George Clooney war ein Teenager, als eine Filmcrew nach Augusta kam, Richard Chamberlain war dabei. "Das war die Saat", sagen seine Eltern. Er studierte ein wenig in Kentucky, wurde die 10.000 Dollar, die sein Vater ihm für vier Jahre College gegeben hatte, in ein paar Monaten los, und dann fragte er, ob er den alten Chevrolet Monte Carlo haben könne. Er fuhr vier Tage lang, immer nach Westen, dann war er in Los Angeles.
Es ging nicht gut, viele Jahre lang nicht. Er spielte in schlechten Theatern und nahm Unterricht, er arbeitete auf dem Bau und ging zu all den sogenannten Auditions.
Vater Clooney sagte ihm: "Junge, es gibt 50.000 Journalisten in den USA und 3000 Schauspieler. Rechne! Mache einen Collegeabschluss, dann hast du etwas, worauf du zurückfallen kannst."
George sagte: "Wenn ich was habe, worauf ich zurückfallen kann, falle ich."
"Er hatte recht. Er hat immer recht", sagt Nick Clooney, "und wissen Sie, was seine wahre Stärke ist? Ich, Sie, wir alle erreichen irgendwann einen Punkt, an dem wir stehen bleiben. George geht weiter, er hat keine Angst zu wachsen."
Es kamen die ersten Serien, und bald gab es Anschlussverträge, aber Clooney lehnte die Anschlussverträge ab, weil er weiterwollte. Steven Spielberg sagte ihm: "Wenn du lernst, den Kopf ruhig zu halten, wirst du ein Kinostar werden."
Und Clooney hielt den Kopf ruhig.
"Emergency Room", die Serie, brachte ihn 1994 nach oben, es folgten die Kinofilme: "From Dusk till Dawn", "Out of Sight", "O Brother, Where Art Thou?", "Ocean's Eleven", "Confessions of a Dangerous Mind", "Syriana", "Good Night, and Good Luck", "Michael Clayton". 27 Kinofilme, 27 Silberbecher bekam er dafür von den Eltern. Clooneys Pokale.
Es ist Nachmittag in Manhattan, Clooney sagt, New York sei schwer zu genießen für ihn: zu eng, zu voll, zu wenige Ecken, in denen er nicht bedrängt wird. Ansonsten jedoch: die südliche Hälfte der Welt ein Grund für Sorgen und die nördliche ein einziger Spielplatz, das Leben als König von Hollywood nichts als ein unverdientes Geschenk.
Nie verbittert gewesen wegen der Nachteile des Ruhms?
"Ich verstehe alle, die bitter werden, wenn der Ruhm vergangen ist. Aber während sie berühmt sind? Soll ich weinen, weil Paparazzi vor meinem Haus stehen? Ich wollte das, jetzt habe ich es, es ist der pure Genuss. Natürlich, durch Mobiltelefone und YouTube tanzen wir einen komplett neuen Tanz: Bohrst du in der Nase, lacht dich die Welt aus. Es ist ein Tanz mit ständig schneller werdender Musik, aber ich kannte nichts anderes als den Umgang mit Ruhm: Wenn irgendwer für den modernen Tanz trainiert wurde, bin ich das."
Was ist der Trick?
"Der erste Trick ist, dass du dich nicht gegen jeden Klatsch verteidigst. Wähle ein, zwei Sachen aus, die die Verteidigung lohnen. Lass den Rest vorbeirauschen. Der zweite Trick ist die Kennedy-Theorie."
Bitte?
"Ja. Es gab nie eine dümmere erste Aktion eines gerade gewählten Präsidenten als die Invasion in der Schweinebucht auf Kuba, nicht wahr? Die Ablehnung des Kyoto-Protokolls kommt dicht an die Schweinebucht heran, aber ich glaube, die Schweinebucht gewinnt knapp. Es war die dümmste erste Amtshandlung der Geschichte, und am nächsten Morgen gab Präsident Kennedy eine Pressekonferenz und sagte: 'Dies vorweg, ich habe gestern einen großen Fehler gemacht. Ich habe phantastische Berater, aber ich habe eine Entscheidung getroffen, die falsch war.' Dann kamen die Journalisten und fragten: 'Mister President, war es nicht Ihr Fehler?' Und Kennedy: 'Ich sagte gerade ...' Und damit war's vorbei."
Wir lernen: Immer offensiv sein?
"Den Schlag gar nicht erst kommen lassen, lieber selbst schlagen. Es gibt eine Menge Berater, die sagen: 'Leugne, leugne, leugne, irgendwann zieht es vorüber.' Ich glaube jedoch etwas anderes: Sag die Wahrheit, versuche nicht, dich zu winden oder zu lügen. Sei der Story, die sowieso kommen wird, einen Schritt voraus."
Ein Beispiel?
"Wenn ein Film wie 'Batman und Robin' rauskommt und die Kritiker sagen, er sei gruselig, dann stell dich hin und sag: 'Vielleicht ist es ja kein großartiger Film, aber das Schlechteste darin bin ich.' Ich versprech's: Es ist nicht so schwer. Und wissen Sie, wer beweist, dass ich recht habe?"
Vermutlich Sie selbst?
"Nein, ich meine George W. Bush. Er hat gelogen, gelogen, gelogen. Es ist noch gar nicht lange her, da war er der meistgefürchtete Mann der Welt - haben Sie gesehen, wie er behandelt wurde, als er im neuen Baseball-Stadion in Washington D. C. den ersten Wurf machen sollte? Sie haben gebuht und gelacht. Eine Witzfigur ist er durch seine Lügen geworden, das war sein eigenes Werk. Wissen Sie, wer noch beweist, dass ich recht habe?"
Wer?
"Bill Clinton. Ein großartiger Präsident, eigentlich. Immer noch ganz populär. Aber seit Monica Lewinsky ist er beschädigt, und seitdem glauben die Menschen auch Hillary nicht mehr. Das war der Kern im Vorwahlkampf: Letztlich vertrauen die Menschen den Clintons nicht."
Das war die Lücke, in die Barack Obama stieß?
"Ja, das war sie. Obama war noch nicht im Senat, aber er kandidierte, auch er hatte viel zu verlieren. Er sagte es trotzdem: 'Nein, das ist der falsche Krieg.' Dieses Nein hat Barack in Fahrt gebracht, es war der Beginn."
Was tun Sie für Obama?
"Im Stillen werben, Fundraiser organisieren, solche Sachen. Öffentlich halte ich mich zurück, denn bei den Liberalen braucht er keine Hilfe, und bei den Konservativen würde ich ihm nur schaden."
Er trinkt Kaffee, er isst einen Obstsalat, trinkt noch einen Kaffee. "Waren das wirklich alle Themen?", will Clooney wissen, dann geht er aufs Zimmer.
Er hat bei keiner Frage darum gebeten, etwas off the record zu sagen, aber der Mann hat seine Maschen: Sobald man ihn nach Frauen fragt oder nach den Web-Seiten, auf denen er schwul genannt wird, antwortet er mit Scherzchen, also nicht. Selbstkontrolle und Ironie retten ihn, darum gelingt es ihm ja besser als seiner Nachbarin Britney Spears, der Öffentlichkeit das Gefühl zu geben, ihn privat zu kennen, und doch zu hüten, was privat bleiben soll.
Frauen oder Männer? Frauen. Es ist nicht wichtig, in Clooneys Welt aber auch für niemanden eine Frage. Sind die acht Jungs wirkliche Freunde, oder geht es eher darum, von ihnen zu reden? Hier beginnen die Fragen, die bleiben, am Ende kann man sich Clooney auch als einsamen Mann vorstellen.
Wenn allerdings die Welt ein wenig wie Clooney wäre, sähe sie besser aus, hätte Witz, und sie wäre effizienter; die Vernunft hätte gesiegt. Und in Clooneyland am Comer See würde der Gastgeber den Grill anwerfen und ein "Heineken" öffnen, er würde den Jungs zulächeln, es wäre vollbracht.
Wer ihn in den folgenden Tagen und Wochen beobachten will, muss dann reisen, muss Gewühl aushalten und vor allem Geschrei. Er geht zu David Letterman, wischt Krümel von der Hose, ist witzig und schlau. Zwei Hemdknöpfe stehen offen, das Publikum sieht eine rasierte Brust.
Er fliegt nach Rom, Paris, London, gibt Pressekonferenzen, scherzt, schreibt Autogramme. "Thanks for the dance", das malt er den Damen aufs Blatt.
Er fliegt wieder nach New York und ist Gastgeber einer Gala im Metropolitan Museum of Art, im Smoking steht er neben Julia Roberts, schlau und witzig.
Überall Scheinwerfer. Brüllende Fotografen. Blogger. Kameras. Stan Rosenfield steht am Rand und liest im Blackberry, was so hereingekommen ist. Clooney lächelt und dreht sich. Nichts ist schwerer als Leichtigkeit, es kann nicht viel geben, was anstrengender wäre, als George Clooney zu sein.
Er sagt: "Danke, vielen Dank Ihnen allen", dann stellt er das Lächeln ab und steigt in seinen Jet. Und wohin jetzt?
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Gesellschaft | RSS |
© KulturSPIEGEL 8/2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH