Sonntag, 22. November 2009

Kultur



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28.07.2008
 

Das System George Clooney, Teil 2

Der panische Superstar

Er mag der einzige Weltstar des Kinos sein, aber dennoch ist er von Angst getrieben. Vor dem Abstieg, den Kritikern, der Langeweile des Publikums. Zum Glück gibt es seine "Jungs". Wer das ist, erfahren sie im zweiten Teil von Klaus Brinkbäumers Clooney-Porträt.

Zurück zum ersten Teil: Das System Clooney

Clooney wohnt drei bis fünf Monate pro Jahr in Laglio am Comer See in Italien; er hat dort die 18-Zimmer-Villa Oleandra aus dem 18. Jahrhundert mit allem, was man im 21. Jahrhundert so braucht: Er hat einen Esstisch für die Dinnerpartys, die Motorräder für seine Kumpels, den Pool, hohe Hecken; Paparazzi sehen nur etwas, wenn sie Hubschrauber mieten. "Es ist wunderschön", das sagt Clooney über die Residenz von Laglio, "innerhalb der Mauern die totale Freiheit. Die Jungs kommen, wir gucken Filme, ich schneide dort, und alle bringen ihre Kinder mit. Und wir fahren auf den See hinaus." Ein zweites Haus, auf den Klippen von Cabo San Lucas, Mexiko, lässt er gerade bauen.

Ansonsten lebt Clooney seit 13 Jahren in den Hollywood Hills, Kalifornien; am Anfang wohnte das Hängebauchschwein Max bei ihm, heute immer mal wieder eine ziemlich junge Frau. Es ist ein eher bescheidenes Grundstück mit Bäumen im Garten und einem Gittertor, vor dem heute wieder die Paparazzi lagern - "Britney ist meine Nachbarin, darum sind die hier", sagt Clooney, der die Kameras unten am Tor so ausgerichtet hat, dass er sich oben im Bett die Typen mit den Fotoapparaten ansehen kann.

Es gibt hier Kronleuchter und eine Menge dunkles Holz und beigefarbene Vorhänge, es gibt ein Raucherzimmer für die Freunde und einen Flachbildschirm neben dem Kamin. Der Fernseher läuft immer, meist ohne Ton - "der Fernseher ist mein Begleiter, ich mag das Flimmern und dieses Grundrauschen, seit ich klein war, weil damals der Fernseher auf dem Küchentisch stand. Wir sahen die Nachrichten, die mein Vater sprach", sagt Clooney. In den Regalen stehen DVDs wie "Die Unbestechlichen", eine Fotografie von Steve McQueen hängt an der Wand, und die ganze schicke Einrichtung sagt wahrscheinlich weniger über Clooney aus als die kleine Geschichte, dass er, König des Stils, das hier gar nicht eingerichtet hat.

Keine Zeit. Auch keine Lust. Er hat das alles seinen Freund Rande Gerber machen lassen, Inhaber mehrerer Bars und Ehemann des Models Cindy Crawford.

Journalisten bittet Clooney selten ins Haus, Interviews gibt er hier ohnehin nicht, die gibt er in Hotels, zum Beispiel in Beverly Hills, Four Seasons, diesmal Zimmer 1521. Clooney ist schon da, er trinkt Diet Coke. Er grüßt beidhändig, bietet einen Stuhl und Obstsalat an, fragt nach Europa, der Kanzlerin, deutschen Medien, deutschem Kino. Er wartet nicht auf Fragen, er führt, "großartig, Sie wiederzusehen", sagt er. Darum geht es ja für einen Schauspieler: die Kontrolle zu haben über das, was die Menschen spüren.

KULTURSPIEGEL 8/2008


TITEL
George Clooney, Superstar
Drei Begegnungen mit einer Hollywood- Legende

Ein Kino-Interview soll es werden, über Film und ein Leben als Multitalent. Wir haben 31 Minuten. Die Spielregeln sind simpel: Das gesprochene Wort gilt, kein Satz muss vor dem Abdruck vorgelegt werden, darum darf auch an keiner Frage oder Antwort nachträglich gefeilt werden. In Deutschland, wo jedes Fußballersprüchlein von Beratern weichgespült und glattgebügelt wird, kommt so etwas nicht mehr vor. Clooney lehnt sich zurück, hört die Fragen an, denkt nach, antwortet.

Bedeutet es nicht permanente Überforderung, wenn ein Schauspieler sein eigener Regisseur ist?

"Ja, immer. Es ist wild. Es ist, als ob Sie und ich reden und die Kamera heranfährt und ich so tue, als hörte ich Ihnen zu, doch gleichzeitig sehe ich schon, dass die Kamera zu dicht an Ihrem Gesicht ist und wir viel Zeit und Geld verbrennen. Schizophrenie als Dauerzustand."

Wie wirkt sich das auf Ihre Arbeit aus?

"Es heißt Panik. Die ganze Zeit. Ich muss General und Armee zugleich sein. Ich schlafe nicht und denke morgens schon, dass ich den Tag nicht schaffen werde. Ich rette mich durch manische Vorbereitung, jeder Schritt ist dutzendfach durchdacht."

Warum dann diese Doppelrolle?

"Selbstschutz. Ich weiß, irgendwann werden Sie und alle anderen mich nicht mehr sehen wollen. Ich will andere Dinge können, wenn es so weit ist, schreiben oder Regie führen. Das ist ein seltsames Geschäft, weil du nach jedem Film erst einmal wieder arbeitslos bist. Das heißt Furcht, immer."



Sie haben Existenzangst?

"Ja, jede Sekunde. Ich habe es erlebt. Mein Vater war Fernsehmoderator, und immer wenn er entlassen wurde, mussten wir in ein kleineres Haus ziehen und die Sprüche in der Schule aushalten. Und meine Tante Rosemary war Schlagersängerin und ein echter Star. Nummer-eins-Hits, volle Hallen, Fernsehruhm, 'Time'-Titel, Konzerte mit Sinatra, das ganze Programm.

Dann kam die Nacht, in der der Rock'n'Roll erfunden wurde, am nächsten Morgen waren Presley und Chuck Berry da, all die Männer. Und Tante Rosemary war raus, peng, so schnell geht das. Ihre Ehe ging kaputt, sie wurde tablettensüchtig, sie war sogar in der Psychiatrie. Ich habe es erlebt: Dieser Tag kommt, für jeden."

Ist es deshalb wichtig, in jedem Moment so viel Macht wie möglich zu behalten?

"Ja, klar, aber manchmal verliert man diese Kontrolle. Eigentlich versuche ich immer, die Leute mit Würde abtreten zu lassen, aber neulich kam eine Frau zu mir an den Tisch und wollte ein Autogramm. Ich gab's ihr. Dann sagte sie: 'Sie sind ein Idiot, Herr Clooney. Warum lieben Sie Ihr Land nicht?' Und da war es vorbei. Ich schrie: "Geben Sie mir das verdammte Autogramm zurück. Und dann: Get the fuck away from me!"

Und hinterher: Scham?

"Nein. In dem Fall nicht."

Wann dann?

"Es gibt ja einen Unterschied zwischen Peinlichkeit und Scham. Wenn ich im Restaurant sitze und es kommen 50 Paparazzi und fotografieren mich über die Köpfe aller Gäste hinweg - das ist peinlich, daran werde ich mich nie gewöhnen. Doch Scham, wegen etwas, was ich getan habe? Selten. Obwohl, manchmal mache ich einen Witz auf Kosten von jemandem, der's nicht verdient hat, dann schreibe ich ihm eine Entschuldigung. Ehrlich gesagt, ich schreibe ganz schön oft Entschuldigungen. Ich habe Freunde, die mich glücklicherweise vor all den anderen Dingen retten, deretwegen ich mich schämen würde."

Wer ist das?

"Meine acht Jungs. Sie alle haben ihr eigenes Geld und ihr eigenes Leben, und wir sagen uns die Wahrheit. Neulich habe ich mal bis drei Uhr morgens gearbeitet, und dann bin ich noch einen trinken gegangen; zu viele Drinks halt. Ich war zu betrunken, um noch zu fahren, keine Ahnung, wie ich nach Hause gekommen bin. Es ist nichts, was ich regelmäßig tue, aber, ehrlich gesagt, es ist vorher schon mal vorgekommen. Und da sagten meine Jungs: 'Hör zu, Dumb-Ass, es geht dir zu gut. Du willst wohl unbedingt dein Foto in irgendeiner Entertainment-Show sehen? Brauchst du Geld, damit du dir ein Taxi leisten kannst?' Ich war dann still, das bin ich auch nicht so oft. Für so etwas sind meine Jungs da."

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