Von Lu Yen Roloff, Peking
Christoph Limbrunner arbeitet in der deutschen Redaktion, die sich den zehnten Stock mit Russen, Italienern und den Redaktionen für Laos und Kambodscha teilt. Während chinesische Redakteure die Nachrichten der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua ins Deutsche übersetzen, ist Limbrunner für den sprachlichen Feinschliff zuständig. Wie andere ausländische Redakteure verfasst er zudem eigenständige Berichte und Interviews, übersetzt außerdem einen Sprachlehrkurs. Freien Journalismus nach deutschen Maßstäben kann er jedoch innerhalb des Senders nicht ausüben.
Denn das "Handbuch für ausländische Angestellte" legt die staatliche Linie gegenüber den "sensiblen Themen Chinas" fest: Die da sind Taiwan, Tibet und die Menschenrechte. Letztere definiert Xin Liancai vom CRI-internen "Büro für internationale Kooperation" ausschließlich als "das Recht auf Unabhängigkeit und wirtschaftliche Entwicklung". Laut Chinas Erfahrungen mit Armut und ausländischer Besatzung könnten "andere Menschenrechte sonst nicht durchgesetzt werden".
Das Wirtschaftswachstum seit 1978 habe die Zahl der Armen von 250 Millionen auf nur 2,61 Millionen reduziert: "Über eine Milliarde Menschen leben in China ein komfortables Leben. Chinas Erfolge im Schutz, der Verbesserung und der Förderung der Menschenrechte werden von allen unvoreingenommenen Ländern und Menschen gepriesen."
CRI war nicht immer das schicke Medienhaus mit zur Schau gestellter Internationalität: 1947 ging der Sender in einer Höhle in den nordchinesischen Taihang-Bergen auf Sendung – als Bürgerkriegssender, der die Dorfbesetzungen der Kommunistischen Partei publik machte. Die Web-Seite der Radiostation beschreibt, wie die damalige Moderatorin im Schein einer Kerosinfunzel arbeitete, während eine Felldecke am Höhleneingang das Blöken der draußen grasenden Schafe dämpfte: "Vor der Sendung musste die Moderatorin manchmal mit einer Fackel die Wölfe verscheuchen." Ende der vierziger Jahre zog CRI nach Peking um.
Heute erscheint das Web-Portal des Senders, das auch Geschichten über ungewöhnliche Subkulturen bringt, jung und manchmal beinahe progressiv. Programmdirektorin Jade Wang Lu, eine in England ausgebildete Moderatorin der ersten Stunde, will in Zukunft den Live-Anteil des Programms auf 100 Prozent erhöhen – eine wichtige Öffnung für das staatliche Mediensystem, das unter "live" bisher eine um etliche Sekunden verzögerte Sendung versteht.
Und natürlich sind die Führungspositionen des Hauses immer noch strikt mit KP-Mitgliedern besetzt. Bekanntwerden soll das bei den Hörern allerdings nicht. Für sie ist das Easy FM nämlich der Sender, in dessen interaktiven Nachmittagsshows etwa Tickets für das Musical "Hairspray" gewonnen werden können; der Sender mit den Sprachlehrkursen und den witzigen, englisch-chinesischen Wortwechseln: einfach der Sender zur weiten Welt.
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