel.

Nachwuchsanwalt Eli Stone in der gleichnamigen Serie: Ein bisschen Wahnsinn hat noch nie geschadet
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ProSieben

Nachwuchsanwalt Eli Stone in der gleichnamigen Serie: Ein bisschen Wahnsinn hat noch nie geschadet

Die frohe Botschaft, dass Widerstand gegen die Verhältnisse glücklich machen könnte, sollte auf jeden Fall hübsch verpackt sein. Für jemanden wie Eli Stone ist deshalb George Michael der richtige Mittelsmann, strahlt der alte britische Popstar doch noch immer diesen Aufstiegsoptimismus der achtziger Jahre aus, der einst ganze Generationen junger Menschen daran glauben ließ, durch das eher glanzlose Studium der Rechtswissenschaften irgendwie am kapitalistischen Glamour teilhaben zu haben können.

Und eben dieser George Michael steht nun eines Nachts auf dem Couchtisch von Eli Stone. Jedenfalls glaubt Eli Stone, ihn zu sehen. Gerade noch hatte der Stanford-Absolvent im teuersten Restaurant von San Francisco erfolgreich der Tochter seines Chefs einen Heiratsantrag gemacht, da jubelt und tanzt der Popstar in einem für diesen kleinen Rahmen doch etwas zu euphorischen Modus im Yuppie-Appartement herum und bietet seinen Hit "Faith" dar. Die Frischverlobte aber hört und sieht nichts von dem Michael-Auftritt – ist der kühle Stratege Stone etwa verrückt geworden?

Anwalt mit Visionen

Ein bisschen Wahnsinn hat ja noch nie geschadet, wenn man gegen die Übermacht von Kapital und Industrie zu Felde zieht. Gleich am nächsten Tag jedenfalls übernimmt Eli Stone einen aussichtslos erscheinenden Fall und verklagt im Auftrag einer jungen, mittellosen Mutter ein milliardenschweres Pharmaunternehmen, dessen Medizin beim Sohn Autismus ausgelöst haben soll.

Der Glaube ans Rechtssystem musste bei amerikanischen Serienzuschauern zuletzt arg leiden. Ob "Boston Legal", "Shark" oder "Damages" – überall agierten in den vergangenen Jahren die gleichen zynischen Rechtsverdreher zum eigenen und zum Wohle der multinationalen Konzerne. Um nun in 45-Minuten-Episoden das juristische und machtpolitische Dickicht des aktuellen US-Fernsehens zu lichten, bedarf es eben einer supernatürlichen Kraft.

Oder wenigstens einer eingebildeten supernatürlichen Kraft. Denn schon bald entpuppen sich Elis Visionen als Folgen eines inoperablen Gehirndefekts. Egal, die eingebildeten Auftritte des Achtziger-Helden Michael, von denen es in der ersten Staffel gleich vier gibt, wirken so echt und so aufmunternd, dass dieser Don Quichotte des "legal drama" den eingeschlagenen Kurs fortsetzt.

Hitchcock-Referenzen und ganz viel Wham!

Mit welcher Lässigkeit die Serienschöpfer Greg Berlanti und Marc Guggenheim ("Brothers & Sisters") das Gerichtsdrama auf kurzer Strecke ins Phantastische weiten, das hat jedoch auch seinen Preis. Die advokatische Verve bleibt gelegentlich auf der Strecke, die Brisanz der Fälle wirkt arg konstruiert – was man schon am Streitobjekt der ersten Episode erkennen kann: Dass Hustensaft Autismus zur Folge haben soll, strapaziert schon arg die Plausibilität der Erzählung.

Dafür tröstet die Anwaltsserie mit Schauwerten, die es in diesem Genre sonst eben nicht gibt. Aberwitzig schieben sich Elis Visionen in seine Arbeitswelt: Einmal bimmelt gar eine von San Franciscos pittoresken Straßenbahnen in die Lobby seiner Kanzlei, ein anderes Mal wird er von einem Flugzeug durch die Straßen der Stadt verfolgt wie einst Cary Grant in Hitchcocks "Der unsichtbare Dritte". Und immer wieder tanzt George Michael wie in einem Video seiner alten Band Wham!. Wie soll dem frisch erweckten Antikapitalisten Eli Stone da noch Ruhe und Atem bleiben für eine ausgearbeitete Analyse der Verhältnisse und ausgeklügelte Anklagestrategien?

Andererseits kommt die mild-subversive Botschaft so eben auch viel schneller an den Mann: "Eli Stone", das ist Kapitalismuskritik in Werbespotformat.


"Eli Stone", mittwochs, 20.15 Uhr, Pro Sieben

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Dann schauen Sie eben Ihre Ally-DVD-Sammlung zweimal täglich von vorn bis hinten durch, aber bitte: Lassen Sie den Rest der Menschheit von magersüchtigen, herzlich-liebevollen, rehäugigen Anwälten verschont, vor allem, weil es [...] mehr...

07.08.2008 von FjodorF.Fjodor: .

Mir gefällts. Ich hab auch gelacht. BL hat mir auch gut gefallen, wobei man die Serien nicht unbedingt vergleichen sollte. Ally McBeal z.B. kann ich überhaupt nicht ab, diese wandelnde, affektierte Magersucht konnte ich [...] mehr...

07.08.2008 von namow19: Zur Serie

...ich dachte erst ich hätte die Visionen...Ally McBeal hatte eine Geschlechtsumwandlung aber sie ist noch genauso durchgeknallt. George Micheal statt Al Greene, Flugzeuge statt Einhörner... Ally hätte ich ja sofort zurück [...] mehr...

07.08.2008 von SchneiderWeisse63: zum Thema Recherche...

...wage ich anzumerken, dass Ally McBeal ebenfalls von David E. Kelley produziert wurde. mehr...

06.08.2008 von -akw-: titel

Kenne die Serie schon im Original - ganz nett, kommt in Wortwitz (obwohl schon echt gut!) und Tiefe jedoch nicht an meinen Favoriten Boston Legal heran! mehr...

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